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02.07.2015
ECM Sounds

Musik der Worte – Burkhard Reinartz vereint Klang und Poesie

Er hat sich als feinfühliger Radioautor einen Namen gemacht. In seinem ECM-Erstling verbindet Burkhard Reinartz jetzt filmisch anmutende Klangformationen mit Gedichten von Tomas Tranströmer, Adam Zagajewski und Philippe Jaccottet.

ECM Sounds, Musik der Worte – Burkhard Reinartz vereint Klang und Poesie © Gerhard Richter/ECM Records Burkhard Reinartz

Die moderne Lyrik hat es ihm angetan. Er lebt mit Gedichten, und vielen modernen Lyrikern hat er mit seinen feinsinnigen Radio-Features ein Denkmal gesetzt.

Kunst des Radios

Dabei erkennt man auf Anhieb den hohen künstlerischen Anspruch von Burkhard Reinartz. Seine Features über Else Lasker-Schüler, Nelly Sachs oder Adam Zagajewski atmen den Geist der Dichtkunst. Sie sind rhythmisch, proportional und inhaltlich wohlgeformte Kunstwerke, die den bewunderten Dichterpersönlichkeiten kongenial auf die Spur kommen. Wer die Kunst porträtiert, muss selbst mit der Kunst auf Tuchfühlung sein. Sonst verfehlt er seinen Gegenstand und kratzt nur an der Oberfläche. Burkhard Reinartz weiß das. Er hat eine innere Verbindung zur Dichtkunst.

Er spürt ihren Takt und dechiffriert ihre klangliche Gestalt. Als Radioautor operiert er wie selbstverständlich mit Worten und Klängen. Die Kunst des Radios besteht zu großen Teilen darin, Wort und Klang in ein passendes Verhältnis zu bringen und so eine attraktive Gesamtatmosphäre zu stiften, die den Zuhörer ins Geschehen hineinzieht. Wenn Wort und Klang nicht zueinander finden, dann bleibt Radio blass, und Burkhard Reinartz interessiert sich deshalb seit jeher für die Möglichkeiten der Musik, das Wort angemessen zur Geltung zu bringen.  

Moderne Stimmungen

"Als Radio-Autor und -Regisseur", so Burkhard Reinartz gegenüber ECM, "arbeite ich seit vielen Jahren mit Musik. Um Stimmungen aufzubauen und das verbal Gesagte musikalisch zu verstärken, braucht es nicht so sehr Titel mit expliziten Melodien oder einem Genreklang wie dem herkömmlichen Jazz, sondern eher offene Soundflächen oder rhythmische Patterns, die an Filmmusik erinnern." Und wie reizvoll das ist, offenbart Reinartz jetzt in seinem Album "Eine Olive des Nichts".

Dem Autor stand für sein Vorhaben das komplette ECM-Archiv zur Verfügung. Dazu muss man wissen, dass Reinartz die Klangkultur des Münchener Labels überaus schätzt, und insofern betritt er vertrautes Gelände, wenn er zur musikalischen Pointierung der Gedichte und poetologischen Selbstauskünfte Tomas Tranströmers, Adam Zagajewskis und Philippe Jaccottets auf das Soundarsenal von ECM zugreift. Diese Vertrautheit merkt man seinem Album an.

Musik der Worte

Burkhard Reinartz hat so lange gesucht, experimentiert, geordnet und gemischt, bis Geräusche, Klänge und Soundscapes entstanden, die sich wie selbstverständlich zu den Gedichten seiner Autoren fügten. Es ging ihm nicht um eine gefällige Begleitung der Lyrik, sondern um die wechselseitige Durchdringung von Wort und Klang. Wenn man die teils sehnsüchtigen, teils wehmütigen Gedichte auf dem Album hört, dann kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass die unter anderem aus Werken von Eivind Aarset, Jon Balke, Nik Bärtsch, Arvo Pärt und Morton Feldman gebildeten Sounds den Worten fast zwingend angehören.

Es ist, als hörte man hier die Musik, die den Dichtern selbst durch den Kopf ging, als sie ihre Texte verfassten. Das macht dieses Album auch für Hörer interessant, die bislang noch keinen Zugang zu moderner Lyrik hatten. Die Klangwelten von Burkhard Reinartz eröffnen den Sinn dieser modernen Sprachgebilde. Dazu trägt auch die rhythmisch plausible, unaufgeregte und einfühlsame Deklamation der Texte bei, die den Schauspielern Anja Laïs und Bruno Winzen sowie Reinartz selbst zu verdanken ist. Summa summarum: Ein elektrisierendes Kunstwerk, das berückend schöne Verbindungen zwischen Wort und Klang herstellt.