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06.04.2016

Unermesslicher Farbenreichtum – Sämtliche Orchesterwerke von Maurice Ravel

Lionel Bringuier ist ein Meister feinster Klangabstufungen. Jetzt legt der junge Dirigent mit dem Tonhalle-Orchester Zürich eine Gesamteinspielung der Orchesterwerke Maurice Ravels vor: ein ewiger Fluss schöner, überraschender Klänge.

Lionel Bringuier, Unermesslicher Farbenreichtum – Sämtliche Orchesterwerke von Maurice Ravel © Norbert Kniat, Burkhard Scheibe, DG Yuja Wang, Lionel Bringuier

Er gehört nicht zu den Dirigenten, die es sich leicht machen. Lionel Bringuier sucht die Herausforderung. Er will neue Klangmöglichkeiten erproben, und dafür geht er Risiken ein.

Offenherziger Auftakt: Lionel Bringuier 

Dass er sich für seine ersten Einspielungen mit dem Tonhalle-Orchester Zürich den französischen Impressionisten Maurice Ravel ausgesucht hat, ist mutig. Damit zeigt er sich. Damit macht er sich angreifbar, birgt doch das, was man am meisten liebt, die größten Verletzungsgefahren. Und Ravels Klangfarben gehören für Lionel Bringuier, seit er denken kann, zum Schönsten, was es in der Musik gibt.

Der 1986 in Nizza geborene Dirigent gibt mit seinem Aufnahmedebüt beim Tonhalle-Orchester seine intimsten musikalischen Neigungen preis. Das weiß er. Darüber ist er sich im Klaren, und er wäre dieses Risiko wohl nicht eingegangen, wenn er nicht gespürt hätte, wie behutsam das Schweizer Orchester musiziert und wie außerordentlich gut sich dieser Klangkörper eignet, um Ravel zu interpretieren.

Unermesslicher Farbenreichtum: Tonhalle-Orchester Zürich

"Es war faszinierend zu hören, mit welcher Feinfühligkeit dieses Orchester Ravel spielt", so Lionel Bringuier. "Es verfügt über eine große Flexibilität, und deshalb reizte es mich, mit ihm den unermesslichen Farbenreichtum von Ravels Musik zu ergründen." Das hat er getan, und mit der soeben erschienenen Gesamtedition der Orchesterwerke Maurice Ravels liegt jetzt das Resultat dieser musikalischen Entdeckungsreise vor.

"Maurice Ravel – Sämtliche Orchesterwerke" umfasst vier CDs und enthält neben Klassikern wie dem Boléro, wie Daphnis et Chloé, wie Tzigane oder La Valse auch etliche Orchesterwerke des französischen Komponisten, die hierzulande nicht so bekannt sein dürften, jedoch in musikalischer Hinsicht nicht weniger reizvoll sind als die berühmteren Werke. 

Passendes Design: Impressionistische Gestaltungsmotive 

Wer diese Gesamtausgabe der Orchesterwerke hört, der wird mit überwältigenden Klangschönheiten bedacht. Es ist, als entrolle sich Ravels vielfarbiger Klangteppich, und was zum Vorschein kommt, sind ungewöhnliche, exotische und schimmernde Muster, die eine eigentümliche Anziehungskraft ausüben und den Hörer in eine träumerische, zutiefst versöhnliche Stimmung versetzen.

Unterbrochen wird diese weiche Atmosphäre von lebhaften, urban pulsierenden Werken wie dem Klavierkonzert in G-Dur, das Yuja Wang mit ebenso furioser Energie wie poetischem Feinsinn interpretiert. Tzigane gehört auch in dieses Feld der fiebrigen Lust. Es beginnt mit melancholischen Meditationen der Solo-Geige und steigert sich nach und nach in einen tänzerisch-ekstatischen Rausch. Der australisch-taiwanische Geiger Ray Chen meistert dies mit scharfen Schnitten, kühner Schnelligkeit und immenser Spielfreude.

Spielfreude und Neugierde sind Kennzeichen der gesamten Edition, deren äußere Gestaltung sich an die musikalische Stimmung anlehnt. Das farbenfrohe Cover-Foto von Kristine Havn Gullvåg passt kongenial zu Ravels Klangarchitektur. Der noble Booklet-Essay von Werner Pfister informiert eindringlich über Ravels Orchestermusik. Gemeinsam mit den Fotos der Künstler und dem im Booklet sowie auf den CD-Hüllen wiederkehrenden Cover-Motiv ergibt sich so eine überaus schöne Rahmung.