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20.11.2014

Verschmelzungen - Trio Mediaeval singt alte und neue Vokalmusik

Ihr Gesang ist von einzigartiger Transparenz. Jetzt veröffentlicht ECM mit "Aquilonis" ein neues Album von Trio Mediaeval. Darauf begleiten sich die drei Skandinavierinnen erstmals instrumental.

Trio Mediaeval, Verschmelzungen - Trio Mediaeval singt alte und neue Vokalmusik © Oddleiv Apneseth / ECM Records Trio Mediaeval: Anna Maria Friman, Linn Andrea Fuglseth, Berit Opheim

Wenn sie mit ihrem Gesang anheben, dann herrscht sofort Stille im Raum. Es gibt nur wenige Künstler, die mit ihrer bloßen Stimme eine solche Konzentration zu erzeugen vermögen wie das renommierte Trio Mediaeval.

Unmittelbar zu Herzen

1997 gegründet von der norwegischen Sängerin Linn Andrea Fuglseth, fand sich das Trio zunächst zusammen, um mittelalterliche Vokalmusik zu singen. Mit hervorragend ausgebildeten Stimmen und sicherem Instinkt erschlossen sich Fuglseth, Anna Maria Friman und Torunn Østrem Ossum folkloristisches Liedgut und religiös-erbauliches Material des Mittelalters – eine Musik, die auf den ersten Blick so fern liegt und doch unmittelbar zu Herzen geht. Bald schon integrierte das Trio zeitgenössische Komponisten in ihr Repertoire. Darunter Werke des schillernden Jazz-Bassisten Gavin Bryars und des tief von orthodoxer Spiritualität durchdrungenen Briten Ivan Moody.

Größere Freiheit

Mittelalterliche Literatur bildet nach wie vor das Zentrum des skandinavischen Gesangsensembles. Aber die drei Sopranistinnen, die mit ihrem letzten Album "A Worcester Ladymass" den Preis der Deutschen Schallplattenkritik gewannen und  in den Feuilletons schon als das weibliche Pendant des Hilliard Ensembles gefeiert wurden, interpretieren diese Musik heute eigensinniger als am Anfang ihrer Laufbahn. Überzeugten sie in ihren früheren Aufnahmen durch die klare Intonation und Akkuratesse ihrer Interpretation, so tritt in jüngeren Aufnahmen eine größere Freiheit im Umgang mit überliefertem Material zu Tage. "Aquilonis", ihr gerade erschienenes, sechstes Album beim Stammlabel ECM, ist der vorläufige Höhepunkt dieser Entwicklung. Der Titel bezeichnet den Nordwind, und wie der Wind, so natürlich streift auch das Trio Mediaeval durch die Jahrhunderte.

Das neue Album vereint norwegische Hymnen, italienische Lobgesänge, englische Weihnachtslieder, isländische Gesänge aus dem Offizium von St. Thorlak sowie Neue Musik aus den Federn von Anders Jormin, Andrew Smith und William Brooks. Dazwischengeschaltet sind kleine Intermezzi von Linn Andrea Fuglseth und Berit Opheim, die seit 2014 fest bei dem Ensemble ist (für Torunn Østrem Ossum, die 2013 ausstieg). Die Instrumente, eine tragbare Orgel (Fuglseth), eine Hardangerfiedel (Friman) und ein Glockenspiel (Fuglseth, Friman, Opheim), werden äußerst diskret und nur sehr selten eingesetzt. Sie grundieren, wie etwa die Orgel in Vespers antiphon and psalm IV, V, den meditativen Gesang und verstärken das Gefühl des Verbindenden und Fließenden, das dieses Album ausstrahlt. 

Aus einem Guss

Obwohl "Aquilonis" eine immens große Sphäre der Gesangskunst abbildet, klingt es wie aus einem Guss. Trio Mediaeval schafft es durch seinen ureigenen, ebenso innigen wie klaren Sound, eine einheitliche Atmosphäre zu stiften, und damit versetzt es den Hörer regelrecht in Trance. Mit Vespers responsory und Special antiphon erklingen isländische Gesänge aus dem 14. Jahrhundert, die durch ihren unschuldigen Ton beeindrucken. Die englischen Weihnachtslieder aus dem 15. Jahrhundert, darunter das berückend schöne Alleluia: A newë work, entfalten eine festliche Atmosphäre, mit der man sich vorzüglich auf die Weihnachtszeit einstimmen kann. Die norwegischen Hymnen beschwören mit kraftvoller Begeisterung den Triumph der Erlösung, und die italienischen Lobgesänge aus dem 12. Jahrhundert dringen behutsam in weichere, intimere Formen der religiösen Meditation ein. Mit Ama von Anders Jormin (*1957) befindet sich auch eine Arbeit auf dem Album, die eigens für das Trio komponiert wurde. Obwohl man dem Lied, wie auch den Kompositionen von Brooks und Smith, seine Modernität deutlich anhört, fügt es sich doch nahtlos in das überlieferte Gesangsgewebe ein. Das Geheimnis liegt beim Trio Mediaeval, das die Jahrhunderte überwindet, als wäre es nichts.

Am 14.12 und 15.12. stellt das Trio Mediaeval sein neues Album live vor:
14.12.2015 Ulrichshusen, Konzertscheune
15.12.2015 Berlin, Radialsystem