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03.04.2014
Decca's Most Wanted Recitals!

Goldene Jahrzehnte der Gesangskunst - Begehrte Decca-LPs jetzt erstmals auf CD

Jahrzehntelang prägte Decca mit seinen inzwischen legendär gewordenen LPs die Musikwelt. In der neuen Serie Decca Most Wanted Recitals erscheinen nun Meisteralben der Gesangskunst aus dem Zeitraum 1947-1978 in hoher Klangqualität auf CD.

Decca's Most Wanted Recitals!, Goldene Jahrzehnte der Gesangskunst © Decca / Frederik Landwehr Decca Most Wanted Recitals

Komponierte Musik atmet durch ihre Interpreten, und in keinem anderen Bereich tritt dies so deutliche zutage wie in der Gesangskunst. Ob in romantischen Kunstliedern, in Opernarien oder auch in Folk- oder Broadwaysongs, stets hört man, wie die großen Sänger und Sängerinnen regelrecht ihre Seele aushauchen. Jeder Liebhaber von Liedern weiß es: So viele Persönlichkeiten es gibt, so viele Möglichkeiten des Ausdrucks gibt es auch, und es ist ein Genuss der besonderen Art, sich all diesen Stimmen hörend zu nähern.

Großer Fundus

Aber wie oft geschieht es, dass man sich seine Lieblingsaufnahmen mühsam zusammensuchen muss. Oder dass man von seinem Glück noch gar nichts weiß und einen bestimmten Sänger oder eine bestimmte Sängerin, von denen man sich später einmal magisch angezogen fühlen wird, noch gar nicht kennt. Da ist es mehr als ein glücklicher Umstand, dass Decca jetzt eine neue Serie namens Decca Most Wanted Recitals auflegt, die solchen Sorgen Abhilfe schafft. Das traditionsreiche Label hat einen immensen Fundus an Archivmaterial. Die LPs der größten Sängerinnen und Sänger des 20. Jahrhunderts sind jahrzehntelang bei dem Label erschienen. Und jetzt kommen diese Juwelen auf CD heraus.

Klangqualität und Ausstattung

Dabei hat man viel Mühe und Sorgfalt darauf verwendet, die Edition so attraktiv wie möglich zu gestalten. Durch das Verfahren des 24-bit/192 kHz-Transfers, bei dem die Studiotechniker auf die originalen Masterbänder zurückgreifen konnten, entstand eine extrem hohe Klangqualität. Das anspruchsvolle Remastering lässt viele Legenden der Gesangskunst erstmals in dem Ende der vierziger Jahre entwickelten, berühmten High Fidelity Decca Sound auf CD erklingen. Neben dem exzellenten klanglichen Erlebnis besticht die Ausstattung der CDs. Man hat die Original-Cover der LP-Hüllen für das Booklet und deren Rückseiten als Inlay verwendet. Dadurch entsteht die faszinierende Anmutung, dass man mit der CD en miniature die LP-Hülle in der Hand hält. Dieses Gefühl der Authentizität wird noch dadurch verstärkt, dass sich auf den CDs der Aufdruck sämtlicher Tracks befindet, und zwar exakt in der gleichen Form wie auf den LPs. Was für manchen eine erste Begegnung mit einer großen Vergangenheit sein dürfte, ist für andere eine schöne Erinnerung.   

