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14.04.2016

Die Lust am Detail – Miranda Cuckson spielt Schlüsselwerke des 20. Jahrhunderts

Miranda Cuckson verfügt über eine große Spannbreite an Ausdrucksmöglichkeiten. Jetzt veröffentlicht die junge Meistergeigerin ihr Debüt-Album bei ECM. Kompositionen des 20. Jahrhunderts, von Béla Bartók, Alfred Schnittke und Witold Lutosławski.

Miranda Cuckson, Die Lust am Detail – Miranda Cuckson spielt Schlüsselwerke des 20. Jahrhunderts © Caterina di Perri/ECM Records Miranda Cuckson, Blair McMillen

Miranda Cuckson hat eine Doppelbegabung. Sie beherrscht nicht nur ihr Instrument bravourös, sondern besitzt auch die Fähigkeit, mit sprühendem Geist über Musik zu sprechen.

Intelligentes Geigenspiel: Miranda Cuckson

Das kann nicht jeder Solist. Es muss auch nicht jeder können. Aber darin zeigt sich eine Qualität, die ein besonderes Licht auf den Stil und die Künstlerpersönlichkeit von Miranda Cuckson wirft. Die in Sydney geborene Geigerin weiß, was sie tut. Sie überlässt nichts dem Zufall. Sie ist eine zutiefst überlegte, mit reichhaltigen Gedanken gesegnete Frau, die Musik zu durchdringen vermag.

Die gedankliche Intensität, mit der sie sich der Musik widmet, hindert sie übrigens keineswegs daran, sich emotional packen zu lassen, Klangwelten zu genießen und sich hinzugeben. Im Gegenteil: Ihre Intelligenz scheint ein zusätzlicher Genussfaktor zu sein, der ihre frühen Erfahrungen mit Neuer Musik auf einer anderen Ebene verfeinert und mit Leben füllt.

Vertrautes Repertoire: Die Lust am Detail

Miranda Cuckson hat eine ästhetische Lust am Detail, und sie dringt gerne in Musik ein, mit der sie schon lange vertraut ist. Das erzeugt Intensität. Daraus erwächst eine Spielkultur, die ebenso intelligent wie gefühlvoll ist. Dieser doppelte Tiefgang macht sich auch auf ihrem soeben erschienenen ECM-Erstling bemerkbar. "Miranda Cuckson: Bartók, Schnittke, Lutoslawski" enthält drei Schlüsselwerke der Geigenliteratur des 20. Jahrhunderts.

Die junge Geigerin spielt unter der Klavierbegleitung von Blair McMillen Kompositionen von Béla Bartók, Alfred Schnittke und Witold Lutosławski. Was diese Werke eint, ist, dass sie allesamt mit folkloristischen Anleihen gespickt sind. Bei Bartók tritt dies am deutlichen zutage, bei Schnittke und Lutosławski eher diskret. Das Album beginnt mit Bartóks berühmter Violinsonate Nr. 2 (1922). Sie klingt bei Miranda Cuckson ungeheuer dicht und hermetisch.

Doppelter Genuss: Ein musikalisches und intellektuelles Vergnügen

Die Geigerin steigert sich unbeirrt in die zarten Melodien Béla Bartóks hinein. Es ist, als ob sie vollkommen in der Musik aufgeht. Zugleich verliert sie nie die Kontrolle. Ihr Spiel bleibt glasklar. Mit Schnittkes Violinsonate Nr. 2 "Quasi una Sonata" (1968) greift Miranda Cuckson auf ein Werk zurück, das einen erregenden Dialog zwischen Klavier und Geige entfaltet. Mit abrupten Klangmustern reagieren die beiden Musiker aufeinander. Dabei scheint es, als führten sie vor, wie schwierig die menschliche Kommunikation ist.

Das Werk beeindruckt durch seine schroffe, ungeschützte Ehrlichkeit, und wenn die Geige gegen Ende zu einem überaus zarten Gesang ansetzt, dann ist dies eine berührende Wendung. Lutoslawskis Partita für Geige und Klavier (1984) setzt mit pulsierender Rhythmik ein. Aber auch dieses Werk birgt viele lyrische Momente, die Miranda Cuckson genauso gerne auskostet wie die voranpeitschende Entschiedenheit Lutoslawskis.

Miranda Cuckson ist mit der Geigenliteratur ihres ECM-Debüts seit ihrer Kindheit vertraut. Sie liebt östlich-folkloristische Elemente in Neuer Musik. In ihrem vorzüglichen Booklet-Essay bekennt sie sich offenherzig zu ihren musikalischen Leidenschaften und dringt mit bestechender Intelligenz in die Stimmung der Kompositionen von Béla Bartók, Alfred Schnittke und Witold Lutosławski ein. So bietet dieses Album beides: ein musikalisches und ein intellektuelles Vergnügen.