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03.04.2014
Duo Gazzana

Gegenwärtigkeit des Vergangenen - Duo Gazzana spielt Schnittke, Walton, Poulenc u.a.

Natascia und Raffaella Gazzana präsentieren ein Programm für Violine und Klavier mit Kompositionen aus dem 20. Jahrhundert, die einen Blick in die Vergangenheit aus dem Geist der Fortschrittlichkeit werfen.

Duo Gazzana, Gegenwärtigkeit des Vergangenen © Andrey A. Tarkovsky / ECM Records Duo Gazzana

Wie schon bei ihrem Albumdebüt "Five Pieces" stellen die Schwestern Natascia und Raffaela Gazzana auch auf ihrem zweiten Album für ECM New Series wieder selten gehörte Preziosen aus dem Repertoire der klassischen Moderne vor. Das verbindende Moment in dieser Zusammenstellung aus Werken von Komponisten aus Frankreich, Großbritannien, Italien, Russland und der Ukraine ist der Blick in die Vergangenheit. Ältere Musik wird durch das Prisma der neuen betrachtet. Dabei werden Affinitäten quer durch die Zeitalter, über geographische Grenzen und idiomatische Unterscheidungen hinweg ausgeleuchtet.

Mit seiner "Suite im alten Stil" hat der russische Komponist Alfred Schnittke eine spielerische, wenngleich unkonventionelle Allusion an den Kompositionsstil der Vergangenheit kreiert. Sie geht zurück auf Material aus in den 1960er Jahren entstandenden Filmmusiken für den Regisseur Elem Klimov. In den fünf Sätzen Pastorale, Ballett, Menuett, Fuge und Pantomime aus Schnittkes Suite verströmt sich empfindsam ein barocker Geist. Die Rückbezüge auf die Musik Scarlattis und Bachs erscheinen manchmal naiv und ehrerbietig, dann wieder gefühlvoll und sogar angriffslustig.

Der Ukrainer Valentin Silvestrov verneigt sich mit seiner "Hommage à J.S.B." vor dem großen Leipziger Thomaskantor. Darin begegnet der Hörer scheinbar Vertrautem gefiltert durch die minimalistischen Sensibilitäten des Komponisten. Das Klavier folgt der Geige über weite Strecken unisono und wirkt dabei wie ein Echo. Die Schwestern Gazzana lernten den Komponisten Silvestrov 2012 in Berlin kennen. Seither begeistern sie sich für seine Musik.

Luigi Dallapiccola hat sich mit dem italienischen Barock und besonders mit dem Komponisten Giuseppe Tartini auseinander gesetzt, mit dem er eine Faszination für kontrapunktische Techniken teilt. In seinem Divertissement "Tartiniana seconda" kommen diese voll zur Entfaltung. Von den barocken und klassischen Annäherungsversuchen seiner italienischen Vorgängergeneration unterscheidet sich Dallapiccola dadurch, dass er die Pastiche vermeidet. Er, ein früher Anhänger Schönbergs, war nicht daran interessiert, eine vergangene Epoche heraufzubeschwören, sondern an der Frage der Relevanz ihrer Musik für die Gegenwart.

William Waltons selten gehörte Toccata birst förmlich vor Ideen, die sowohl allen virtuosen Anforderungen an die Toccataform genügen, als auch improvisierte Einwürfe von Geige und Klavier in den Kadenzen ermöglichen, und zudem ihren rhythmischen Impetus vom Jazz (Walton war Ellington-Verehrer) beziehen. Raffaella Gazzana hat über dieses rhapsodische  Jugendwerk Waltons an der römischen Universität La Sapienza promoviert.

Vitalität und Vehemenz prägen auch die dramatische Sonate für Violine und Klavier von Francis Poulenc. Sie steht hier - auf struktureller und formaler Basis – für die Evolution der einfachsten und frühesten musikalischen Formen (Toccata, Suiten, Divertissement und Variationen), die für die Kompositionen auf diesem Album genutzt wurden. Das 1942/43 geschriebene Werk ist dem Andenken des andalusischen Dichters Federico García Lorca gewidmet. Eine Zeile aus einem seiner Gedichte: „La Guitare fait pleurer les songes“ („Die Gitarre bringt die Träume zum Weinen“) gab die Anregung zum kontrastierenden zweiten Satz, ein ausdrucksvolles Intermezzo nach Art eines Klageliedes.