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08.10.2014

Die Seele mit Tönen erzählen lassen - Konstantia Gourzis Debütalbum für ECM New Series

Konstantia Gourzi ist eine der eifrigsten Streiterinnen für die Neue Musik in Deutschland. Jetzt erscheint eine Auswahl jüngerer Werke der griechischen Komponistin und Dirigentin für Klavier und Streichquartett bei ECM New Series

Konstantia Gourzi, Konstantia Gourzis Debütalbum für ECM New Series © Norbert Banik / ECM Records Konstantia Gourzi

Konstantia Gourzi ist eine der engagiertesten Vermittlerinnen der Neuen Musik. Jene verlange "mehr Kreativität, Liebe und Begeisterung" als die bekannten Werke des klassischen Kanons, erklärte sie unlängst in einem Gespräch mit der Welt. "Mozart hat man im Ohr, ein modernes Stück aber ist oft technisch schwer und nicht schön im herkömmlichen Sinn. Aber bei der Beschäftigung damit ergeben sich ganz unverhoffte Momente und Erfahrungen. Erfahrungen, die man gar nicht für möglich hält", fügte sie hinzu.

Zweite Heimat Deutschland

Gourzi wurde 1962 in Athen geboren und studierte dort Komposition. Seit 1988 ist Deutschland ihre zweite Heimat. Hier hat sie abermals studiert, Komposition und Dirigieren an der Hochschule der Künste in Berlin. Anschließend arbeitete sie als Assistentin der Dirigenten Claudio Abbado, Bernard Haitink und Günter Wand mit den Berliner Philharmonikern. Konstantia Gourzi zeigte ihre Vorliebe für die zeitgenössische Musik schon früh in der Wahl ihrer Lehrer: u.a. hat sie Nono, Reimann, Eötvös, Goldmann, Theodorakis, Schnebel, Cage, Henze und Stockhausen in Meisterkursen und Seminaren persönlich befragt.

Im musikalischen und interkulturellen Dialog

Seit 2002 gibt sie ihre Leidenschaft als Professorin an der Hochschule für Musik und Theater in München weiter. Dort hat sie das ensemble oktopus für musik der moderne gegründet, das aus Studierenden der Musikhochschule besteht. Sie zeige damit, dass München progressive Impulse nicht nur von außerhalb empfange, und etabliere zeitgenössische Klänge zunehmend im Musikleben der Stadt, lobt Die Welt. In Projekten wie "fliegender teppich" mit drei Kurzopern von Komponisten aus dem östlichen Mittelmeerraum, die auf textlich-musikalischer Vorarbeit von Schülern basieren, verbindet Gourzi den interkulturellen und den musikalischen Dialog.

Erste Aufnahme für ECM New Series

Das Œuvre von Konstantia Gourzi ist seit 1987 auf 55 Werke angewachsen, die hinsichtlich ihrer Länge oder ihrer Besetzung selten groß angelegt sind, wie einige der Film- und Bühnenmusiken der Komponistin. Gourzi schreibt zumeist Stücke für kleinere Ensembles und Solisten von Dauern zwischen drei und zwölf Minuten, wie sie jetzt auf "Music for Piano and String Quartet", ihrem ersten bei ECM New Series veröffentlichten Album, zu hören sind.

"Spricht Gourzi von einem Gefühl der zeitlichen Dramaturgie innerhalb ihrer Kompositionen, so schwingt die Kunst der beredten Kürze mit", schreibt Ingrid Allwardt, eine weitere eminente Vermittlerin im Bereich der Neuen Musik in Deutschland, in ihrem Begleitessay zur Aufnahme. "Der Umgang mit der Atempause bestimmt ihren melodischen Gestus. Oftmals stellt die Musik der Komponistin eine Geste, ein Moment, ein Gefühl auf der Basis von wenig Material erschöpfend dar."

Musik als Spiegel der Seele

Das Klavierstück "Eine kleine Geschichte" etwa entstand aus einem intensiv empfundenen Augenblick heraus, in dem Gourzis Wahrnehmung für die Einheit der Natur besonders geschärft war. "P-ILION, neun fragmente einer ewigkeit" für Streichquartett gibt Eindrücke eines siebenstündigen nächtlichen Aufenthalts in einem Wald wider. Die sechs Klavierminiaturen aus "Aiolos Wind" sind hingegen als musikalische Tagebuchnotizen über Begegnungen mit Persönlichkeiten wie Lachenmann, Kurtág und Barenboim zu lesen.

Gourzis Stücke tragen oft außermusikalische Titel. Sie verweisen auf Begegnungen, Gefühle, Atmosphären und Stimmungen, die zu musikalischen Ideen geworden und in ihre Kompositionen eingeflossen sind. "Meine Musik fühle ich als Widerschein von Empfindungen und Erinnerungen. Ich möchte sie immer wieder neu erwecken und meine Seele mit Tönen erzählen lassen." Der Ton ihrer Erzählungen mag gelegentlich entfernt an Debussy, Schumann oder Skrjabin erinnern oder mit expressiven Gesten und atonalem Furor direkt an die Moderne anknüpfen; Gourzis Musik berührt stets unmittelbar, nicht zuletzt dank der inspirierten Darbietungen von Lorenda Ramou (Klavier) und dem Ensemble Coriolis.