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15.10.2013
Decca Sound

Vorsprung durch Technik

Decca Sound, Vorsprung durch Technik © Siegfried Lauterwasser (DG) / Peter Fischli H. v. Karajan / C. Abbado

"The Decca Sound Vol. 2: The Analogue Years" präsentiert Aufnahmen aus den Jahren 1954 bis 1980. In dieser Ära analoger Tonaufnahmen vor Beginn des digitalen Zeitalters wurden bahnbrechende technologische Errungenschaften besonders im Bereich der klassischen Musik angestoßen. Man entwickelte Meilensteine der Tontechnik wie die Langspielplatte, Stereo und Hi-Fi gerade im Hinblick auf die Bedürfnisse von Klassikhörern im heimischen Wohnzimmer - für eine unterbrechungsfreie Wiedergabe ausgedehnter sinfonischer Sätze, eine authentische Tiefenstaffelung des Orchesterklangs und eine unverfälschte Abbildung des gesamten Klangspektrums.

Text: Jörg Ehlert | Foto: Siegfried Lauterwasser (DG) / Peter Fischl

Technologie, die begeistert

Der Wettbewerb unter den Plattenfirmen wurde entscheidend mitbestimmt durch die eingesetzte Technologie und die verantwortlichen Techniker und Entwickler, die Helden des 200-seitigen Begleitbuchs dieser Edition. Decca bewarb seine Innovationen mit Schlagworten wie "Full Frequency Range Recording" ("Long Playing Microgroove Full Frequence Range Recording" in der vollständigen und "FFRR" in der Kurzfassung), "High Fidelity" und "Sonicstage". Audiophile verbinden mit diesen Begriffen bis heute eine unerreichte Wärme und Tiefenschärfe, hervorgerufen durch den Einsatz mechanischer Aufnahme- und Wiedergabeverfahren und analoger Technik - bedient, modifiziert und gewartet von legendären Decca-Tontechnikern wie Arthur Haddy, Roy Wallace, Kenneth Wilkinson und John Culshaw.

Gehütet wie ein Staatsgeheimnis

Die großen Plattenfirmen wie Decca, Columbia und Capitol leisteten sich eigene Abteilungen für Forschung und Entwicklung. Sie hüteten ihre Innovationen wie Staatsgeheimnisse. Tastächlich stammten sie ja sogar zum Teil aus der militärischen Forschung. Decca etwa hatte seine ab 1944 für Schallplattenaufnahmen eingesetzte High Fidelity-Technologie ursprünglich für die Royal Air Force entwickelt. Flugzeugbesatzungen sollten damit trainiert werden, die charakteristischen, nahe der Obergrenze des menschlichen Hörbereichs angesiedelten Klänge deutscher und britischer U-Boote zu unterscheiden. Zwischen Decca und EMI gab es eine informelle Vereinbarung über ein Verbot der Einstellung ausgeschiedener Mitarbeiter des Konkurrenten. Die beiden Plattenfirmen, deren Studios kaum zwei Kilometer entfernt voneinander lagen, erhielten die Abmachung bis in die 1970er Jahre aufrecht.

Erste Stereo-Aufnahme von Decca

Unter den zahlreichen Innovationen der Decca-Techniker ist der sogenannte "Decca Tree" die einflussreichste und ein Standard, der in keinem Lehrbuch der Tontechnik fehlt. Dieses auf einer Dreiecks-Anordnung von Mikrofonen basierende Verfahren wurde in den 1950ern zur Realisierung von Stereo-Aufnahmen im Labor entwickelt. Zum Einsatz für eine geplante Veröffentlichung kam es erstmals am 1. Mai 1954 bei einer Aufnahmesitzung in der Genfer Victoria Hall mit Eugen Ansermet und dem Orchestre de la Suisse Romande, das Rimsky-Korsakows "Antar" spielte. Dirigent Ansermet zeigte sich begeistert vom Ergebnis. Der räumliche Eindruck der Aufnahme sei wundervoll, schwärmte er gegenüber den Tontechnikern. „Es ist, als stünde ich an meinem Pult.“ Die wegweisende Aufnahme ist Teil von "The Decca Sound Vol. 2: The Analogue Years"; zum Vergleich enthält die Anthologie auch eine Mono-Version.

„Make it better - make it Decca“

"The Decca Sound Vol. 2: The Analogue Years" zeichnet die Evolution des Decca-Klangs minutiös anhand einer Vielzahl von Referenzaufnahmen, die zwischen 1954 und 1980 entstanden, auf 54 CDs nach. Zu den hier vertretenen Künstlern zählen David Oistrach, Clifford Curzon, Alicia de Larrocha, Janos Starker, Charles Dutoit, Antal Dorati, Sir Georg Solti, Zubin Mehta, Claudio Abbado und viele andere bedeutende Klassikkünstler des 20. Jahrhunderts. Das umfangreiche und liebevoll getextete und bebilderte Begleitbuch erhellt historische und technische Hintergründe zur Entwicklung von "FFRR", "Decca Tree" oder dem legendären Stereo-Mischpult "Storm 64" sowie zu den Aufnahmen und Studios. Mike Gray, Kurator der Edition, erklärte 2011 im Interview, ein Teil des Geheimnisses des Decca-Klangs bestehe darin, dass die Techniker für jede Aufnahmesituation eine individuelle Lösung ersonnen hätten. Kein Gerät sei einfach nur von der Stange gekauft und eingesetzt worden: „There was always something done to make it better – make it Decca“. Mit dem zweiten Teil von "The Decca Sound" verleiht das Label dieser Philosophie in mehr als angemessener Form Ausdruck.