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21.06.2013

Magische Nacht - The Dowland Project veröffentlichen "Night Sessions"

The Dowland Project, Magische Nacht - The Dowland Project veröffentlichen Night Sessions © Jarmila Uhlikova / ECM Records John Potter

Von Beginn an hat das Dowland Project des hierzulande nicht zuletzt durch seine Arbeit im Hilliard Ensemble bekanntgewordenen Sängers John Potter aus unterschiedlichsten musikalischen Traditionen geschöpft, darunter auch denen der 'Alten Musik' und der Improvisation. Die nun erscheinenden "Night Sessions" verdeutlichen die improvisatorische Flexibilität und den Einfallsreichtum der Musiker, die hier neue Musik aus dem Moment heraus erschaffen - zum Teil mit mittelalterlicher Poesie als Inspirationsquelle und Orientierungspunkt.

„Die ‚Night Music’ auf dem Album kam durch ziemlich spezielle Umstände zustande“, erzählt John Potter. „Wir hatten gerade in der Propstei St. Gerold die Aufnahmen für jenes Album beendet, das dann später unter dem Titel ‚Care-charming sleep’ veröffentlicht wurde, und wollten diese sehr kreativen Tage mit einer Feier beschließen. Irgendwann nach Mitternacht, am Ende eines heiter geselligen Abends, sagte Manfred Eicher plötzlich: ‚Lasst uns zurück in die Kirche gehen und noch etwas mehr aufnehmen…’ Manfred ist der treibende Geist hinter der Gruppe, seit er uns damals alle zusammen brachte, und ist ein inspirierender Teilnehmer in all unseren musikalischen Dialogen. Aber wir hatten bereits alle Stücke aufgenommen, die wir vorbereitet hatten. Und so musste die Musik nun aus dem Moment heraus entstehen. Ich hatte ein paar Gedichte aus dem Mittelalter bei mir und wir beschlossen, es mal mit denen zu versuchen.“

Was dann folgte, war, erinnert sich der Tenor, „die bemerkenswerte Stunde Musizierens, die ich je erlebt habe. Ich las den Musikern zuerst die Gedichte vor und dann legten wir los, dabei nahmen wir jedes Gedicht nur einmal auf. Die Resultate reichen vom einem Schlaflied, das wir über ein beschwingtes Riff der Bassklarinette improvisierten, bis zu einem lauten, fast schon gewalttätigen Stück, in dem die gesamte Band einen Hufschmied aus dem 14. Jahrhundert an seiner Esse heraufbeschwor.“

„Night Sessions“ ist das vierte Album des Dowland Project, das bei ECM New Series erscheint. Es gibt darauf allerdings auch einige "Tages"-Stücke, die, wie Potter anmerkt, auf rudimentärer Notation beruhen: "Menino Jesus à Lappa" basiert auf Fragmenten portugiesischer Pilgerlieder, und "Theoleptus 22" ist um einen byzantinischen Cantus herum arrangiert, die Lautenfantasien beziehen ihre Anregungen aus Dalzas "Intabolatura de Lauto" (Venedig, 1508) und "Attaignant's Tres breve et familiere introduction…a jouer toutes chansons" (Paris, 1529). Die ältesten Kompositionen auf diesem Album sind "Can vei la lauzeta mover", ein Liebeslied des Troubadours Bernart de Ventadorn aus dem 12. Jahrhundert, und "Fumeux fume" von Solage, einem Avantgardisten des 14. Jahrhunderts. Im Übrigen sind hier zwei verschiedene Inkarnationen des Dowland Projects zu hören: die Originalbesetzung mit Potter, dem Lautisten Stephen Stubbs und dem großen Jazz-Holzbläser John Surman erweitert um den Bassisten Barry Guy und die Violinistin Maya Homburger, sowie das neuere Line-Up mit Miloš Valent an Violine und Bratsche.