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26.09.2014

Dirigent Christopher Hogwood ist im Alter von 73 Jahren verstorben

Mit Christopher Hogwood verliert die Musikwelt und sein Exklusivlabel Decca einen der profiliertesten Pioniere der Alten Musik-Szene.

Christopher Hogwood, Dirigent Christopher Hogwood ist im Alter von 73 Jahren verstorben © Marco Borggreve Christopher Hogwood

Christopher Hogwood machte sich in den 60er Jahren des zurückliegenden Jahrhunderts an der Seite von David Munrow einen Namen als Spezialist für mittelalterliche Musik und als Cembalist für die Academy of St. Martin-in-the Fields unter Neville Marriner. Der Wendepunkt in seiner Karriere kam 1973, als er sich entschloss, sein eigenes Ensemble mit historischem Instrumentarium zu gründen – die Academy of Ancient Music. In Peter Wadland, einem jungen Decca-Produzenten, fand er einen künstlerischen Seelenverwandten und die Florilegium-Serie innerhalb des bereits existierenden L’Oiseau-Lyre Labels wurde ins Leben gerufen. Ein Label, welches das Hörverhalten der Menschen in Bezug auf Wie hören und spielen wir vor-romantische Musik veränderte. Florilegium entwickelte sich dank seiner akribischen Recherchen, seiner liebevollen Gestaltung und der profunden musikwissenschaftlichen Kenntnis zu einem Kultlabel für Musik-Abenteurer, dessen jede Neuveröffentlichung mit Spannung erwartete wurde. Hogwood stürmte auf seinem diskographischen Weg sowohl durch bekanntes als auch durch unbekanntes Repertoire und mit jeder Veröffentlichung gewannen seine Interpretationen an Schärfe und Überzeugungskraft. Trotzdem wurden Hogwoods musikalische Ideen in den Anfangsjahren häufig kontrovers diskutiert und man bezichtigte ihn des musikalischen Dogmatismus.

Christopher Hogwood inspirierte eine ganze Generation von Musikerinnen und Musikern, und in Zusammenarbeit mit seinen bevorzugten britischen Sängerinnen und Sängern wie etwa Emma Kirkby, David Thomas oder James Bowman entstanden bemerkenswerte unvergessliche Vokal-, Chor- und Operneinspielungen wie zum Beispiel Händels Messiah und Orlando, Purcells Dido and Aeneas, Pergolesis Stabat mater und Haydns Die Schöpfung. Später ging er dazu über, auch mit internationalen Stars wie Cecilia Bartoli und Christoph Rousset aufzunehmen. Neben diesen Aufnahmen entstanden auch Einspielungen mit ihm als Cembalist (sein Ladye Nevell’s Booke und das Fitzwilliam Virginal Book stechen hier heraus) sowie mit zwei amerikanischen Kammerorchestern, der Bostoner Handel and Haydn Society und dem St Paul’s Chamber Orchestra, mit denen er seine persönlichen Vorlieben für etwa Martinů oder Strawinsky verwirklichte.

Die veränderten Bedingungen des Musikmarktes führten in den späten 90er Jahren leider zum Abbruch zweier Mammutprojekte, der Aufnahme sämtlicher Haydn-Symphonien sowie der Klavierkonzerte mit Robert Levin. Dessen ungeachtet bleibt Hogwoods breites musikalisches Erbe als eines der umfangreichsten Diskographien überhaupt - nach wie vor spannend und frisch wie am ersten Tag.

Paul Moseley, Managing Director Decca Classics: „Angefangen von ihrer ersten Langspielplatte mit Ouvertüren von Arne aus dem Jahre 1973 über die folgenden 25 Jahre hinaus revolutionierten Christopher Hogwood und die Academy of Ancient Music die Art, wie wir Barockmusik und klassische Musik überhaupt hören. Insgesamt entstanden mehr als 250 Aufnahmen, die Hogwood das Attribut ‘Karajan der Alten Musik‘ einbrachten. Als die DECCA kürzlich eine umfangreiche Box mit L’Oiseau-Lyre-Aufnahmen zusammenstellte, stellte Christopher Hogwood allein 80% aller Aufnahmen darin! Wir sind ihm zutiefst zu Dank verpflichtet und wir vom Decca Label werden ihn sehr vermissen.“