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27.08.2013

Magischer Shakespeare - Thomas Adès Oper "The Tempest"

Deutsche Grammophon präsentiert "The Tempest" von Thomas Adès in der umjubelten Met-Inszenierung von Robert Lepage auf DVD. Der Regisseur begeistert nach dem Erfolg seiner Inszenierung von Wagners "Ring" erneut mit Kreativität und künstlerischer Frische.

Magischer Shakespeare - Thomas Adès Oper The Tempest Robert Adès - "The Tempest"

Shakespeares letztes Theaterstück "The Tempest" (Der Sturm) ist reich an musikalischen Bezügen und hat immer wieder Komponisten zu ihren Werken inspiriert. Beethoven soll seinen Biografen Schindler dazu aufgefordert haben, das Stück zu lesen, um den tieferen Sinn seiner Klaviersonate Nr. 17 d-Moll op. 31 Nr. 2 zu begreifen. Tschaikowski komponierte angeregt von dem Stück eine Symphonische Phantasie und Sibelius schrieb eine Bühnenmusik für "The Tempest".

Werk eines Frühvollendeten

Die gegenwärtig erfolgreichste musikalische Auseinandersetzung mit dem Stoff hat der britische Komponist Thomas Adès vorgelegt. Als seine Oper "The Tempest" im Februar 2004 im Londoner Royal Opera House Weltpremiere feierte, hätten die Erwartungen nicht höher sein können. Adès, seinerzeit gerade 32 Jahre alt, hatte mit seinen Werken bereits zuvor internationales Aufsehen erregt und Erinnerungen an Benjamin Britten wachgerufen, seinen ähnlich frühreifen Landsmann und Vorgänger. Die überwältigenden, nahezu einhellig positiven Reaktionen auf Adès’ zweite Oper schienen den Vergleich zu rechtfertigen. „Nur die Zeit wird erweisen, ob der erste Abend von 'Der Sturm' 2004 ein Ereignis war, das seinen Platz in der Geschichte der britischen Musik neben dem ersten Abend von 'Peter Grimes“ einnehmen wird“, schrieb die britische Tageszeitung The Guardian. „Doch im Theater fühlte es sich so an.

Beeindruckende Erfolgsbilanz

Unterdessen hat sich gezeigt, dass der anfängliche Jubel angemessen war. "The Tempest" von Thomas Adès gehört zu den rar gesäten zeitgenössischen Opern, deren positive Aufnahme durch die Kritiker auch den Praxistest auf der Bühne bestanden haben. Tatsächlich kann "The Tempest", noch immer kaum eine Dekade alt, bereits eine erstaunliche Erfolgsbilanz von fünf unterschiedlichen Produktionen verbuchen: die erste Inszenierung von Covent Garden, die US-amerikanische Premiere beim Santa Fe Opera-Festival 2006, zwei deutsche Produktionen in Frankfurt und Lübeck und zuletzt die Neuproduktion von Robert Lepage an der New Yorker Met im Oktober 2012, die man nun dank einer Live-Aufnahme der Deutschen Grammophon auf DVD im Wohnzimmersessel genießen kann.

Doppelbödige Lepage-Inszenierung

Es überrascht kaum, dass Robert Lepage als Meister der Bühnenillusion von der Figur des gestrandeten Zauberers Prospero besonders fasziniert ist. Er hat Shakespeares "The Tempest" bereits mehrfach für das Theater inszeniert. „Es ist wie ein ‚Best of‘ aller Werke Shakespeares. Es enthält Tragik, es enthält Komik und es enthält Fantasy“, sagt der kanadische Regisseur. Lepage interpretiert die magische Aura des Stücks in seiner Inszenierung von Adès’ Oper als Metapher für die künstlerische Darbietung. Als gestürzter Impresario erschafft Prospero auf der Insel seiner Verbannung eine Kopie des Mailänder Opernhauses La Scala. Hier manipuliert der Magier die Menschen wie der Regisseur einer Opernproduktion.

Robert Lepages Inszenierung ist eine Koproduktion von Met, Opèra de Québec und Wiener Staatsoper. Thomas Adès selbst dirigiert die live mitgeschnittene Aufführung. Der charismatische Bariton Simon Keenlyside, für den Adès die Hauptrolle geschrieben hat, tritt als Prospero auf. Mezzo Isabel Leonard, aufsteigender Stern der Met, singt Miranda und Sopran Audrey Luna beeindruckt mit atemberaubender stimmlicher Virtuosität als Luftgeist Ariel.