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10.04.2014

Gegenwartsmusik: Pascal Dusapins "Morning in Long Island"

Pascal Dusapin zählt zu den bedeutendsten zeitgenössischen Komponisten Frankreichs. Deutsche Grammophon präsentiert nun die Ersteinspielung seines 2010 entstandenen Orchesterwerks "Morning in Long Island".

Myung-Whun Chung, Gegenwartsmusik: Pascal Dusapins Morning in Long Island © Philippe Gontier / DG Myung-Whun Chung

Pascal Dusapin, geboren 1955 in Nancy, gilt als großer Außenseiter unter den französischen Komponisten der Gegenwart. Sein Verhältnis zur Musik war von Beginn an ein existenzielles. Für ihn, so sagt er einmal, sei es "eine Frage von Leben und Tod" gewesen, dass sich der Junge, dem das Geräusch des Windes war, was dem Embryo das Fruchtwasser, zum Komponisten entwickelte. Den Unterricht am Konservatorium empfindet er als dogmatisch. Das Architekturstudium an der Sorbonne, das freie Spiel mit geometrischen Formen, beschert ihm dagegen erste kreative Erfolgserlebnisse. Nachdem er Edgard Varèses Komposition "Arcana" hört, entscheidet er sich, sein Leben der Musik zu widmen. Ihn fasziniert Varèses musikalisches Denken in Kategorien wie Raum, Dichte und Plastizität. Ein Studium bei Iannis Xenakis ermutigt ihn, seinen eigenen Weg zu finden. Er betrachtet beide als "geistige Väter" und hat sich, ihnen gleich, nie einer Schule oder Strömung angeschlossen.

"Zeit spielt für mich keine Rolle, wenn ich komponiere. Ich würde sogar sagen, dass ich nicht mit Zeit arbeite. Zeit ist weder das Privileg von Musik, noch ihr Material. Mein Material sind die Formen … Für mich ist es so, als gäbe mir der Raum mehr Freiheit, weil er größer ist als die Zeit", sagt Pascal Dusapin über seine Arbeit. "Wenn ich ein Stück beginne, hat die erste Note keine Bedeutung. Sie steht nicht am Anfang. Genau genommen beginne ich nie, Musik zu schreiben … und ich höre nie auf, Musik zu schreiben … Ich mache einfach immer weiter."
             
Deutsche Grammophon präsentiert nun erstmals Werke Pascal Dusapins in Einspielungen des Orchestre Philharmonique de Radio France und des Dirigenten Myung-Whun Chung. Über zwei Jahrzehnte, beginnend mit "Go" (1992) bis "Uncut" (2008/09), dauerte die Entstehung des Zyklus’ von sieben "Solos für Orchester". Jedes der Stücke ist eigenständig und kann allein gespielt werden, doch alle sind aufeinander bezogen und können in verschiedener Weise kombiniert werden. "Reverso" und "Uncut", Bestandteil dieser Aufnahme, bilden das vorletzte und letzte Stück. "Morning in Long Island" für großes Orchester und ein Blechbläser-Trio entstand 2010 als erster Teil eines dreiteiligen Orchesterzyklus’ über die Natur und ist angeregt von der Erinnerung an einen Strandspaziergang an einem eisigen Morgen.

In den vorliegenden Orchesterwerken Pascal Dusapins verbinden sich archaische Kräfte und Momente von großer lyrischer Schönheit. Der Komponist treibt darin ein faszinierendes Spiel mit skulpturalen Formen, Farbwechseln und mehrdeutigen Stimmungen. In explosiven Verdichtungsmomenten prallen hier Klangmassen aufeinander, stoßen einander ab oder scheinen sich gegenseitig aufzusaugen. Bald wiederum driftet die Musik in Grenzbereiche von äußerster Zerbrechlichkeit. Eine essenzielle Hörerfahrung für Freunde zeitgenössischer Musik.