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04.04.2016
Hélène Grimaud

Wogen der Begeisterung - Hélène Grimaud verzaubert bei der Yellow Lounge

Mit dem Programm ihres Albums "Water" durchflutete Hélène Grimaud die Hallen des Berliner silent green Kulturquartiers am vergangenen Freitagabend.

Hélène Grimaud, Wogen der Begeisterung - Hélène Grimaud verzaubert bei der Yellow Lounge © Julia Schoierer Hélène Grimaud

Ein ehemaliges Krematorium im alten Berliner Arbeiterviertel Wedding war am 1. April 2016 Pilgerstätte für hunderte Musikbegeisterte. Der Grund: Die französische Star-Pianistin Hélène Grimaud gab sich bei der Yellow Lounge die Ehre! Mit Stücken von ihrem aktuellen Album "Water" sorgte die Tastenkünstlerin im silent green Kulturquartier für ein volles Haus, gespitzte Ohren und große Augen.

Die auch für eine Yellow Lounge außergewöhnliche Lokation sorgt bereits beim Betreten für großes Staunen.  Die fantastische Lichtinstallation von Marta Bala Visual Art füllte das ehemalige Krematorium mit farbenfrohen, lebendigen Naturbildern. Ob Wassertropfen, Wasserfälle oder erblühende Wiesen – die das Oktagon überspannende weiß getünchte Kuppel fungierte wie ein natürlicher Spiegel für das Thema des Abends: Wasser.

Erste Hälfte: Einer Insel gleich, thront die Bühne inmitten der freudig erregten Menschenmenge. Kurz nach 22 Uhr schreitet die Pianistin durch das Auditorium, begrüßt es mit einem sympathisch zurückhaltenden Lächeln und schlägt den ersten Ton der fast zweistündigen Veranstaltung an. Ob Maurice Ravel, Franz Liszt oder Debussy – auf sehr besinnliche und berührende Weise lässt Hélène Grimaud Ton um Ton auf ihre gefesselte Zuhörerschaft niederregnen, während es von der Decke tropft, blüht und grünt.

Zweite Hälfte: Nach einer kurzen Pause gleitet die Virtuosin zurück an ihren Flügel. Trotz der inzwischen späten Stunde verlangt die Menge nach mehr – begierig jeden einzelnen Ton, den Grimaud ihrem Instrument entlockt, in sich aufzusaugen. Ihre Finger flitzen, schweben, gleiten über die Tasten und lassen jegliches Gefühl für Zeit verrinnen. Der sinnlichen Erfahrung noch nicht müde vermutet man gegen halb zwölf das Ende der Veranstaltung – aber weit gefehlt: Ein besonderer Gast betritt die Bühne.

Christopher von Deylen, auch bekannt als Schiller, taucht von vielen zunächst unbemerkt aus der Menschenmenge auf und gesellt sich zu Hélène Grimaud. Als Duo liefert das Gespann eine kleine Zusammenstellung erfrischender Improvisationen wofür die Pianistin mit bezaubernder Spontanität sogar selbst an den Synthesizer tritt.

Nach etwas mehr als zwei Stunden verebbt der letzte Ton und der Star des Abends, Hélène Grimaud, wird von Wellen der Begeisterung geradezu überrollt. Sichtlich gerührt verlässt die Musikerin ihre kleine Insel, mit dem Versprechen wiederzukommen.