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27.11.2014
Anouar Brahem

"Souvenance" von Anouar Brahem - Anmutig, hypnotisierend und voller Dramatik

Auf seinem Album "Souvenance" verarbeitete der tunesische Oud-Spieler und Komponist Anouar Brahem musikalisch Eindrücke vom "Arabischen Frühling".

Anouar Brahem, Anmutig, hypnotisierend und voller Dramatik © ECM Records Anouar Brahem

Mit "Souvenance" präsentiert der der tunesische Oud-Spieler und Komponist Anouar Brahem sein bislang aufwühlendstes Werk. Und das ist nicht weiter verwunderlich. Schließlich entstand es unter dem nachhaltigen Eindruck der dramatischen Ereignisse, die Ende 2010 in seiner Heimat ihren Anfang nahmen und in den "Arabischen Frühling" mündeten. "Außergewöhnliche Ereignisse erschütterten plötzlich das alltägliche Leben von Millionen von Menschen", sagt Brahem. "Wir wurden ins Ungewisse geschleudert und erlebten dies mit einer Gefühlsmischung aus großer Angst, Freude und Hoffnung. Was passierte, überstieg schlicht unser Vorstellungsvermögen." Und die politischen Umwälzungen beschäftigten ihn so sehr, dass er lange Zeit nicht in der Lage war, neue Musik zu schreiben. Doch als es ihm schließlich gelang, reflektierte er die Ereignisse natürlich auch in seinen neuen Kompositionen, die wechselweise betörend anmutig, hypnotisierend und angespannt sind sowie stets voller Dramatik. Dennoch räumt Brahem ein: "Ich möchte nicht behaupten, dass es eine direkte Verbindung gibt zwischen meinen Kompositionen und den Ereignissen, die in Tunesien stattfanden, aber sie haben mich zutiefst beeinflusst." Deshalb hat er sein neues Doppelalbum, das nun bei ECM Records erscheint, auch "Souvenance" ("Erinnerung") genannt.

Im Mai 2014 nahm Anouar Brahem die neuen Stücke mit drei "alten Bekannten" in Lugano auf: mit Pianist François Couturier (der Brahem zuletzt 2005 auf dem Album "Le Voyage De Sahar" begleitete) sowie Bassklarinettist/Sopransaxophonist Klaus Gesing und Bassist Björn Meyer (mit denen der Oud-Spieler 2008 sein letztes ECM-Album "The Astounding Eyes Of Rita" eingespielt hatte). Zugleich begab sich Brahem aber auch auf neues Terrain: Denn erstmals schrieb er einige seiner Kompositionen auch für ein Streichorchester. Eingespielt wurden sie für das Album mit dem Orchestra della Svizzera Italiana unter der Leitung von Pietro Mianiti. "Mir war sehr wichtig den Streichern in der Musik eine organische Funktion zu geben", sagt Anouar Brahem. "Bisher hatte ich mich bei meinen musikalischen Studien ausschließlich unserer traditionellen Musik gewidmet. Deshalb hatte ich keine kompositorischen Rollenmodelle, an denen ich mich hätte orientieren können. Und wie man schnell feststellen wird, reizte es mich nicht, die Kraft und Klangfülle auszuschöpfen, die einem ein Orchester bieten kann. Ich finde es spannend, gegen die Streicher zu improvisieren, wenn sie ganz leise spielen - man hört so besser die klanglichen und strukturellen Details,die Feinheiten und kammermusikalischen Qualitäten. Und das kann sehr bewegend sein."

Am 4. Dezember wird Anouar Brahem sein ambitioniertes Projekt zum ersten Mal in Europa live vorstellen. Bei dem Auftritt im Münchener Prinzregententheater begleiten ihn dann François Couturier, Klaus Gesing, Björn Meyer und das Tallinn Chamber Orchestra. Auf der Seite München Ticket können Sie Karten bestellen.