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27.04.2016
Erik Satie

Moderner Vorreiter – Gesamtedition der Klavier-Solowerke von Erik Satie

Er gilt als früher Impulsgeber der Neuen Musik. Jetzt veröffentlicht Decca eine Gesamtedition der Klavier-Solowerke von Erik Satie. Jean-Yves Thibaudet interpretiert sie mit überwältigend zartem Charme.

Erik Satie, Moderner Vorreiter – Gesamtedition der Klavier-Solowerke von Erik Satie © Decca Erik Satie

Seine Musik steckt voller Geheimnisse. So klar sie klingt und so natürlich sie fließt, sie stellt die Hörerinnen und Hörer vor ein Rätsel. 

Geheimnisvolle Klänge: Erik Satie 

Aber genau darin liegt ihr Reiz: in der Rätselhaftigkeit, dem Wunder einer Klangatmosphäre, die so einmalig ist, als wäre sie aus dem Nichts geschaffen. Saties Musik ist ein seltenes Juwel. Sie ist kaum vergleichbar. Sie folgt einer eigenen Logik. Am ehesten erklärt man sich dies wohl aus den höchst unterschiedlichen musikalischen Prägungen, die Erik Satie erfuhr. Da waren einerseits die Gregorianischen Gesänge, die er in der Kirche kennen und lieben lernte. Satie wuchs bei seiner katholischen Großmutter in der Normandie auf.

In Honfleur lernte er den Organisten Gustave Vinot kennen. Vinot war nicht nur ein passionierter Instrumentalist und Chorleiter, der sich glänzend auf Gregorianische Gesänge verstand, er komponierte auch Alltagsmusik für Stadtfeste. Satie liebte beides: das erdige französische Chanson, das auch seine Eltern gepflegt hatten, und die strenge spirituelle Kunst der kirchlichen Gesänge, die so geheimnisvoll an sein Ohr drangen. Musik war für den jungen Erik Trost und Ansporn zugleich. Sie bot ihm Zuflucht.

Schweres Los: Sehnsucht nach Geborgenheit

Erik Satie hatte es nicht einfach im Leben. Er verlor schon früh seine Mutter, und als er 12 Jahre alt war, verstarb auch seine Großmutter. Der Junge kehrte zurück zum Vater nach Paris. Wirklich heimisch wurde er hier nicht. Ein Gefühl von Geborgenheit hat er nie ausbilden können. Nur die Musik bot ihm Sicherheit. In ihr kam er zu sich selbst, und er ließ seine einsame Sehnsucht nach Geborgenheit diskret in seine Kompositionskunst einfließen. In seiner Klaviermusik kommt dies am prägnantesten zum Ausdruck.

Am Klavier verband Satie seine spirituellen und liedhaften Neigungen zu einer impressionistischen Klangatmosphäre, die aus heutiger Sicht deutliche Vorzeichen des musikalischen Minimalismus trägt. Eine solche Kunst verlangt Präzision, klangliche Ausgewogenheit und poetisches Feingespür: Gaben, mit denen Jean-Yves Thibaudet reicht gesegnet ist. Deshalb stellt es einen Glücksfall dar, dass Saties sämtliche Werke für Klavier solo in einer Einspielung des französischen Meisterpianisten vorliegen.    

Edle Edition: Thibaudet glänzt

"Erik Satie – Sämtliche Werke für Klavier" umfasst 6 CDs und enthält neben Saties sämtlichen Solowerken für Klavier auch Bonus-Tracks mit Kompositionen für vier Hände. Die Edition erscheint im Vorausblick auf den 150. Geburtstag von Erik Satie am 17. Mai 2016. Sie würdigt den französischen Komponisten, der Größen wie Claude Debussy, Igor Strawinsky oder den amerikanischen Minimalisten Philip Glass geprägt hat, auf seinem stärksten Feld.

Saties Werke für Klavier solo entfalten eine Klangwelt, die zugleich modern, frisch und nachdenklich anmutet. Jean-Yves Thibaudet weiß damit umzugehen. Er spielt meditative Klassiker wie die Gymnopédies oder die Gnossiennes ohne jeden Schnörkel in ergreifender Einfachheit, und mit den jazz- und kaffeehausartig anmutenden Akkorden der Danses gotiques stiftet Thibaudet eine eindringliche poetische Atmosphäre, die zum Träumen einlädt.

Gerne blättert man auch das unterhaltsame Booklet der Edition durch, in dem man sich gut über Satie informieren kann, oder hört in die Bonus-Tracks rein. Pascal Rogé und Jean-Philippe Collard führen feinfühlig vor, dass Satie auch bei seinen vierhändigen Klavierkompositionen dem Prinzip der stimmungsvollen Einfachheit folgt. Mit diesem eigenwilligen Stil zieht der französische Komponist den Hörer immer wieder in Bann.