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08.03.2013
Quartetto Prometeo

Der Blick des Streichers – Quartetto Prometeo interpretiert Werke von Stefano Scodanibbio

Viele Liebhaber der Neuen Musik kannten Stefano Scodanibbio vor allem als herausragenden Kontrabassisten. „Reinventions“ stellt ihn nun, ein Jahr nach seinem Tod im Januar 2012, als Komponisten und Visionär der Kammermusik vor.

Quartetto Prometeo, Der Blick des Streichers Quartetto Prometeo - Stefano Scodanibbio "Reinventions"

Liest man Besprechungen seiner Aufnahmen und Konzerte, stößt man häufig auf Anmerkungen zu ungewöhnlichen Spieltechniken, die Stefano Scodanibbio zu einer verblüffenden Autarkie im Umgang mit der Musik verhalfen. Es waren die Klangfarben, die faszinierten, seine Fähigkeit, mehrere Melodielinien gleichzeitig laufen zu lassen, aber auch die Konsequenz, mit der er das Instrument in seiner Gesamtheit als Klangkörper erforschte. Damit hatte sich der Musiker aus den Marken schnell auch im Umkreis der einschlägigen Komponisten der experimentellen Avantgarde einen Namen gemacht. Er arbeitete lange mit Luigi Nono und Terry Riley zusammen, bekam von Meistern der Innovation wie Franco Donatoni, Brian Ferneyhough, Vinco Globokar, Fred Frith oder auch Iannis Xenakis Werke zugeeignet.

Lehrer und Komponist

Und es genügte ihm nicht, nur als Interpret zu wirken. Schon bald begann Scodanibbio zu unterrichten, in seiner Heimat, in Stanford oder auch bei den Ferienkursen in Darmstadt. In seinem Geburtsort Macerata gründete er 1983 das Festival für zeitgenössische Musik „Rassegna di Nuova Musica“, das er seitdem als künstlerischer Leiter auch inhaltlich und organisatorisch betreute. Als Komponist schließlich war er vor allem für Werke für Streichinstrumente bekannt. Seine Solo-Stücke für Kontrabass gehören zum Anspruchsvollsten, aber auch zum Reizvollsten, was die zeitgenössische Literatur zu bieten hat. Während seiner späten Lebensjahre beschäftigte er sich aber insbesondere mit einem Projekt, das nun in der Einspielung durch das Quartetto Prometeo bei ECM New Series erscheint.

„Reinventions“

„Reinventions“ ist eine radikale Umdeutung von drei Contrapunctus' aus Johann Sebastian Bachs „Die Kunst der Fuge“. Als Gegenstück dazu wirkt die Sammlung von „Canzoniere Messicano“ vergleichsweise versöhnlich. Begeistert von der Klang- und Liedwelt Mexikos hat Scodanibbio Melodien von José Alfredo Jiménez, José Lopez Alavéz, Germán Bilbao und Consuelito Velásquez in einem Zyklus bearbeitet, die für die Aufnahmen des Albums durch “Quattro Pezzi Spagnoli” mit spanischen Impressionen aus dem 18. und 19.Jahrhundert von Francisco Tárrega, Miguel Llobet, Dionisio Aguado und Fernando Sor ergänzt werden. Damit spannt „Reinventions“ einen großen Bogen vom neu gedeuteten Barock bis in die Gegenwart und ist zugleich das Debüt des italienischen Quartetto Prometeo für ECM New Series. Das vielfach ausgezeichnete Ensemble hatte bislang bereits Werke von Beethoven bis Hugo Wolf aufgenommen und erweist sich mit seinem aktuellen Scodanibbio-Programm nun als wichtige Kraft aus dem Stilterrain der musikalischen Gegenwart.