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01.04.2015

Federleicht – Hogwoods bahnbrechende Einspielung von Haydns Sinfonien

Er hatte maßgeblichen Anteil am Durchbruch der historischen Aufführungspraxis. Jetzt veröffentlicht Decca in einer limitierten Edition Christopher Hogwoods hyperdynamische Aufnahmen von Haydns Sinfonien.

Christopher Hogwood, Federleicht – Hogwoods bahnbrechende Einspielung von Haydns Sinfonien © Decca/ kippa Christopher Hogwood

Sinfonien gab es bereits vor ihm. Aber keiner verlieh dem Genre eine solche klangliche Pracht wie Joseph Haydn. Der 1732 in Rohrau/Niederösterreich geborene Komponist ebnete Mozart und Beethoven den Weg. Er gilt als Vater der modernen Sinfonie. Wenn man Mozart und Beethoven hört, dann hört man immer ein Stück Haydn mit. Seine Leistung auf dem sinfonischen Gebiet kann gar nicht hoch genug geschätzt werden.  

Galante Unterhaltung    

Die frühen Sinfonien sind noch stark vom galanten Stil geprägt. Haydn hat in ihnen noch nicht seine endgültige Handschrift gefunden. Er sucht noch nach neuen Formen, die stärker seinen Visionen entsprechen als der empfindsame Stil des spätbarocken Erbes. Doch wer diese frühen Klanggebilde, die das höfische Leben tänzerisch feiern, in der federleichten Interpretation von Christopher Hogwood hört, der wird auch hier schon überraschende Entdeckungen machen. Es ist nicht allein die klangliche Schönheit, die der britische Dirigent mit seinem legendären Kammerorchester, der Academy of Ancient Music, hervorzuzaubern versteht wie kein Zweiter. Hinzu kommt beim "Karajan der Alten Musik" (Guardian) die mitreißende Dynamik, die schon in den frühen Sinfonien Haydns deutlichen Drang erkennen lässt, in Zukunft noch viel Kräftigeres zum Ausdruck bringen zu wollen.    

Emotionale Verfeinerung

Das beginnt bereits in den 1770er Jahren auf Schloss Eszterháza, wo er in den kommenden Jahrzehnten das sinfonische Genre immer weiter an seine Grenzen treibt. Er führt es von der reinen Unterhaltungsfunktion weg, hin zu immer stärkerer Expressivität, bis er schließlich während seiner beiden London-Aufenthalte in den Jahren 1791–1792 und 1794–1795 sinfonische Werke komponiert, die an formaler Reife und emotionaler Intensität kaum noch zu überbieten sind. Die sogenannten Londoner Sinfonien gelten schließlich auch Beethoven als Ausgangspunkt seines sinfonischen Schaffens. Hogwood betrachtet Haydn allerdings als eine Größe, die für sich selbst spricht. Er reißt ihn aus der Rolle des bloßen Vorläufers heraus. Mit historischen Instrumenten und in mühsam rekonstruierten Originalbesetzungen führt er vor, wie eigensinnig, originell und ausdrucksstark der hochproduktive Komponist war. Damit weckt er den wahren, den originalen Haydn zu neuem Leben.

Ein halbes Jahr nach dem Tod des großen britischen Dirigenten erscheinen seine bahnbrechenden Haydn-Aufnahmen jetzt in einer sorgfältig edierten Neu-Ausgabe bei Decca. Auf 32 Tonträgern sind insgesamt 82 Sinfonien Joseph Haydns zu hören. Der italienische Musikkritiker Massimo Rolando Zegna spricht von einem der eindrucksvollsten Projekte der historischen Aufführungspraxis überhaupt!