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13.12.2012

Der Meister vieler Klassen – zum Tod von Ravi Shankar

Ravi Shankar, Der Meister vieler Klassen – zum Tod von Ravi Shankar © Deutsche Grammophon Ravi Shankar

Ravi Shankar war ein in vieler Hinsicht bedeutender Mann. Für die traditionelle indische Musik galt er als einer der Vollender der Tradition, der seit den Jahres des Unterrichts bei seinem Schwiegervater und Lehrmeister Ustad Allaudin Khan in der Lage war, vieler der nach klassischer Lehre möglichen 64848 Ragas auch in Vollendung zu spielen. Die Popmusik wiederum schätze ihn als Inspirator und Wegweiser in eine andere, für westliche Hörgewohnheiten mysteriöse Klangwelt, allen voran George Harrison, der nach dem Unterricht bei Shankar die Sitar in den Beatles-Kosmos einführte und damit eine akustische Mode anstieß.

Die klassischen Musiker schätzten ihn als Botschafter der indischen Kultur, der in der Lage war, mit den Idiomen der westlichen Welt zu kommunizieren. Konzerte mit David Oistrach oder Yehudi Menuhin, in späten Jahren die kompositorischen Zusammenarbeit mit Philip Glass, aber auch Ausflüge in die Jazzwelt mit Musikern wie Bud Shank dokumentierten einen der agilsten und stilistisch neugierigsten Künstler seiner Zeit. Und nicht zuletzt setzte er Töchter in die Welt, die ihrerseits bereits deutliche Spuren in der Musikwelt hinterlassen haben. Die eine, Norah Jones, verordnete dem Pop erfolgreich eine Prise Folk Jazz und die andere, Anoushka Shankar, zählt in der Nachfolge ihres Vaters zu den wichtigsten Sitar-Virtuosinnen der Gegenwart.

Ravi Shankar selbst, der am 7.April 1920 im indischen Benares in eine wohlhabende Brahmanen-Familie geboren wurde, fand zunächst über den Tanz zur Musik. Siebeneinhalb Jahre tourte er mit der Company Of Hindi Dance And Music seines Bruders Uday durch die Welt, lernte andere Kulturen und nicht zuletzt die klassische europäische Musik kennen. Nach der Phase der Übung zum Meisterinterpreten gereift, bearbeitete er Ragas für Ballettmusiken, aber auch für Soundtracks bis hin zu Richard Attenboroughs „Ghandi“, die wiederum bei Filmfestivals in Europa für Aufmerksamkeit sorgten.

Der Kontakt zu George Harrison, die Auftritte bei Großveranstaltungen wie dem Monterey Pop Festival 1969, Woodstock 1969, dem Concert For Bangladesh 1971 und große Tourneen brachten Ravi Shankar mit einem Millionenpublikum zusammen. Im Jahr 1973 kehrte er nach Indien zurück und widmete sich wieder mehr den spirituellen Dimensionen der Musik. Resultat dieser Studien ist unter anderem eines seiner Hauptwerke „Ghanashyan – A Broken Branch“ (1989), eine gattungsübergreifende Zusammenschau von Musik, Ballett und Drama.

Neben seinem Haus in Neu Delhi hatte Ravi Shankar aber auch einen zweiten Wohnsitz im kalifornischen Encinitas, wo er beispielsweise die Projekte mit Philip Glass erarbeitete. Er erhielt im Laufe seines Lebens mehr als ein Dutzend Ehrendoktorwürden, bekam angesehene Preise wie den Polar Music Price 1998, drei Grammys oder auch den Bharat Ratna, die höchste zivile Auszeichnung in seiner Heimat Indien, verliehen. Am 11.Dezember starb Ravi Shankar in San Diego im Alter von 92 Jahren und hinterließ ein opulentes künstlerisches Lebenswerk, das in seiner Vielfalt und Bedeutung seinesgleichen sucht.