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20.03.2013

Das neue Album "Between two Waves" von Victor Kissine

Victor Kissine, Magie der Harmonie © ECM Records "Between Two Waves"

Als der Osten sich öffnete, ergriff Victor Kissine die Gelegenheit und zog nach Belgien. Inzwischen kennt man ihn als wichtigen Komponisten der Gegenwart, dem ECM auf seiner New Series mit dem Geiger Gidon Kremer und dem Team der Kremerata Baltica nun ein ganzes Album mit Ersteinspielungen widmet.

Als Victor Kissine 1953 geboren wurde, hieß St. Petersburg noch Leningrad. Das Rimskij-Korsakow-Konservatorium der Stadt konnte aber bereits auf eine lange Tradition zurückblicken und so war es durchaus etwas Besonderes, als der junge Mann 1972 dort anfangen konnte, Komposition und Musikwissenschaft zu studieren. Kissine war ein sorgfältiger Student und so dauerte es einschließlich eines Aufbaustudiengangs immerhin 10 Jahre, bis er seine Ausbildung abschloss. Seine Oper „Marat/Sade“ nach einem Theaterstück von Peter Weiss, mit der er sich 1985 in Leningrad vorstellte, stieß allerdings aufgrund ihres freiheitlichen Gedankenguts – de Sade macht den idealistischen Pre-Sozialisten Marat zu Zeiten der Französischen Revolution souverän lächerlich und proklamiert die Loslösung des Individuums aus gesellschaftlichen Zwängen – bei der Sowjet-Führung auf wenig Gegenliebe. Als daher wenige Jahre später sich die Grenze behutsam öffnete, beschloss Victor Kissine, in den Westen zu gehen, und zog 1990 nach Belgien.

Kremer und Kissine

Über mehr als zwei Jahrzehnte hinweg machte sich Victor Kissine vor allem als Komponist von Kammermusik einen Namen. Den Geiger Gidon Kremer lernte er 2003 kennen, als beide sich in einem Projekt mit der Orchestrierung des berühmten „G-Dur Quartetts“ von Franz Schubert auseinandersetzten. Damals stellte der Komponist in Aussicht, für seinen Kollegen ein neues Stück zu schreiben, das nach eigenen Worten „orchestral und zugleich intim – eine Art 'Concerto in Wasserfarben'“ sein sollte. Vier Jahre später war „Barcarola for Solo Violin, String Orchestra and Percussion“ fertig und 2011 schließlich wurde es im Rahmen der Kammermusikfestes im österreichischen Lockenhaus von Gidon Kremer zusammen mit der Kremerata aufgeführt. Es ist ein Spiel mit Farben auf der Suche nach der im Zeitgenössischen oft verloren gegangenen Harmonie, ohne dabei auf die Klischees der Vergangenheit zurückgreifen zu müssen. Musik, wie geschaffen für den Meister der Feinheit Gidon Kremer und sein Ensemble.

Piano, Cello und Viola

In Lockenhaus wurde im Juli 2011 nicht nur dieses eine Werk von Victor Kissine aufgeführt. So stand beispielsweise das „Duo (after Osip Mandelstam)“ auf dem Programm, ein fragiles Zwiegespräch von Cello und Viola, für das sich der Komponist von Gedichten des Lyrikers Mandelstam inspirieren ließ. Die Cellistin Giedre Dirvanauskaite und ihr russisch-israelisches Gegenüber, der Bratschist Daniil Grishin, interpretierten dieses Zwiegespräch mit viel Gespür für die Binnendynamik und Transparenz der Komposition. Schließlich wurde außerdem das bereits 2006 entstandene Klavierkonzert „Between Two Waves“ präsentiert, mit Andrius Zlabys als Solist und der Kremerata Baltica unter der Leitung von Roman Kofmann. Manfred Eicher wiederum hielt diese magischen künstlerischen Momente für ECM New Series fest, die nun als Weltersteinspielungen das aktuelle Schaffen von Victor Kissine mit einem grandiosen Ensemble der Musikwelt vorstellen.