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03.04.2014
ECM Sounds

Myung Whun Chung - Zauber des Klaviers

Man kennt Myung Whun Chung als Dirigenten am Pult renommierter Ensembles wie dem Orchestre Philharmonique de Radio France oder der Staatskapelle Dresden. Aber er ist auch ein exzellenter, inspirierter Pianist. Beispiel Piano.

ECM Sounds, Zauber des Klaviers © ECM New Series Piano

Es ist eigentlich kein Wunder, dass es Myung Whun Chung mühelos gelingt, eines der galantesten und zugleich persönlichsten Klavier-Recitale der Saison aufzunehmen. Schließlich gehört er zu den schillernden Persönlichkeiten der klassischen Musikwelt und hat sich im Laufe der Jahrzehnte einen Namen als vielseitiger, inspirierter, mitreißender Dirigent gemacht. An Erfahrung also mangelt es ihm nicht, zumal er seinen Beruf quasi mit in die Wiege gelegt bekommen hat. „Ich werde oft gefragt, wie es dazu kam, dass ich als jemand, der in Korea im letzten Jahr des Korea-Krieges geboren wurde, mit klassischer Musik in Berührung kam“, meint Myung Whun Chung im Beiheft zu seiner ersten Solo-Klavier-Aufnahme Piano. "Meine Antwort ist dann, das ich das große Glück hatte, das sechste von sieben Kindern zu sein, und dass alle meine fünf größeren Geschwister bereits Musik machten. Auf diese Weise bin ich sicher, dass ich nicht nur mein ganzes Leben lang, sondern bereits die neun Monate, bevor ich auf die Welt kam, Musik gehört habe. Und aus diesem Grund ist Musik für mich die natürlichste Sache überhaupt in meinem Leben".

Hier geht es zu einer Dokumentation über das Album "Piano".

Das Klavier war dann Myung Whun Chungs erstes Instrument. Derart familiär vorbereitet, machte der Knabe seine Sache gut und war bereits als Siebenjähriger auf der Bühne zu erleben, als Piano-Solist zusammen mit der Seoul Philharmonic. Dann allerdings begann das Orchester als Klangkörper zunehmend sein Interesse zu fesseln. Er studierte Orchesterleitung am Mannes College und der Juilliard School in New York, setzte gleichzeitig die Klavierstudien unter anderem als Schüler von Artur Schnabel fort und alles wäre vielleicht anders gekommen, wenn er 1974 beim Tschaikowski-Wettbewerb in Moskau nicht auf dem zweiten Platz hinter Andrei Gawrilow gelandet wäre (auf Platz vier übrigens schaffte es damals András Schiff). So aber spielte er einerseits im Trio mit seinen Schwestern Kyung Wha und Myung Wha Chung, assistierte aber gleichzeitig Carlo Maria Giulini beim Los Angeles Philharmonic

So folgten die ersten Angebote für Dirigentenposten, aus Saarbrücken etwa, dann aus Florenz, von der Pariser Oper oder auch dem Orchestre Philharmonique de Radio France. Myung Whu Chung startete eine glänzende Pult-Karriere, gründete sogar selbst Ensembles wie das Asia Philharmonic Orchestra in Seoul und erhielt sich das Klavier als persönliches Vergnügen. Und deshalb brauchte es erst ein exquisites Label wie ECM New Series, damit sich der Dirigent überzeugen ließ, für sein erstes Piano Solo Album das Instrument zu wechseln. Aufgenommen wurde in Venedig im Teatro La Fenice im vergangenen Sommer, heraus kam ein Album, das ebenso individuell wie universell die Schönheit des klassischen Klavierrepertoires feiert:

"Die Auswahl der Stücke ist weit gestreut, aber sie haben alle mit persönlichen Erfahrungen zu tun. Debussys Claire de lune zum Beispiel ist ein Geschenk an meine zweite Enkeltochter, die den Namen Lua (dt. ,Mond‘) trägt. Das Impromptu in Ges-Dur von Schubert wiederum habe ich bei der Hochzeit meines ersten Sohns gespielt. Wenn Musik eine Sprache des Geistes ist, dann ist das sicherlich eines der herrlichsten Exempel dafür. Herbstlied ist eines der Werke, das ich beim Tschaikowski-Wettbewerb 1974 gespielt habe. Das Stück wird vom russischen Hörer sehr verehrt und bewegt mich nachhaltig. Schumann und Chopin sind etwas Besonderes für Pianisten, intime Dialoge in einem Traumland. Das Nocturne in Cis-Moll ist für meine Schwester Kyung Wha, die für mich nicht nur eine der grandiosesten Geigerinnen aller Zeiten bleibt, sondern auch eine der leidenschaftlichsten Musikerinnen, die ich jemals kennen gelernt habe. Ich verdanke ihr viel in meiner musikalischen Entwicklung. Mozart und Beethoven schließlich sind vielleicht die Größten von allen. Reine Geschenke des Himmels".