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09.06.2016
Maurizio Pollini

Glückliche Fügung – Pollini und Thielemann interpretieren Brahms

Die Klavierkonzerte von Johannes Brahms gehören zu den anspruchsvollsten Werken der romantischen Literatur. Jetzt veröffentlicht Deutsche Grammophon Live-Mitschnitte von zwei hochgelobten Darbietungen an der Semperoper.

Maurizio Pollini, Glückliche Fügung – Pollini und Thielemann interpretieren Brahms © Harald Hoffmann / DG Maurizio Pollini, Christian Thielemann

Es war ein gewagtes Experiment. Als Maurizio Pollini im Jahre 2011 nach Dresden kam, um sich gemeinsam mit Christian Thielemann dem ersten Klavierkonzert von Johannes Brahms zuzuwenden, war noch völlig offen, ob die Zusammenarbeit der beiden eigenwilligen Künstler fruchten würde.

Triumphale Rückkehr: Pollini in Dresden

Christian Thielemann, der instinktgeleitete, passionierte Vergötterer der deutschen Romantik und Maurizio Pollini, der intellektuelle, behutsam musizierende Poet am Klavier – konnte das gut gehen? Pollini und Thielemann kannten sich kaum. Der italienische Pianist und der deutsche Dirigent hatten 2010 in München das erste Mal zusammen musiziert. Hinzu kam, dass Pollini 25 Jahre lang nicht in Dresden war, würde er also mit der Staatskapelle Dresden unter Christian Thielemann zurechtkommen?

Kurz gesagt, er kam zurecht, ließ sich mitreißen und seine Rückkehr nach Dresden geriet zu einem Triumph. Thielemann und Pollini zogen sich an. Die ungleichen Charaktere fanden in spannungsvoller Harmonie zusammen. Thielemann war der Antreiber. Er brachte die Dynamik, den wilden Furor von Johannes Brahms zur Geltung, und Pollini barg das empfindsame, stille Moment des Hamburger Romantikers. Zugleich steckten sie sich wechselseitig an.

Fruchtbare Zusammenarbeit: Pollini und Thielemann

Pollini spielte ungeschützter, als man es von ihm gewohnt ist, und Thielemann führte die Staatskapelle zu einer poetischen Sanftheit, die in Kombination mit der enormen Dynamik des Orchesters ergreifend war. Jetzt liegen zwei Live-Mitschnitte von Konzertabenden Pollinis und Thielemanns vor. Die erste Aufnahme stammt aus dem Jahre 2011, als Pollini nach 25 Jahren Abwesenheit zur Staatskapelle zurückkehrte und mit Christian Thielemann Brahms’ erstes Klavierkonzert in d-Moll gab.

Das Publikum feierte Pollini und Thielemann frenetisch. Im Jahre 2013 kam Maurizio Pollini dann erneut an die Semperoper. Jetzt stand das zweite Klavierkonzert in B-Dur auf dem Programm, das nicht minder begeistert aufgenommen wurde. Auch von diesem Recital existiert ein Live-Mitschnitt, der jetzt zusammen mit der Aufnahme des ersten Klavierkonzerts aus dem Jahre 2011 in einem Doppelalbum erscheint. "Johannes Brahms: Klavierkonzerte Nr. 1 & 2" hat es in sich.

Zeug zum Klassiker: Ein Album nach Maß 

Das Album versprüht eine Musizierfreude, die schier überwältigend ist. Hinzu kommt die deutlich spürbare Lust der Dresdner Staatskapelle, die melancholischen Tiefen von Johannes Brahms auszuloten und mit Maurizio Pollini in einen musikalischen Austausch zu treten. Am Ende passt zwischen Thielemann und Pollini kein Blatt Papier mehr. Beide lieben schließlich die Romantik, und dass sie von unterschiedlichen Seiten an diese Tradition herangehen, hindert sie nicht, sich gemeinsam einzuschwingen.

Im Klavierkonzert Nr. 1 in d-Moll zeigt Brahms sich von seiner tiefsinnigen und grüblerischen Seite. Pollini und Thielemann führen jedoch vor, dass selbst hinter manch abweisender Geste des Komponisten eine hochempfindsame Poesie steckt, die es zu entdecken gilt. Das zweite Klavierkonzert ist offener, verspielter und träumerischer als das erste. Es hat viele kammermusikalische Elemente. Legendär ist der intime Anfangsdialog zwischen Solohorn und Klavier, der sofort eine Verbindung zwischen dem Pianisten und dem Orchester herstellt.

Diese Verbindung reißt an jenem Abend nicht mehr ab, und die Dresdner Neuesten Nachrichten resümieren später: "Die Bestimmtheit und selbstbewusste Haltung, mit der Pollini hier spielte, waren fesselnd. Der Klang durfte sich weiten und vertiefen, Christian Thielemann begleitete hoch aufmerksam und mit federnder Beweglichkeit." Und weiter, über die Verbindung des Pianisten mit seinem Orchester: "Pollini wurde bejubelt, aber der Altmeister wies immer wieder auf seine Kollegen im Orchester. Eine rare Geste bei Solisten."