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07.05.2014

Der Integre - "Rafael Kubelík - The Symphony Edition"

Vor 100 Jahren wurde Rafael Kubelík, eine der bedeutenden Pultautoritäten des 20. Jahrhunderts, in Prag geboren. Mit der "Symphony Edition" gedenkt Deutsche Grammophon des großen Dirigenten. Die 23CD-Box beinhaltet Beethoven, Schumann, Dvořák und Mahler.

Rafael Kubelik, Der Integre - Rafael Kubelík - The Symphony Edition © Siegfried Lauterwasser / DG Rafael Kubelik

Wilhelm Furtwängler veränderte sein Leben. Rafael Kubelík war vierzehn, als er in Prag den großen und damals bereits berühmten Kollegen hörte, der Tschaikowskys vierte Symphonie dirigierte. Der junge Mann war derartig bewegt und begeistert, dass er beschloss, selbst Dirigent zu werden. Nur wenige Jahre später stand er bereits am Pult und leitete die Tschechische Philharmonie an. Das war im Januar 1934 und markierte den Ausgangspunkt eines Künstlerlebens, dem die Welt zahlreiche musikalische Sternstunden zu verdanken hat.

Schon der Vater war ein erfolgreicher Musiker. Rafael Kubelík wurde am 29. Juni 1914 als Sohn des weltberühmten Geigers Jan Kubelík geboren und er erbte einen großen Teil von dessen künstlerischer Kompetenz, was in Verbindung mit der Aufmerksamkeit der Eltern in Bezug auf gestalterisches Talent bald die Begabungen des Knaben deutlich werden ließ. Er lernte Geige und Klavier, war aber nach dem Furtwängler-Erlebnis energisch dazu entschlossen, selbst den Taktstock in der Hand zu halten.

Künstlerische Freiheit im Exil

Kubelík studierte am Konservatorium seiner Heimatstadt Prag unter anderem bei Otakar Sin, spielte als Neunzehnjähriger sein erstes Konzert und fungierte zunächst als Begleiter seines Vaters, bis man ihm 1936 die Stelle als Dirigent der Tschechischen Philharmonie anbot. Es folgten produktive Jahre, die allerdings durch die Herrschaft der Nationalsozialisten beeinträchtigt wurden. Seit 1939 Musikdirektor der Oper von Brno, fiel der junge Chef durch provokante Produktionen unter anderem von "Don Giovanni" und "Les Troyens" auf, was schließlich dazu führte, dass er 1941/2 wieder zu den Tschechischen Philharmonikern zurückkehrte und sie daraufhin als Chefdirigent leitete.

Nach dem Krieg bekam Kubelík zunächst die Chance, in Prag mit den Festspielen "Prager Frühling" das musikalische Spektrum der Stadt in neue Sphären zu führen, bis die politischen Repressionen, diesmal durch die Kommunisten, ihn 1948 zur Emigration zwangen. Sein Weg führte zunächst nach Chicago, dann nach England, Anfang der Sechziger nach München, wo er sich als Chefdirigent des Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks verpflichten ließ. Die kreative Liaison hielt fast ein Vierteljahrhundert und führte zu einer Vielzahl grandioser Aufnahmen, was Kubelík aber nicht hinderte, weiterhin am Pult anderer renommierter Orchester zu gastieren.

Umfangreiches Repertoire

Kubelík dirigierte ein breites Repertoire, das von Bach und Beethoven über Brahms und Bruckner bis hin zu Debussy und Hartmann reichte. Die Musik der großen Komponisten seiner tschechischen Heimat, Smetana, Janáček und Dvořák hat er oft gespielt und mustergültig interpretiert. Mitte der Achtziger zog er sich aus dem aktiven Leben als Dirigent zurück. Auf Bitten des ersten Präsidenten der Tschechischen Republik Václav Havel kehrte er noch einmal ans Pult zurück, um die Festspiele "Prager Frühling" des Jahres 1990 mit einer denkwürdigen Aufführung von Smetanas "Má vlast" (Mein Vaterland) zu eröffnen. Am 10. August 1996 starb Rafael Kubelík in Luzern.

Genialer Symphoniker

Rafael Kubelík hat eine Reihe bedeutender Aufnahmen hinterlassen und sich dabei besonders als genialer Interpret symphonischer Werke hervorgetan. Daniel Barenboim sagte über seinen tschechischen Kollegen: „Er stand für die seltene Kombination, wie etwa Boulez und Furtwängler auch ein guter Komponist zu sein, was seinem Dirigieren eine zusätzliche Dimension verlieh. Wenn man ihm zuhörte, konnte man nicht nur das Temperament und die Schönheit der Musik hören, sondern auch die Struktur, die Anatomie der Stücke sehen.“

Unter Kubelíks Leitung entstand zwischen 1967 und 1971 der erste Zyklus von Mahler-Symphonien für die Deutsche Grammophon, der von dem Label nun zusammen mit den von ihm vollständig aufgenommenen Symphonien von Beethoven, Schumann und Dvořák in der 23CD-Box "Rafael Kubelík - The Symphony Edition" aus Anlass des 100. Geburtstags des Dirigenten erscheint.

Kubelíks Beethoven - er hat die hier versammelten Symphonien mit neun verschiedenen Spitzenorchestern eingespielt (darunter die Berliner Philharmoniker, das Concertgebouw Amsterdam und die Wiener Philharmoniker) - ist human und zugleich heroisch. Sein Schumann, realisiert Mitte der 1960er Jahre mit den Berliner Philharmonikern, ist wunderbar durchhörbar und voller Leben. Bei Mahler entdecken er und das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks – vollkommen unsentimental – die böhmischen Wurzeln dieser Musik. Kubelíks Dvořák, aufgenommen mit den Berliner Philharmonikern, steht schließlich außer jeder Konkurrenz und stellt einen Meilenstein der Schallplattengeschichte dar.