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19.03.2015

Spiel der Kontraste – Das isländische Album "Aerial"

Anna Thorvaldsdottirs isländische Klangkunst öffnet Hör-Horizonte. Auf ihrem Debütalbum bei Deutsche Grammophon sind gleich sechs spannende Welterstveröffentlichungen versammelt.

Anna Thorvaldsdottir, Spiel der Kontraste – Das isländische Album Aerial © Saga Sigurðardóttir / Anna Thorvaldsdottir Anna Thorvaldsdottir

"Aeriality" ist das Kernstück des Albums "Aerial" und ein spannender Grenzgang zwischen sinfonischer Musik und Klangkunst. Mit großen Bögen aus zum Teil völlig gegensätzlichen Tongebungen empfindet das Icelandic Symphony Orchestra unter der Leitung von Ilan Volkov musikalisch den Zustand des Schwebens nach, bei dem sich die absolute, schwerelose Freiheit und das Gefühl der Haltlosigkeit kontrastierend gegenüber stehen. Flirrende Streichertremoli, klappernde Percussion-Instrumente, schrille Blechfanfaren und unendlich viele Harmoniewechsel - "Aeriality" bedeutet 13 Minuten voller klanglicher Experimente und facettenreicher Farben.

Die erdige Natürlichkeit, die Anna Thorvaldsdottirs Klangsprache durchgehend prägt, ist in ihrer Unvorhersehbarkeit mit einer magischen Ausdruckskraft gesegnet. Organisch verwebt die Komponistin unterschiedliche musikalische Texturen und Instrumente miteinander - nichts stört den eigenen inneren Rhythmus.

Schwerelos und bodenständig

Auch die anderen Werke setzen sich thematisch mit experimentellen Klängen, Naturbezügen und der Faszination für das Universum auseinander – in jedem einzelnen Stück kann man klanglich dabei eine völlig eigene Galaxie entdecken. Das liegt auch an der wechselnden Instrumentierung. Während "Trajectories" beispielsweise für Klavier und Elektronik geschrieben ist, sieht "Shades of Silence" eine Quartettbesetzung aus historischen Barockinstrumenten vor – gegensätzlicher geht es kaum. Das isländische Ensemble "Nordic Affect" verbindet in dem Stück die Vergangenheit mit dem Hier und Jetzt.

"Into – Second Self" wird von Bechbläsern und Percussion bestimmt und malt klanglich das Bild einer brodelnden Lavalandschaft über die der eisige Nordwind fegt. Es ist mit die beeindruckendste Gabe von Anna Thorvaldsdottirs Musik, dass sie sofort Bilder und Assoziationen im Kopf des Hörers entstehen lässt. Fast hat man den Eindruck, mit den Ohren sehen zu können, so bildhaft und phantasievoll sind die Klanglandschaften aus der Feder der isländischen Komponistin. Das Stück "" hat einen intimen kammermusikalischen Charme, der wunderbar mit der nachdenklichen Stimmung von "Shades of Silence"  harmoniert, mit der das Album ausklingt. Anna Thorvaldsdottir beweist nicht nur eine grenzenlose Experimentierfreude, sondern auch den Mut zur Stille.

Und es fällt auf: Die Komponistin wiederholt sich nicht. Jedes Stück ist im Charakter völlig eigenständig, der Ideenfundus der isländischen Künstlerin scheint quasi unerschöpflich zu sein: Manchmal klingen die Stücke wie der Soundtrack zu einem Sciencefiction Film - mal verspielt und märchenhaft. Aber immer aufregend und abwechslungsreich - die Musik ist einfach keine Sekunde langweilig.