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Artikel

28.02.2013
Karl Böhm

Der Zauber von Bayreuth – Karl Böhms „Ring“ in der Reihe Eloquence

Der Mitschnitt der Aufführung von „Der Ring des Nibelungen“ bei den Bayreuther Festspielen 1966/67 durch Karl Böhm und ein großes Sängerensemble um Birgit Nilsson und Wolfgang Windgassen läutet das Wagner-Jahr würdig ein.

Karl Böhm, Der Zauber von Bayreuth © Siegfried Lauterwasser / DG Karl Böhm

„Er wurde am 22. Mai 1813 geboren (...) und ist niemals gestorben“, schreibt der Dramaturg und Opernkritiker Marcel Prawy über Richard Wagner. Klarer lässt sich die anhaltende Nachwirkung Wagners wohl nicht zum Ausdruck bringen. Bis heute, 200 Jahre nach seiner Geburt in Leipzig, ist der immense künstlerischer Einfluss von Richard Wagner in den Bereichen Musik und Bühne überwältigend, wollen seine großartigen Schöpfungen immer wieder neu interpretiert werden. Dazu wird es im Rahmen des 2013 eingeläuteten Wagner-Jahres zahlreiche Gelegenheiten geben. Eine aufregende Zeitreise ermöglicht die Serie Eloquence nun allen Wagner-Liebhabern und solchen, die es werden wollen, mit der Wiederveröffentlichung des vierteiligen Opernzyklus’ „Der Ring des Nibelungen“ im legendären Mitschnitt von den Bayreuther Festspielen 1966/67 unter der Ägide des österreichischen Maestros Karl Böhm.

Unmittelbar und wahrhaftig

Die Besonderheit von Böhms „Ring“ vermittelt sich vor allem durch den Aufnahmeort – das Bayreuther Festspielhaus – und verewigt somit den Klang jenes magischen Ortes, der mit Wagners „Ring“-Tetralogie 1876 erstmals seine Pforten öffnete. Im Vergleich zu der weithin als Meilenstein geltenden ersten Studioaufnahme des „Rings“ durch Sir Georg Solti vermittelt der historische Festspiel-Mitschnitt auf diese Weise sehr authentisch jene Verknüpfung von Musik und Drama, welche Richard Wagner in seiner Schrift „Kunst und Oper“ so vehement einforderte. Durch das unmittelbar mit dem Bühnengeschehen verwobene Dirigat Böhms, das ungewohnt forsche Tempi verlangte, entsteht ein atmosphärischer Zugang zum Werk, der über die der Musik innewohnende Spannung weit hinausgeht. Diese Aufnahmen von Live-Darbietungen eröffnen dem Zuhörer eine neue dramatische Dimension, erlangen doch die Gesangstimmen durch das Schauspiel einzigartige Körperlichkeit. Karl Böhm vertraute dabei auf großartige Sänger und Sängerinnen, die hohe Maßstäbe in der Geschichte der Wagner-Interpretationen setzten. So beeindrucken unter anderem Wolfgang Windgassen als Siegfried, Birgit Nilsson als Brünnhilde, Josef Greindl als Hagen, Anja Silja als Freia und Gustav Neidlinger als Alberich.

Werk mit hohem Suchtfaktor

Richard Wagners „Ring der Nibelungen“ zählt zu den bedeutendsten und umfangreichsten musikalischen Bühnenwerken überhaupt und wird in der originalen Besetzung mit einem Orchester von mehr als 100 Musikern, 34 Solisten sowie einem Männer- und Frauenchor aufgeführt. Um sein Opus magnum zu vollenden, benötigte Wagner ein Vierteljahrhundert bis es schließlich 1876 unter der Leitung von Hans Richter in Bayreuth uraufgeführt werden konnte. Damit markiert „Der Ring“ den Beginn einer Ära, in der sich das wagnerische Gesamtwerk in der eigens von und für seinen Schöpfer konzipierten Spielstätte als Mythos manifestieren konnte.

Dass Wagner, Bayreuth und der „Ring“ eine magische Einheit bilden, unterstreicht die Neuauflage des Böhmschen Zyklus durch Eloquence noch einmal deutlich. Beim Hören lässt sich zudem auch Sir Simon Rattles jüngst gegenüber der ZEIT bekundete Ansicht überprüfen, nur wenig auf der Welt mache so süchtig wie Wagners „Walküre“ oder die „Götterdämmerung“.