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14.03.2006

Biografie 2/2006

Biografie
Yehudi Menuhin (Violinist & Dirigent)

Yehudi Menuhin wurde am 22. April 1916 als Sohn russisch-jüdischer Einwanderer in New York geboren. Seinen ersten Unterricht auf der Violine erhielt er bereits als Fünfjähriger in San Francisco bei Siegmund Anker, der ihn an den Ysaÿe-Schüler Louis Persinger weiterempfiehlt. Schon bald tragen die aussergewöhnlichen musikalischen Talente des jungen Virtuosen ihm den Ruf eines Wunderkindes ein. Mit sieben Jahren debütierte Menuhin in San Francisco unter Alfred Hertz mit der Symphonie espagnole von Lalo. 1927 gab er sein Pariser Debüt bei den Concerts Lamoureux und wurde Schüler von Eugene Enescu, von dem er die wahrscheinlich stärkste musikalische Prägung erhielt. Auch Adolf Busch in Basel unterrichtete ihn.

1929 gab Menuhin in Berlin sein berühmtes Deutschland-Debüt unter Bruno Walter mit Violinkonzerten von Bach, Beethoven und Brahms. Eine völlig erstaunliche Reife und Tiefe der Empfindung zeichneten schon damals sein Spiel aus. Daraufhin erreichten ihn Anfragen aus der ganzen Welt. 1935 unternahm Menuhin eine Welttournee, die ihn mit 110 Konzerten in 63 Städte führte. Zuvor nahm er 1932 in London noch das Violinkonzert Edward Elgars unter Leitung des 75-jährigen Komponisten für EMI auf. Während einer zweijährigen, nur dem Unterricht gewidmeten Pause erholt er sich von den Strapazen.

Während des Zweiten Weltkrieges war Menuhin ausserordentlich aktiv: er gab über 500 Konzerte für die Alliierten und das Rote Kreuz. Als erster Künstler spielte er nach der deutschen Besatzung in der wiedereröffneten Pariser Opéra, aber auch als erster jüdischer Künstler nach dem Krieg zusammen mit den Berliner Philharmonikern unter Wilhelm Furtwängler - ein Entschluss, der ihm gerade von jüdischer Seite viel Kritik einbrachte. Mutig setzt er sich für den deutschen Künstler ein, der die Leitung des Berliner Orchesters bis kurz vor Kriegsende beibehalten hatte und sehr spät emigriert war; wie kein anderer lässt sich Menuhin dabei in seinem Urteil von Menschlichkeit und künstlerischem Weitblick leiten.

1959 zog Menuhin nach London. Bereits 1956 hatte er in Gstaad in der Schweiz ein Festival ins Leben gerufen. 1958 wurde zum künstlerischen Leiter des Bath-Festivals ernannt und gründete das Bath Festival Orchestra, das sich später Menuhin Festival Orchestra nennt. Es ermöglichte dem Virtuosen den Beginn eines zweiten Lebensabschnitts als Dirigent. 1963 schliesslich gründete er nach dem Vorbild der Moskauer Zentralschule für Musik die Yehudi Menuhin Music School in Stoke d'Abernon, eine Art musikzentriertes Gymnasium für musikalisch hochtalentierte Kinder, wie er selbst eines war. 1969 gab er die Leitung des Bath-Festivals ab und widmete sich für drei Jahre der Leitung des Windsor-Festivals.

1981 ernannte das Royal Philharmonic Orchestra ihn zum Präsidenten und stellvertretenden Dirigenten. Zahlreiche Auszeichnungen und Ehrendoktortitel folgten. Als Weltbürger setzte sich Menuhin auch stark für die Nivellierung des Ost-West-Konfliktes und für Künstler wie Mstislaw Rostropowitsch ein. Von 1969-75 war er Präsident des Internationalen Musikrates der UNESCO. Hochbetagt starb Sir Yehudi Menuhin am 12. März 1999 in Berlin während der Vorbereitungen zu einem Konzert.

Viele der herausragenden Interpretationen aus Yehudi Menuhins mehr als 50-jähriger Verbundenheit mit EMI Classics sind im Rahmen der Serie Références zugänglich, so u.a. die berühmte Aufnahme des Brahms'schen Violinkonzerts unter Wilhelm Furtwängler. Im Spätherbst 2001 erschien in der Serie Références auch Menuhins Mono-Aufnahme der Violinsonaten Beethovens von 1952/55 (mit Louis Kentner am Klavier), ausserdem Bartóks Violinkonzert Nr.2 (gekoppelt mit dessen Sonate für Violine solo). In der Serie Great Recordings of The Century wurden einige seiner besten Aufnahmen auf höchstem technischem Niveau überarbeitet und liegen somit in optimal restaurierter Klangqualität vor - wie die legendäre Interpretation des Elgar'schen Violinkonzertes unter Leitung des Komponisten von 1932 oder die hoch gerühmte Stereo-Aufnahme der Violinkonzerte von Mendelssohn und Bruch.

Eine 10 CDs umfassende Edition unter dem Titel Yehudi Menuhin - The Violinist mit teilweise bislang auf CD nicht greifbaren Aufnahmen hat EMI Classics im Herbst 2003 zum Andenken des grossen Geigers herausgebracht. Kurz zuvor erschien auch eine CD mit bisher unveröffentlichten Konzertaufnahmen Menuhins: Einspielungen des Violinkonzerts und der Romanze G-dur von Beethoven (1971) sowie Tschaikowskys Sérénade mélancholique (1959) mit dem Dirigenten Sir Adrian Boult. - In der neuen EMI Classics-Serie Legend, die erstmals die beiden Medien CD und DVD vereint, erschien ausserdem ein Portrait des singulären Musikers - zum Hören und Sehen (Juni 2004).
Die DVD-Video-Produktion Yehudi Menuhin - The violin of the century, die im Oktober 2005 veröffentlicht wurde, erhielt soeben einen Preis der deutschen Schallplattenkritik (Bestenliste 1/2006).
Stand: Februar 2006