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01.03.2013
Pierre Boulez

Pierre Boulez spielt Mahlers „Schmerzenskind“ und Bergs Unvollendete

Deutsche Grammophon präsentiert die Aufnahme des Eröffnungskonzerts der Salzburger Festspiele 2011. Pierre Boulez und die Wiener Philharmoniker stellten das „Klagende Lied“ von Mahler und die Symphonischen Stücke aus der Berg-Oper „Lulu“ vor.

Pierre Boulez, Mahlers Schmerzenskind und Bergs Unvollendete © Roger Mastroianni Pierre Boulez

Im Mahler-Jubiläumsjahr 2011 wurde dem Grandseigneur der zeitgenössischen Musik Pierre Boulez die Ehre zuteil, das traditionelle Eröffnungskonzert der Wiener Philharmoniker bei den Salzburger Festspielen zu dirigieren. Auf seinen Wunsch erklangen eine der frühsten erhaltenen Partituren von Gustav Mahler, „Das klagende Lied“ (1880), und zwei Kompositionen des innigen Mahler-Bewunderers Alban Berg, die „Lulu-Suite“ und die konzertante Arie „Der Wein“ (nicht Bestandteil dieser CD). Für ihr ambitioniertes Programm wurden der Dirigent und das Orchester von der Presse gefeiert. „Der Strukturalist am Pult und die Klangzauberer aus Wien ergänzen sich geradezu perfekt“, befand die Badische Zeitung, und laut Wiener Zeitung gelang ein „furioser Drahtseilakt zwischen Farbensinnlichkeit und Struktur“. Den Gesangspart der Femme fatale übernahm Anna Prohaska. „Glasklar im Ton und mit schlanker Expressivität“, urteilte die FAZ über das Solo der Sopranistin im „Lied der Lulu“. Für glänzende Gesangsleistungen im „Klagenden Lied“ sorgten Tenor Johan Botha, Sopranistin Dorothea Röschmann und die kurzfristig für Elisabeth Kulman eingesprungene Altistin Anna Larsson.

„Imaginäres Theater“

Gustav Mahler begann im Herbst 1879 mit der Arbeit an der großangelegten Kantate „Das klagende Lied“ für Soli, gemischten Chor und Orchester. Den Text dichtete er selbst - in freier Anlehnung an das gleichnamige Märchen von Ludwig Bechstein und Grimm-Märchen. Zwei Brüder begeben sich auf die Suche nach einer roten Blume im Wald. Dem Finder hat eine Königin ihre Hand versprochen. Der ältere tötet den jüngeren Bruder und macht sich auf den Weg zum Schloss der Königin, um die versprochene Hochzeit zu feiern. Ein fahrender Spielmann findet jedoch einen Knochen des Getöteten und schnitzt daraus eine Flöte, deren „klagendes Lied“ von der Mordtat kündet … „Mein Märchenspiel ist endlich vollendet; ein wahres Schmerzenskind“, schrieb Mahler im November 1880 an einen Freund. Doch das Ringen um die endgültige Fassung des Werks war damit längst nicht beendet. Erst nach zweifacher Umarbeitung fand am 17. Februar 1901 die Uraufführung statt. Pierre Boulez bezeichnet Mahlers Jugendwerk als „imaginäres Theater mit wirklichen szenischen, auf das Konzert angewendeten Effekten“.

„Lulu“ als musikalischer Extrakt

Kaum denkbar ohne die Musik Gustav Mahlers ist „Lulu“, die unvollendete Oper Alban Bergs nach Frank Wedekind. Seit der verspäteten Premiere von Mahlers Märchenkantate („ein herrliches Werk!!“) wächst die Verehrung des Schönberg-Schülers für den Wiener Hofoperndirektor ins Unermessliche; die Musik Mahlers („da können wir alle einpacken!!“) hinterlässt ihre Spuren in Bergs Schaffen. Theodor W. Adorno, der über Bergs Drei Orchesterstücke op.6 schreibt, sie müssten klingen, „wie wenn man Schönbergs Orchesterstücke und Mahlers Neunte Symphonie zugleich spielt“, erklärt, nirgends sei die Beziehung zu Mahler deutlicher als in der „Lulu“. Zur Vertonung von Wedekinds Dramen reizt Alban Berg die „ganz neue Richtung - die Betonung des sinnlichen Moments“. Aus dem Stoff der Dramen „Erdgeist“ und „Die Büchse der Pandora“ erarbeitet er das Libretto für seine Oper „Lulu“ über den gesellschaftlichen Aufstieg und Fall einer Prostituierten. Die Machtergreifung der Nazis macht die Aufführung der vorläufigen Fassung in Deutschland unmöglich. So stellt Berg eine symphonische Suite für Konzertaufführungen her. Erich Kleibers Uraufführung in der Berliner Lindenoper mit der Preußischen Staatskapelle am 30. November 1934 findet großen Zuspruch bei Publikum und Kritikern. Doch setzt in der Folge eine Pressekampagne gegen den Dirigenten und den Komponisten ein. Kleiber verlässt 1935 Deutschland und Bergs Musik wird hier erst nach 1945 wieder erklingen. Die Arbeit an der Oper dauert bis zum Tod Alban Bergs im Dezember 1935 an. „Lulu“ bleibt ein Fragment.