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07.01.2015
Philharmonic Ensemble Vienna

Philharmonic Ensemble Vienna: Ein neues Album mit viel Liebe zum Detail

Kammermusik ist die musikalische Königsdisziplin - viele Orchestermusiker sehnen sich abseits vom philharmonischen Brausen nach der Intimität der kleinen Formen. Das Philharmonic Ensemble Vienna hat dieser Liebe zum Detail nun ein Album gewidmet.

Philharmonic Ensemble Vienna, Philharmonic Ensemble Vienna: Ein neues Album mit viel Liebe zum Detail © Lukas Beck/DG Philharmonic Ensemble Vienna

Das Philharmonic Ensemble Vienna besteht aus drei Mitgliedern der Wiener Philharmoniker und dem Wiener Pianisten Gottlieb Wallisch. Am 1. Januar sind die vier Musiker in der Pause des weltweit beliebten Neujahrskonzerts der Wiener Philharmoniker vor 70 Millionen Fernsehzuschauern aufgetreten. Auf ihrer neuen Aufnahme interpretieren sie kammermusikalische Werke von Wolfgang Amadeus Mozart, Robert Fuchs, Carlos Gardel, Claude Debussy und Richard Strauss. Mit ihrem Sinn für eine kreative und sinnstiftende Programmatik ist ihnen ein überzeugendes und abwechslungsreiches Album gelungen.

Köstlich!

Wien ist die Hauptstadt von Kultur- und Sinnesgenuss, ein perfekter Ort also, um sich intensiv der Kammermusik zu widmen. Das Philharmonic Ensemble Vienna serviert auf seinem Album ein 11gängiges musikalisches Sternemenü aus handverlesenen kammermusikalischen Delikatessen.

Es beginnt ganz klassisch. Mit Mozart, der viele Jahre in Wien gelebt hat und dort auch 1791 gestorben ist. Nur zwei Klavierquartette hat er geschrieben, sein Klavierquartett Nr. 1 in g-Moll KV 478 aus dem Jahr 1785 stellen die Wiener Musiker auf dem Album vor. Man spürt sofort Mozarts Vorliebe und Vertrautheit mit seinem eigenen Hauptinstrument, sein sensibles Gefühl für die Tasten. Dennoch ist das Quartett kein Klavierkonzert mit Streicherbegleitung, sondern echte Kammermusik. Das Klavier fügt sich bei aller Virtuosität harmonisch ins Gesamtgefüge ein, Gottlieb Wallisch lässt die Tasten wunderbar perlen. Das Klavierquartett ist ein rares und bezauberndes Werk aus Mozarts reichem Oeuvre, voller Dramatik und Gefühl und es spricht zweifellos für das Philharmonic Ensemble Vienna, dieses Werk für die Ewigkeit festhalten zu wollen.

Im 14. Bezirk von Wien kann man durch die Robert-Fuchs-Gasse schlendern, denn 1934 wurde die kleine Straße nach dem österreichischen Komponisten benannt. Seine Musik wird mittlerweile wiederentdeckt, lange Zeit war es eher still um den Brahmszeitgenossen, dem häufig unterstellt wurde, keinen eigenen Stil zu besitzen, sondern nur von seinem berühmten Kollegen abzuschreiben. Davon dass seine Musik eine große eigenständige Ausdruckskraft besitzt, kann man sich auf dem Album des Philharmonic Ensemble Vienna überzeugen. Die Musiker kombinieren darauf den ersten und den dritten Satz aus dem Klaviertrio Nr. 1 in C-Dur op. 22  von Robert Fuchs mit dem zweiten und vierten Satz seines Klavierquartetts Nr. 2 in h-Moll op. 75. So miteinander verknüpft entsteht quasi ein neues Stück - eine originelle Idee, zudem durchweg meisterhaft musiziert.

Wiener Schmäh der allerfeinsten Sorte

Was wäre Wien ohne Johann Strauß? Ohne eine Prise Walzermusik im Hintergrund schmeckt jeder Kaiserschmarrn nur halb so gut. Das Philharmonic Ensemble Vienna verliert sich auf seinem Album jedoch nicht in rührseliger Dreivierteltaktromantik des Walzerkönigs persönlich, sondern interpretiert die herrlich ironische Walzer-Paraphrase seines Komponistenkollegen Richard Strauss. Die Musiker lassen hier und da eine ordentliche Portion Wiener Schmäh hervorblitzen und spielen das Werk mit lässiger Eleganz und virtuosem Charme. Man spürt förmlich wie sie beim Spielen genüsslich schmunzeln und wittert unwillkürlich einen Hauch Apfelstrudelduft.

Zum Abschluss verlässt das Philharmonic Ensemble Vienna seine Heimatstadt. Mit “Por una cabeza” von der argentinischen Tangolegende Carlos Gardel entführen die Musiker die Ohren auf einen spontanen Abstecher nach Südamerika, lange Bögen und viel Fingerspitzengefühl für kleine dynamische Zaubermomente lassen den Tango lebendig werden. “Beau Soir”, der “Schöne Abend” von Claude Debussy rundet das Album schließlich ab, so lieblich wie ein süßes Dessert ein köstliches Mahl vollendet.

Das Album ist von der ersten bis zur letzten Sekunde ein Fest für alle Genießer schöner Kammermusik!