Broadway, Liebe und Schmerz

Die Serie Decca Most Wanted Recitals ist auf 50 CDs angelegt. Was darauf zu hören sein wird, ist alles, was ein Songliebhaber begehrt: Opern- und Konzertarien, romantische Kunstlieder, Broadway-, Cabaret- sowie Pop- und Folk-Songs. 20 der 50 CDs sind soeben erschienen. Den Schwerpunkt dieser Veröffentlichungen mit Material aus den Jahren 1947-1978 bilden populäre Opernarien und romantische Lieder. Aber auch Alben mit Broadway-Songs sind dabei: George London, dieser zutiefst eigenwillige Bassbariton, der nicht so sehr wegen des Wohlklangs seiner Stimme, sondern vor allem durch die Wucht und Charakteristik seines Ausdrucks ein großes Publikum zu überzeugen vermochte, singt in ungeheuer persönlichkeitsstarker Manier Lieder von Richard Rodgers, Jerome Kern u.a. Zu diesem Album aus dem Jahre 1957 passt sehr gut "Duets of Love and Passion" (1964) von Sandra Warfield und James McCracken. Das Ehepaar singt hinreißend leidenschaftlich von Liebe und Schmerz, wie sie sich bei Verdi, Puccini und Wagner musikalisch darstellten. Ein Album mit "Songs of Cole Porter" (1958), mit viel Esprit gesungen von dem berühmten Don Giovanni-Interpreten Cesare Siepi, versetzt wiederum zurück in die Zeit der großen amerikanischen Musicals und Evergreens.  

Französischer Stil

Mit Aufnahmen wie denen von Janine Micheau (1947/1948), Gérard Souzay (1963) und Joseph Rouleau (1973) hat die Serie aber auch in puncto französischer Stil Außerordentliches zu bieten. Micheau singt mit ihrem recht voluminösen lyrischen Sporan Gounod und Bizet eindrucksvoll ernst. Der Bariton Souzay besticht durch die Verbindung von Text und Musik, die er sehr nah aneinanderzurücken versteht. Und der französisch-kanadische Bass Joseph Rouleau bringt bei seiner Interpretation französischer Opernarien die pure Gesangsfreude zum Ausdruck.

Legenden und Diven

Den eleganten, fast schwebenden Sopran der bezaubernden Lisa della Casa in einer Veröffentlichung von 1956 Mozart, Händel und Strauss singen zu hören, ist sicher einer der Höhepunkte der Serie. Selbiges dürfte für die Aufnahmen von José Carreras aus dem Jahre 1976 gelten, die den spanischen Tenor mit einer jüngeren Stimme als später bei den drei Tenören zu Gehör bringen. Die Aufnahmen von Verdi, Schubert und Wagner singenden Größen wie Cristina Deutekom (1971), Ingvar Wixell (1975), Hans Hotter (1973), Anton Dermota (1953), Arnold van Mill (1962) und Eugene Conley (1949/1950) stehen dem allerdings, was das gesangliche Niveau anbelangt, in nichts nach. Eine wahre Entdeckung sind die Strauss-Lieder in der Interpretation von Hilde Güden (1956). Der unschuldige, fast mädchenhafte und zugleich kokett anmutende Ton der österreichischen Koloratursopranistin, die das Legato sehr langsam auszukosten weiß, passt kongenial zu Richard Strauss. Die Aufnahmen des heroischen, als unaffektiert und robust geltenden Tenors Flaviano Labò sind hingegen nicht nur von hoher musikalischer Bedeutung, sondern haben auch Seltenheitswert. Von Labò existieren nur sehr wenige Aufnahmen.

Vergessene Stimmen

Manche Stimmen sind auch zu Unrecht in Vergessenheit geraten, obwohl man, wenn man sie jetzt hört, ein merkwürdiges Gefühl von Vertrautheit entwickelt. Wenn man den Schweizer Bass Fernando Corena Mozarts Bass-Arien (1952) singen hört, Jennifer Vyvyan Mozart und Haydn (1957/1958), Lydia Marimpietri und Ugo Benelli romantische Lieder (1967) oder die in Berlin so beliebte Pilar Lorengar (1978) Puccini und Verdi, dann ist es, als kenne man diese hinreißenden Stimmen irgendwoher. Aber zugleich hat man das Gefühl, dass man sie lange nicht gehört hat. Auch das ist ein unschätzbares Verdienst von Decca Most Wanted Recitals: vergangene Schätze gehoben und sie der Vergessenheit entrissen zu haben.  

Das sind alle Folgen der ersten Staffel: