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13.05.2014
Decca's Most Wanted Recitals!

Unsterblich Verliebte - Opern-Recitals von Conley, Labò, McCracken und Warfield

Decca's Most Wanted Recitals!, Unsterblich Verliebte © Decca Decca's Most Wanted Recitals

Über Jahrhunderte lang waren brillante Sänger an ihre Zeit gebunden. Wenn ihre Stimme auf der Bühne einmal verklungen war, dann verklang sie endgültig. Seit es Schallplatten gibt, mit all den daraus erwachsenden Folgetechniken, hat sich dies radikal gewandelt. Jetzt kann man sie immer wieder hören, diese grandiosen Stimmen, die früher einmal ausschließlich ihr Bühnenpublikum begeisterten.

Zeit der Schatzsucher

Die modernen Aufnahmetechniken bringen es mit sich, dass manch ein großer Sänger für längere Zeit von der Bildfläche verschwindet und dann plötzlich wieder auftaucht. Das ist die Stunde der Schatzsucher, und einer der größten Schätze der Gesangskunst liegt in den Archiven von Decca. Das Traditionslabel hat mit seiner langen Geschichte und seiner legendären HiFi-Aufnahmetechnik die Musikkultur des 20. Jahrhunderts maßgeblich geprägt und erweckt jetzt mit der Serie Decca’s Most Wanted Recitals zu Unrecht vergessene Altstars der Gesangskunst zu neuem Leben. Darunter die bezaubernde Diva und stimmlich überwältigende Mezzosopranistin Sandra Warfield und so erstaunlich individualistische Tenöre wie Eugene Conley, Flaviano Labò und James McCracken.

Feierlich und beherzt: Eugene Conley (1908–1981)

Eugene Conley galt in der Mitte des 20. Jahrhunderts als einer der bedeutendsten Tenöre Amerikas. Von 1950 bis 1956 sang er unzählige Male in der New Yorker Met. Aber auch international war ihm eine bilderbuchmäßige Karriere beschieden. An der Mailänder Scala stand er mit der Callas auf der Bühne (als Arrigo in Verdis "I Vespri Siciliani"), und von niemand geringerem als dem gestrengen Arturo Toscanini wurde er eigens erwählt, um an einer Aufnahme von Beethovens Missa Solemnis mitzuwirken. Conley entfaltet mit seinem Gesang eine ungemein feierliche, gediegene Atmosphäre. Seine Stimme strahlt Souveränität aus, und man hat auf der gerade erschienenen Decca-CD oftmals das Gefühl, als schreite der Sänger entschieden voran und bestimme das Tempo.

So zum Beispiel in "Spirto gentil" aus Donizettis Oper "La Favorita", das er mit erstaunlicher Unaufgeregtheit singt, oder in "Vieni, vieni fra questa braccia" aus Bellinis "I Puritani", in dem er regelrecht Tempo macht. "Che gelida manina" aus Puccinis Oper "La Bohème" zeigt ihn hingegen ganz von seiner empfindsamen Seite. Als Rodolfo, der zum ersten Mal auf Mimi trifft, ist er Poet und Verführer in einer Person, und sein Gesang bringt die diskrete Verschlagenheit Rodolfos treffend auf den Punkt. Dabei bleibt das poetische Moment von Rodolfos Begehren keineswegs auf der Strecke, denn Conley sing mit Bedacht von dem einfallenden Mondlicht, in dem sich Mimis und Rodolfos Hände zum ersten Mal berühren. Conley beherrscht den tastenden Gefühlsausdruck der Liebe glanzvoll, und das bringen nicht zuletzt die erstmals auf CD erscheinenden Bonus-Tracks mit etlichen seiner amerikanischen Lieblingslieder genial zum Ausdruck.

Glühend und entschlossen: Flaviano Labò (1927–1991)

Flaviano Labò war ein Operntenor, der mit heroischen Rollen des italienischen Repertoires von sich reden machte. Sein Bühnendebüt gab er 1954 im Teatro Municipale in Piacenza, unweit seines Geburtsortes Borgonovo Val Tidone, als Cavaradossi in Puccinis Oper "Tosca". Rasch folgten Engagements an anderen italienischen Bühnen und in Südamerika, wo man ihn nach einem Bericht von Jorge Binaghis enthusiastisch als "the kid" feierte. Ein Spitzname, dem man ihm verlieh, weil er von eher kleiner Statur war und eine jugendliche Ausstrahlung besaß. 1957 erfolgte sein Debüt an der New Yorker Met. Publikum und Kritik waren hingerissen. Der hoch angesehene Musikkritiker Louis Biancolli schrieb im New York World Telegramm von dem "triumphalen Debüt" des Italieners, von seinem "glühenden Ton" und der für sein junges Alter enorm reifen Interpretation von Linien und Betonungen.

Von diesen und anderen Qualitäten kann man sich auch auf der gerade erschienenen CD immer wieder überzeugen. Labò hat die Gabe, große Gefühle des Augenblicks voll auszukosten und mit Pathos anzufüllen. Vor allem das Leidende und Mitfühlende eines Menschen vermag er eindringlich darzustellen. So zum Beispiel in "E lucevan le stelle" aus Puccinis Oper "Tosca", worin er in der Rolle des Malers Cavaradossi verzweifelt Abschied nimmt und noch einmal der leuchtenden Sterne und der duftenden Erde gedenkt, die ihn umschmeichelten, als die geliebte Tosca in sein Leben trat. Unvorstellbar, wie tief sein Gesang hier in die einsame Lage des Cavaradossi eindringt. Ein wahres Meisterstück. Arien von Puccini dominieren denn auch das Album. Die Musik seines italienischen Landsmannes war Labò wie auf den Leib geschrieben.

Ein Denkmal für die Liebe: McCracken (1926–1988) und Warfield (1921–2009)

Sie standen schon zusammen auf der Bühne, als sie noch kein Ehepaar waren: sie, die glamouröse Mezzosopranistin mit dem geheimnisvoll dunklen Timbre, er, der schwere Tenor mit all seiner gesanglichen Kraft, die von der großen Renata Tebaldi einmal anerkennend-liebevoll als "stürmisch, passioniert, fast brutal" charakterisiert worden ist. In dieser Konstellation steckte von Anfang an Feuer, und die Hitze spürt man auch allenthalben auf der gerade erschienenen CD des schillernden Künstlerehepaars. Kontrastiert wird die spannungsvoll erotische Stimmung von "Duets of Love and Passion" mit langsam dahin fließenden Klängen. James McCracken und Sandra Warfield trotzen den Arien von Verdi, Saint-Saëns und Bizet Augenblicke einer in sich ruhenden Zufriedenheit ab. Man hat bei aller dramatischen Gespanntheit das Gefühl, als wollten sie sagen: Alles ist schön. Alles ist gut. So weiter. Und diesem Gefühl schmiegt man sich als Hörer gerne an.