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18.09.2014
Ludovico Einaudi

"Stanze": Neuauflage für Ludovico Einaudis hypnotisches Frühwerk

Ludovico Einaudi steht für eine musikalische Botschaft der Klarheit und Schönheit. Die Wiederveröffentlichung seines zweiten Albums "Stanze" von 1997 zeigt: Einaudi hat das Fundament, auf dem seine ganz eigene Klangwelt steht, früh gelegt.

Ludovico Einaudi, Neuauflage für Ludovico Einaudis hypnotisches Frühwerk © Beauregard / Decca Ludovico Einaudi

Die erste Ausstrahlung des Titels "Notte" von Ludovico Einaudis Album "Stanze" in der Sendung "Mixing It" von BBC Radio 3 löste einen Sturm der Begeisterung aus. Noch nie hatte die Redaktion so viel begeisterten Zuspruch von ihren Zuhörern wegen eines einzigen Musikstücks erfahren. Seinerzeit, "Stanze" wurde 1997 veröffentlicht, war Einaudi noch ein Geheimtipp. Längst zählt er zu den erfolgreichsten Künstlern der Klassikbranche.

Streben nach Klarheit

"Einaudis Musik ist leicht zugänglich, zielt auf Emotionen, nicht auf den Intellekt", so charakterisiert Die ZEIT das Schaffen des italienischen Komponisten und Pianisten. Dabei galt dieser einmal als Hoffnungsträger der musikalischen Avantgarde. Doch Einaudi gelangte zu der Überzeugung, hinter der vorherrschenden Tendenz in der Neuen Musik, Komplexität und Qualität gleichzusetzen, stecke die Angst davor, "direkt auf den Punkt zu kommen". Dieses Gefühl, so sagt er, sei ihm völlig fremd. Sein Bestreben lässt sich mit den Worten des Schriftstellers Manès Sperber beschreiben: "Ich würde tausend Originalitäten des Ausdrucks hergeben für eine Klarheit."

Weniger ist mehr

Bereits früh zeigte sich der besondere Zauber von Einaudis Musiksprache, in der sich Unmittelbarkeit des Ausdrucks, melodischer Erfindungsreichtum und sublimer Klangsinn auf kongeniale Weise verbinden, auf dem Album "Stanze", das nun eine Wiederveröffentlichung erfährt. Die Neuauflage wurde in 24-bit digital remastered. Ursprünglich war es die Absicht des Komponisten gewesen, die 16 zwischen 1990 und 1992 entstandenen Stücke eigenhändig auf dem Klavier einzuspielen. Doch ein Auftritt der Harfenistin Cecilia Chailly an der elektrischen Harfe hatte ihn so stark beeindruckt, dass er den Wunsch fasste, sie als Solistin für "Stanze" zu gewinnen. Chailly lies sich nicht lange bitten und Einaudi übernahm die Produktion der Aufnahme. Dabei sei es sein Ziel gewesen, "durch geringstmöglichen Einsatz ein Höchstmaß an Ausdruck zu erreichen", sagt er.

16 Räume

Als Hörer von "Stanze" durchschreitet man 16 musikalische Räume. "Jedes dieser Stücke stellt einen eigenen musikalischen Raum dar, ganz wie die Zimmer eines Hauses", erklärt Ludovico Einaudi. "Jeder Raum ist, genauso wie ein Lied, durch seinen eigenen Charakter und seine eigene Form geprägt, bleibt aber durch das Gesamtgerüst des 'Hauses' mit dem anderen verbunden." Die soghafte Wirkung des Albums verstärkt sich bei mehrmaligem Hören noch. Sie verdankt sich Einaudis klarer musikalischer Gedankenführung und dem höchst eigentümlichen Klang der elektrischen Harfe ebenso wie dem verästelten, allmählich sich offenbarenden Beziehungsgeflecht, in das die einzelnen Stücke eingefügt sind.  

"Wie ein guter Wein wird meine Musik mit jedem Jahr tiefer", sagt Ludovico Einaudi, der auf dem Weingut seiner Großeltern im Piemont lebt. Mit der digitalen Wiederveröffentlichung von "Stanze" lässt sich nun - um in dem Bild zu bleiben - ein besonders edler Jahrgang verköstigen.