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09.01.2014

Das Beste vom Kultlabel Westminster Records

Westminster Records prägte von 1950 bis 1965 mit seinen Veröffentlichungen die Aufnahmegeschichte. Deutsche Grammophon pflegt den wertvollen Katalog des legendären Klassiklabels und veröffentlicht nun die limitierte 40CD-Box "Westminster - The Legacy".

Das Beste vom Kultlabel Westminster Records ©DG The Westminster Legacy

Kenner bringen für wenige Firmennamen aus dem Zeitalter der Langspielplatte mehr Begeisterung und Leidenschaft auf als für Westminster Records. Das amerikanische Kultlabel wurde 1949 von James Grayson, einem Geschäftsmann und Musikliebhaber, Mischa Naida, dem damaligen Besitzer des Westminster Record Shop in New York und Dirigent Henry Swoboda gegründet. Ab April 1950 veröffentliche Westminster seine ersten Langspielplatten und positionierte sich als verlässliche Quelle von Aufnahmen, die neues Territorium im Klassikrepertoire erkundeten.

Ein Großes unter den Kleinen

Obwohl viele der frühen Aufnahmen in der Schweiz gemacht wurden, war es die Verbindung zu Wien, die Westminster während der 1950er zu einem der führenden sogenannten „major minor“ Labels machte. Mit der Unterstützung Dr. Heinrich Haerdtls, einer führenden Figur des Wiener Klassikbetriebs, konnte James Grayson den Plattenkäufern eine Reihe aufregender neuer Künstler vorstellen, darunter die Pianisten Jörg Demus, Paul Badura-Skoda und Nadia Reisenberg, die Geiger Peter Rybar, Jean Fournier und Walter Barylli, das Wiener Konzerthaus Quartett und der Dirigent Hermann Scherchen.

Außerhalb Wiens war Westminster Records auch in London tätig, wo etwa das Amadeus Quartet und das London Baroque Ensemble unter Karl Haas Aufnahmen machten. In den CBS 30th Street Studios in New York, die als „The Church“ in die Aufnahmegeschichte eingingen, entstanden Einspielungen von Beethoven-Sonaten mit dem Pianisten Kurt Applebaum und von Sonaten Domenico Scarlattis mit dem Cembalisten Fernando Valenti.

Legendäres Klangbild

Audiophile schätzen den Sound des Labels, das als Markenzeichen den Big Ben führte. Der Slogan "Natural Balance" verwies auf die besondere Aufnahmetechnik mit einem einzigen Mikrophon, ähnlich wie die Serie "Living Presence" von Mercury Records. Für einen besonders hohen Qualitätsstandard stand die "Laboratory Series" (W-Lab). Diese Pressungen durften die 15-Minutenmarke nicht überschreiten. Die Hauptrille endete auf einer solchen Platte bei der Hälfte der möglichen Spielzeit, dann folgte die Auslaufrille zur Plattenmitte. Durch dieses Verfahren vermied man die von HiFi-Fanatikern ungeliebten Verzerrungen am Ende einer Plattenseite. 

Wegweisendes Cover-Design

Westminster Records sorgte in den 1970er Jahren mit einer Reihe teils skuril gestalteter Plattenhüllen, die von Grafikern der Push Pin Studios für die Gold Serie des Labels angefertigt wurden, für Aufsehen. Dem allgemeinen Brauch, Zusammenstellungen von Klassik-Katalogaufnahmen mit Kupferstichmotiven und dergleichen zu dekorieren, setzte Westminster echten Stilwillen entgegen - wenn auch mit zuweilen haarsträubenden Resultaten: "Julian Bream: Greatest Hits" etwa ist mit einer durchlöcherten Schießscheibe illustriert und das "Best of Brahms" von 1972 ziert eine Bratpfanne, gefüllt mit Spiegeleiern und Speck. Über jeden Zweifel erhaben und von weitreichendem Einfluss auf nachfolgende Generationen von Grafikern sind die von Rudolph de Harak in den 1960er Jahren für Westminster gestalteten Plattenhüllen.

Jetzt neu: die Edition "Westminster - The Legacy"

Nachdem Westminster Records 1965 die Produktion von Originalaufnahmen einstellte, wechselte das Label mehrfach den Eigentümer. Der Katalog wird heute von der Deutschen Grammophon verwaltet. Das Gelblabel veröffentlicht nun die streng limitierte Edition "Westminster - The Legacy". Die 40CDs bilden einen Querschnitt aller Aufnahmen des Kultlabels ab, von Soloklavier- über Kammer- bis hin zu Orchestermusik und vollständigen Opernaufnahmen. Viele der in dieser Box vorgestellten Aufnahmen sind erstmals auf CD erhältlich, andere waren viele Jahre lang vergriffen. Das umfangreiche Begleitbuch zeichnet die Geschichte des Labels und seiner bedeutenden Aufnahmen in Text und Bildern nach. Zu den Künstlern, deren Aufnahmen mit "Westminster - The Legacy" vorgelegt werden, zählen Beverly Sills, Clara Haskil, Julian Bream, Hermann Scherchen, Daniel Barenboim und Erich Leinsdorf.