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24.07.2014
Lorin Maazel

Tiefe Verbundenheit – Lorin Maazel und die Wiener Philharmoniker

Die langjährige Zusammenarbeit zwischen Lorin Maazel und den Wiener Philharmoniker wurde durch den Tod des Dirigenten jäh beendet. Im Gedenken an den Dirigenten veröffentlicht Decca die Edition "Lorin Maazel in Wien" mit Aufnahmen aus den 1960er Jahren

Lorin Maazel, Lorin Maazel und die Wiener Philharmoniker © Decca Lorin Maazel

Er hat in seiner langen Laufbahn viele bedeutende Ehrungen erhalten, darunter das Große Bundesverdienstkreuz mit Stern, die Aufnahme in die französische Ehrenlegion und der Verdienstorden der Italienischen Republik. Doch keine hat dem Dirigenten Lorin Maazel nach eigenem Bekunden so viel bedeutet wie die Ehrenmitgliedschaft auf Lebenszeit, die ihm 2002 von den Wiener Philharmonikern verliehen wurde.

Immer zur Stelle

Wie innig Maazels Zuneigung zu diesem Orchester war, zeigt ein Blick in die Geschichte der 52 Jahre währenden Zusammenarbeit zwischen dem am 13. Juli 2014 verstorbenen Dirigenten und den Wiener Philharmonikern. Immer wieder ist der Lorin Maazel, der 1962 als Einspringer für Herbert von Karajan zum ersten Mal am Pult der Wiener stand, zur Stelle gewesen, wenn man ihn um Hilfe bat.

Er eilte im Dezember 1982 nach der legendären Probenflucht Carlos Kleibers ("Bin ins Blaue gefahren") aus Paris herbei, sprang für Claudio Abbado erstmals im März 1991 an der Carnegie Hall in einer Aufführung von Strauss' "Elektra" und abermals im August 2000 in der Salzburger Produktion von Wagners "Tristan und Isolde" ein und vertrat zuletzt im März 2014 Daniele Gatti bei drei Konzerten mit Schuberts "Unvollendeter" und Mahlers 4. Symphonie in den USA.

Als es 1996 zum Bruch der Wiener Philharmoniker mit den Salzburger Festspielen zu kommen drohte – aufgrund eines von heftigen medialen Attacken begleiteten Konflikts mit Intendant Gerard Mortier – war Lorin Maazel ebenfalls zur Stelle. Er zeigte Flagge, machte sein künftiges Auftreten bei den Festspielen vom Verbleib des Orchesters abhängig. Bald darauf beruhigte sich die Lage und die Wiener Philharmoniker verlängerten ihren Vertrag mit Salzburg.

Das weltberühmte Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker hat Lorin Maazel häufiger als jeder andere nicht in Österreich geborene Dirigent geleitet, insgesamt elf Mal, zuerst 1980, nach einer krankheitsbedingten Absage Willi Boskovskys.

Sonderedition mit frühen Aufnahmen

In der Edition "Lorin Maazel in Wien" veröffentlicht Decca nun frühe Aufnahmen dieser besonderen künstlerischen Partnerschaft. Die 9CD-Box beinhaltet zwei vollständige Zyklen der Symphonien von Tschaikowski und Sibelius sowie zwei Orchesterwerke von Richard Strauss ("Tod und Verklärung" und "Don Juan"). Alle Aufnahmen wurden in den 1960er Jahren unter der Leitung der bedeutenden Produzenten Erik Smith und John Culshaw gemacht.

Glanzlicht dieser Zusammenstellung ist der Sibelius-Zyklus der Wiener Philharmoniker unter Lorin Maazel. Diese Gesamteinspielung gilt bis heute als Referenz. "Wie konnte ein junger amerikanischer Dirigent die knorrigen und rätselhaften Symphonien von Sibelius mit solch überwältigendem Einfühlungsvermögen und Verständnis interpretieren? Und wie konnte das größte mitteleuropäische Orchester die merkwürdig instrumentierten und sonderbar gefärbten Symphonien von Sibelius mit solch leuchtender Schönheit und bedrohlich-kraftvollem Klang spielen?", fragt der Musikritiker James Leonard? Lorin Maazel und die Wiener Philharmoniker – das muss Liebe gewesen sein.