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09.08.2016
Mahan Esfahani

Eindrucksvoller Zeitgeist - ein Interview mit Mahan Esfahani

Als Meister an den Tasten des Cembalos fasziniert Mahan Esfahani nicht nur mit virtuosen Fähigkeiten, sondern überzeugt uns im Klassikakzente Interview auch mit viel Charme und seiner einzigartigen Persönlichkeit.

Mahan Esfahani, Eindrucksvoller Zeitgeist - ein Interview mit Mahan Esfahani © Bernhard Musil / DG Mahan Esfahani

1. Wenn es nicht das Cembalo geworden wäre, welches Instrument hätten Sie dann gerne gelernt? 

Ich denke die Laute ist noch eines der wenigen Instrumente, die zu einem Gentleman passen. Das wäre nett gewesen zu lernen und zu spielen.  

2. Wenn Sie die Wahl hätten, in welchem Zeitalter hätten Sie gerne gelebt? 

Unsere eigene Zeit ist nicht besser oder schlechter als irgendeine andere Zeitperiode. Die Chancen stehen gut, dass egal in welcher Epoche ich leben würde, ich etwas wundervoll oder etwas unbefriedigend an der Zeit finden würde. Und natürlich würde es immer Leute geben, die die Vergangenheit glorifizieren. Also bleibe ich in dieser Zeit.
Es wäre trotzdem interessant gewesen in das Jahr 1889 und 1900 zu den Weltausstellungen in Paris zu gehen. Aber ich würde nicht für länger dort bleiben wollen, nicht in Paris oder in den vergangenen Jahren.

3. Welchen Komponisten aus der Vergangenheit hätten Sie gern gebeten, ein Musikstück für Sie zu schreiben? 

Ich wünschte wirklich, Morton Feldmann hätte etwas für das Cembalo geschrieben.

4. Gibt es einen Maler aus der Vergangenheit oder aktuell, für den Sie Model stehen würden?

Goya – definitiv Goya. 

5. Wer ist Ihr Vorbild – musikalisch / allgemein? 

Musikalisch und allgemein: Johann Sebastian Bach.

6. Welche drei Dinge würden Sie auf eine einsame Insel mitnehmen?

Jaroslav Hašeks Roman "Der brave Soldat Schwejk" – er hat keinen wirklichen Anfang oder ein Ende. So könnte ich ihn an jeder Stelle aufschlagen und einfach genießen.
Adam Fischers "Mozart Symphonien" mit dem "Danish National Chamber Orchestra" - es ist ein Kopf an Kopf rennen dazwischen und Sviatoslav Richters "Bach: Well-Tempered Clavier" sowie den gesammelten Aufnahmen von Boulez und Webern. 
Eine "Tin Whistle" (kleine Flöte mit 6 Löchern) – wenn ich auf einer einsamen Insel feststecken würde, hätte ich keine Lust die ganze Zeit ein Instrument zu stimmen. Und die Vögel würden es mögen (oder es hassen, je nachdem wie ich spiele).

7. Welches nichtmusikalische Abenteuer würden Sie gerne erleben?

Ich glaube es wäre wundervoll spannend gewesen mit Marco Polo durch Zentralasien nach China zu schreiten. Es muss so fabelhaft gewesen sein, eine Kultur zu entdecken, die so anders ist, dass sie gewirkt haben muss, als sei man auf dem Mars. 

8. Wie sieht ihr Wunschpublikum aus? 

Jedes Publikum ist wirklich wundervoll in seiner eigenen Art und Weise. Aber ich bevorzuge ein Publikum, das da ist, weil es Musik aufrichtig liebt (oder das wenigstens eine Neugierde hat). Ich mag das mehr, als ein Publikum, das anwesend ist weil man gesehen werden will oder auf Grund irgendwelcher anderen Befindlichkeiten. 

9. Welches Musikstück lässt Sie außer Atem kommen? 

Wenn ich mir die gesamte Oper "Die Meistersinger von Nürnberg" angehört habe, muss ich mich erst mal für eine Weile ausruhen. Ich erinnere mich außerdem daran, dass ich buchstäblich für ein paar Sekunden nicht atmen konnte, nachdem ich  Ligetis "Concert Romanesc" zum ersten Mal gehört hatte.

10. Welcher Komponist und/ oder welches Musikstück ist Ihrer Meinung nach in unserer heutigen Zeit unterschätzt/ überbewertet? 

Ich finde, dass die Liste der unterschätzen oder missverstandenen Komponisten sehr lang ist und sich deprimierend liest: Haydn (Ja! Immernoch Haydn!)  Elisabeth Maconchy, Bohuslav Martinu, Imogen Holst, Tristan Murail, Klaus Huber, Elgar (Ja! Elgar!).
Und überbewertet? Okay, wo starten wir da? Ich werde kein Wort über lebende Komponisten verlieren, aber ich muss sagen, ich verstehe Mahler nicht. Ich habe es noch nie getan. Ich würde mich ernsthaft eher einer Zahn-Operation unterziehen, als mir eine seiner Symphonien komplett anzuhören. Das heißt nicht, dass er kein guter Komponist ist, aber ich verstehe seine Musik einfach nicht.

11. Gibt es eine Aussage über Musik, die Sie nicht mehr hören können? 

"Das ist entspannend." Ich will wirklich die Person finden, die das zuerst gesagt hat und sie ins Gesicht schlagen. 

12. Was ist Ihr musikalisches Credo? 

"Dies über alles: Sei dir selber treu,
Und daraus folgt, so wie die Nacht dem Tage,
Du kannst nicht falsch sein gegen irgendwen."
Shakespeare

13. Welches Buch lesen Sie im Moment? 

"Gelebtes Leben" von  Emma Goldman (eine großartige Anarchistin, Feministin, eine Befürworterin der freien Liebe und eine Anti-Krieg Fürsprecherin und vieles mehr.)

14. Mit welcher Märchenfigur können Sie sich identifizieren?

Zählt das Loch Ness Monster? Ich war seit meiner Kindheit schon immer fasziniert davon.

15. Welche dieser 4 Charaktereigenschaften – lebensfroh, melancholisch, aufbrausend, schwerfällig – kommt Ihrem Charakter am nächsten? 

Wahrscheinlich melancholisch.