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11.09.2014

Radikaler Eigensinn - Patricia Kopatchinskaja spielt Musik von Galina Ustwolskaja

Die Musiksprache von Galina Ustwolskaja ist prägnant und von ungeheurer Dringlichkeit. Patricia Kopatchinskaja, Markus Hinterhauser und Reto Bieri haben drei Werke der 2006 verstorbenen Komponistin für ECM New Series aufgenommen

Patricia Kopatchinskaja, Patricia Kopatchinskaja spielt Musik von Galina Ustwolskaja © Daniel Vass / ECM Records Patricia Kopatchinskaja

"Ich habe eine ganz eigene Welt und verstehe alles von meinem eigenen Standpunkt aus. Ich höre, sehe und handle anders als alle Menschen. Ich lebe mein einsames Leben." Das hat die 2006 gestorbene Komponistin Galina Ustwolskaja einmal über sich gesagt. Man kann sich die Schwierigkeiten vorstellen, die eine derart kompromisslose Geisteshaltung mit sich bringen muss – besonders, wenn man sich wie Ustwolskaja dafür entscheidet, in einer kommunistischen Diktatur als freie Künstlerin mit spiritueller Botschaft zu arbeiten.

Gesamtwerk von geringem Umfang

Das lediglich 25 Werke umfassende Oeuvre von Galina Ustwolskaja war in der Sowjetunion einem breiteren Publikum gänzlich unbekannt. Nur in Teilen wurde es vom staatlichen Musikverlag Sovetskij kompozitor veröffentlicht. Oft lagen Jahre zwischen Vollendung und Drucklegung. Im Westen wurden Werke der Komponistin erst in der Folge von Perestroika und Glasnost bekannt. Besonders der Hamburger Verlag Sikorski für zeitgenössische Musik und eine Reihe von Aufnahmen des niederländischen Dirigenten Reinbert de Leeuw haben dazu beigetragen.  

Studium bei Schostakowitsch

Galina Ustwolskaja kam 1919 in St. Petersburg zur Welt, wo sie ihre musikalische Ausbildung erhalten hat und auch ihr gesamtes Leben verbrachte. Zwischen 1937 und 1947 studierte sie bei Dmitri Schostakowitsch. Der Eindruck ihrer Musik auf den bedeutenden Komponisten muss so stark gewesen sein, dass er sie als sein "musikalisches Gewissen" bezeichnet und ihr wiederholt Partituren zur Ansicht und Gutheißung geschickt haben soll. "Ich bin überzeugt, dass die Musik Ustwolskajas weltweite Anerkennung finden wird bei allen, die der Wahrhaftigkeit in der Musik entscheidende Bedeutung zumessen", prophezeite er.  

Spirituell und frei

Galina Ustwolskaja bestand auf der völligen Unabhängigkeit ihres Schaffens, zumal vom Einfluss Schostakowitschs. "Es besteht keine wie auch immer geartete Beziehung zwischen meiner Musik und der eines anderen lebenden oder toten Komponisten", schrieb sie. Neben Sofia Gubaidulina, mit der sie eine spirituelle Kunstauffassung teilte, gilt sie als bedeutendste Komponistin Russlands. Ihre Musik sei zwar nicht religiös, aber spirituell, sagte sie einmal. Weil ihre Seele, ihr Herz und alles, was je besessen habe, darin eingeflossen sei. Ustwolskajas radikaler Eigensinn zeigt sich dem Hörer unmittelbar. Sie bevorzugt karge Texturen, hämmernde Stakkati, das schroffe Gegeneinanderstellen dynamischer Extreme. Oft verzichtet sie auf das Einfügen von Taktstrichen, wodurch asymmetrische Stimmverläufe von erstaunlicher Komplexität entstehen.

Neue Aufnahme für ECM New Series

Die moldawische Geigerin Patricia Kopatchinskaja, der österreichische Pianist und designierte Direktor der Salzburger Festspiele Markus Hinterhauser und der schweizer Klarinettist Reto Bieri haben für ECM New Series die Sonate für Violine und Klavier (1952), das Trio für Klarinette, Violine und Klavier (1949) und das Duett für Violine und Klavier (1964) eingespielt. Ustwolskaja hat es vehement abgelehnt, diese Werke für kleine Besetzungen als Kammermusik zu bezeichnen. "Dies ist keine Musik des Gesprächs, sondern der Behauptung", heißt es dazu in der Collage von Zitaten der Komponistin und Gedanken des Musikschriftstellers Paul Griffith, die sich im Begleitheft findet.