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22.01.2015

Barocke Fülle - Sämtliche Bach-Aufnahmen von Christopher Hogwood

Er gilt als der "Karajan der Alten Musik" (The Guardian). Jetzt publiziert Decca sämtliche Bach-Aufnahmen des Altmeisters der historischen Aufführungspraxis.

Christopher Hogwood, Barocke Fülle - Sämtliche Bach-Aufnahmen von Christopher Hogwood © Marco Borggreve Christopher Hogwood

Als Christopher Hogwood im Herbst vergangenen Jahres starb, da verlor die Klassik-Welt einen ihrer ganz Großen. In den Nachrufen spürte man allenthalben die Bewunderung, das zwingende Bekenntnis zu einem Mann, der als Cembalist, Dirigent, Musikwissenschaftler und Orchester-Gründer soviel auf dem Feld der Alten Musik bewegt hatte.

Universalgenie

Hogwood war ein Universalgenie. Er verfügte nicht nur über vielfältige musikalische Begabungen und einen bewundernswerten Intellekt, sondern auch über ein feines Gespür für Menschen, und wenn man sich seine Bach-Aufnahmen jetzt anhört, dann meint man etwas zu spüren von dieser Menschlichkeit Hogwoods. Der diskrete Brite wollte kein unangefochtener Chef-Dirigent sein, sondern ein mitfühlender Lehrer der Spielfreude und musikalischen Intelligenz, und genau das merkt man seinen Bach-Aufnahmen an.

Sinnliche Klangfülle

Hogwood machte zunächst als Cembalist des überaus erfolgreichen Early Music Consort of London auf sich aufmerksam. Im Jahre 1973 landete er dann mit der Gründung der Academy of Ancient Music den ganz großen Coup: Das Orchester, mit dem er in der Folge weltberühmt wurde, ermöglichte ihm die perfekte Verwirklichung seiner musikalischen Ideen. Er konnte mit den Musikern, die auf Instrumente des Barockzeitalters zurückgriffen, sie eindringlich studierten und virtuos beherrschten, einen historisch genauen und sinnlich reichen Klang entwickeln.

Tanzender Bach

Dadurch lernt man auch den alten Bach noch einmal ganz neu kennen. Es ist nicht nur die eindrucksvolle harmonische Architektur, die Bachs Musik so unwiderstehlich macht. Hinzu kommt eine verschwenderische Fülle, eine Musizier- und Tanzlust, die Hogwood einzigartig herausstellt. Ob in den Brandenburgischen Konzerten, den Orchestersuiten, den Violin- und Cembalo-Konzerten oder den weltlichen Kantaten – stets hört man bei Hogwood das pralle barocke Leben heraus, in dem ausgiebig gefeiert, getanzt und geliebt wurde. Mit den Französischen Suiten und dem Musikalischen Opfer finden sich darüber hinaus auch große Werke des strengen harmonischen Lehrmeisters auf den insgesamt 14 CDs mit Musik des alten Bach. Bei den Französischen Suiten kann man Hogwood als begnadeten Cembalisten erleben, der die Harmonien Bachs ebenso präzise seziert wie er sie ekstatisch durchlebt und virtuos darbietet. Man wird regelrecht mitgerissen.   

Die Söhne

Dass Hogwood etwas von feinen Unterschieden und epochalen Übergängen versteht, hat er sein ganzes Leben hindurch demonstriert, und so stellt es einen besonderen Reiz dar, dass die Edition "Hogwood: The Bach Recordings" nicht nur Schlüsselwerke des alten Bach enthält, sondern auch große Kompositionen seiner musikalisch ambitionierten Söhne. Carl Philipp Emanuel (1714–1788) ist einer von ihnen. Er war ein Pionier des romantischen Gefühlsausdrucks, und Hogwood führt eindrucksvoll vor, dass die Sinfonien des "Hamburger Bachs" (CDs 15–17) ein subjektives Moment in sich tragen, das nach einem empfindsamen Klang verlangt. Hinreißend naiv und frisch klingen die Kompositionen für zwei Cembalos von Johann Christian (1735–1782), dem sogenannten "Mailänder Bach", und von Wilhelm Friedemann (1710–1784), dem "Halleschen Bach", der zu seiner Zeit als grandioser Improvisator galt. Mit ihnen endet die große Bach-Edition Christopher Hogwoods, die einen ganzen Kosmos der barocken und frühklassischen Klangschönheiten durchmisst.