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11.08.2016
Max Richter

Retrospektive mit tausend Gesichtern – die 4CD-Edition des Kult-Komponisten Max Richter ist wieder erhältlich

Er ist ein einzigartiger Komponist, Pianist, Produzent und Remixer - Max Richter schafft das, was nur wenigen gelingt: er schreibt schon zu Lebzeiten Musikgeschichte.

Max Richter, Retrospektive mit tausend Gesichtern © Yulia Mahr / DG Max Richter

Max Richter wird regelmäßig von der Muse geküsst. Und wenn das geschieht, dann können sich seine Fans auf neue kreative Extravaganzen aus seiner Feder freuen. Max Richter ist nicht nur ein außergewöhnlicher Komponist, sondern vielmehr ein echter Pionier neuer Klangwelten, die einen dann nicht mehr loslassen. Auf die Frage "Wie klingt Max Richter?" gibt es tausend Antworten, denn seine Musik lässt sich einfach nicht in eine Schublade stecken. Die jetzt wieder erhältliche 4CD-Edition "Retrospective - Max Richter" ist ein glänzender Beweis für die musikalische Vielschichtigkeit des Briten.

Er hat viele Preise gewonnen, darunter den ECHO, er hat Musik für Tanz, Oper, Installationen und Filme geschrieben und viele wichtige Erfahrungen gesammelt, die ihn im höchsten Maße als qualifizierten Musiker auszeichnen. Doch das Wichtigste lässt sich nicht schwarz auf weiß festhalten, denn das ist die große Portion einzigartiges Talent, das man mitbringen muss, wenn man etwas Besonderes erschaffen möchte. Max Richter hat so ein Talent. Diese Gabe kann man nicht erlernen oder erzwingen. Sie kommt von innen – und das hört man seiner Musik an.

Wie klingt Max Richter?

Max Richter stöbert gerne in der Musikgeschichte, wird inspiriert, angeregt, bekommt Ideen, zitiert, verändert, verfremdet, erneuert. Mit seinem Album "Recomposed" sorgte der Brite für Furore, indem er Vivaldis "Vier Jahreszeiten" ein neues musikalisches Gewand auf den Leib schneiderte. Klassische Werke zu verändern ist zwar keine Neuerfindung, doch die musikalische Sprache von Max Richter öffnet den Horizont der Ohren. Ob er die Beatles oder Bach rezipiert, ob er punkig, rockig oder sphärisch schreibt, ob er barocke Pracht mit minimalistischem Feinsinn oder klassischen Orchesterklängen kombiniert: Gepaart mit modernster Technik entsteht unter den Händen und Ohren von Max Richter daraus immer ein echtes Klangkunstwerk.

Deluxe hoch vier

Vier von Max Richters Solo-Alben, in denen er selbst als Pianist in Erscheinung tritt, kann man nun wieder in der CD-Box Retrospective erstehen oder sich mit ein paar Klicks auch in digitaler Gestalt nach Hause holen, um den expressiven Mix aus klassischem Handwerk und elektronischer Klangbearbeitung in bester Soundqualität zu genießen.

Im Album "The Blue Notebooks" von 2004 präsentiert Max Richter viele kleine, feine Stücke - das längste ist gerade mal 8 ½ Minuten lang. Der Klang der fünf klassischen Streicher (zwei Geigen, eine Bratsche, zwei Celli), die Max Richter am Klavier begleiten, ist herrlich warm und satt. In einigen Stücken liest die Schauspielerin Tilda Swinton in wunderbarem britischen Englisch Fragmente aus Franz Kafkas "Acht Oktavheften" - währenddessen hört man das Tippen einer Schreibmaschine – und sofort entstehen Bilder im Kopf.

Auch für das Album "Songs From Before"(2006) hat Max Richter sich Textbezüge zu seiner Musik gesucht. Robert Wyatt liest Texte von Haruki Murakami. Mal zirpen Grillen im Hintergrund, mal rauscht der Wind. Dann wieder erlebt man schlichte kammermusikalische Klänge des Streicherensembles, das auch schon Max Richters Werke auf The Blue Notebooks interpretiert hat. Mit der gewohnten delikaten Eleganz verströmen die Musiker eine ganz besondere Atmosphäre mit tiefem Ausdruck.

"24 Postcards In Full Colour" heißt Max Richters Album aus dem Jahr 2008. Hierauf nimmt er die Ohren des Hörers auf 24 Reisen mit. Zwei Gitarren und ein Schlagzeug erweitern den Reigen der Musiker um reiche Klangfacetten. Die Gedanken rund um Funktionalität und Musik stehen hier im Mittelpunkt von Max Richters musikalischen Ideen.

Auf seinem Solo-Album "Infra" von 2010 sind wieder Klavier, elektronische Klänge und die fünf Streicher zu hören. Max Richter rezipiert hier unter anderem die Winterreise von Franz Schubert. Er bearbeitete die Lieder ursprünglich für ein Ballett von Wayne McGregor. Und auch in dieser Musik schafft Max Richter den meisterhaften Spagat zwischen musikalischen Andeutungen und eigener Klangsprache

Auf die Frage "Wie klingt Max Richter?" mag es nach dem Hören dieser vier Alben von Retrospective vielleicht noch mal tausend Antworten mehr geben. Aber sie alle kommen schließlich zu einem Ergebnis: Die Musik klingt nicht nach Max Richter. Max Richter IST die Musik.