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22.10.2015

Berührende Chormusik – Gesammelte Aufnahmen des King's College Choir

Der King's College Choir gehört zu den nobelsten Adressen der britischen Chortradition. Jetzt veröffentlicht Decca eine limitierte Edition mit sämtlichen Aufnahmen, die der Chor unter David Willcocks für das Label Argo tätigte.

The Choir Of King's College, Cambridge, Berührende Chormusik – Gesammelte Aufnahmen des King's College Choir © Decca The Choir of King’s College Cambridge/Willcocks

Die britische Chortradition ist berühmt für ihren reinen Klang. Wenn man in ihren Genuss kommt, dann ist es, als ob sich eine Tür öffnete und ein frischer Wind einzöge. Die reinigende Kraft dieser Musik ist überwältigend.

Erhabene Wirkmacht: Der King's College Choir

Solche Chorgesänge scheinen von sehr weit her zu kommen. Sie erfüllen den Kirchraum mit erhabener Gewalt, und kaum jemand kann sich dem spirituellen Sog dieser Kunst entziehen. Ob man dabei selbst religiös ist oder nicht, spielt eine eher untergeordnete Rolle. Die Chormusik entfaltet ihre zauberischen Wirkungen jenseits von persönlichen Überzeugungen, und kaum ein Chor beschert seinen Liebhabern so aufregende Hörerlebnisse wie der berühmte King's College Choir aus Cambridge.

Im Jahre 1441 von Heinrich VI. gegründet, atmet der Chor den Geist der Geschichte und blickt auf eine lange Tradition zurück. Die Hauptaufgabe des Chors, der sich aus 16 Knaben zusammensetzt, ist der liturgische Gesang in der King's College Chapel. Dadurch stehen die Choristen, die mit strengster Sorgfalt rekrutiert werden, in engem Kontakt zu den Grundlagen der geistlichen Musik. Sie üben diesen "Stil" tagtäglich. Sie leben damit, und das prädestiniert sie hervorragend zur Interpretation großer geistlicher Werke.

Breites Spektrum: Große geistliche Werke

Dass sie sich glänzend darauf verstehen, geistliche Meisterwerke wie Bachs "Johannes-Passion" oder Haydns "Nelson Messe" zu interpretieren, beweist jetzt einmal mehr die limitierte Edition "The Choir of King's College, Cambridge/David Willcocks – The Complete Argo Recordings". Die Sammlung umfasst 29 Alben und ist ein reicher Fundus großartiger Chormusik. Das Spektrum reicht von Komponisten der Shakespeare-Zeit wie William Byrd bis hin zu Komponisten des 20. Jahrhunderts wie Ralph Vaughan Williams. 6 Alben der Sammlung erscheinen erstmals auf CD, darunter Willcocks' "1964 Festival of Lessons & Carols" und die Messen von Christopher Tye.

Neben glänzenden Aufnahmen von Allegris "Miserere", Bachs "Johannes-Passion" und Haydns "Nelson Messe" finden sich in der Sammlung geistliche Perlen von Orlando Gibbons, Georg Friedrich Händel, John Taverner u.a. Die Edition umschließt sämtliche Aufnahmen, die der Chor unter der Obhut von Argo Records tätigte, und das macht sich in der hohen Klangqualität bemerkbar. Das 1951 gegründete und 1957 von Decca übernommene Label investierte – bei Decca eine Selbstverständlichkeit – große Energien in ausgereiften Klang, was sich gerade bei Chormusik bezahlt machte.

Prägender Dirigent: David Willcocks

Aufnahmen in Kirchräumen sind eine Herausforderung für sich, und in diesem Fall kam es darauf an, den magischen Hall der gotischen King's College Chapel so authentisch wie möglich zu übermitteln, ohne dabei Harmonien zu verwischen. Eine wahre Herkulesaufgabe, die in der aktuellen Edition meisterlich gelöst ist. Die Chorgesänge erklingen glasklar, und dass dies so ist, verdankt der Chor natürlich auch seinem großartigen Dirigenten David Willcocks, der kürzlich im Alter von 95 Jahren verstarb und dem Decca mit dieser Edition ein wahres Denkmal setzt.

Ein weiteres Plus der Ausgabe, die neben den legendären Willcocks-Aufnahmen auch vier Alben seines nicht minder illustren Vorgängers Boris Ord enthält, ist das ebenso umfangreiche wie informative Booklet. Eine solche Beigabe ist immer hilfreich, wenn man sich zu orientieren sucht. Und schließlich lässt auch die Ausstattung keine Wünsche offen: Auf der Box und den CD-Hüllen erblickt man eindrucksvolle Fotoarrangements des Kirchraums, die seine imponierende Höhe durchmessen. Unwillkürlich denkt man: An dieser Höhe orientiert sich auch der King's College Choir, der wahrlich himmlisch zu singen versteht.