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12.12.2012

Abschiede – Lisa della Casa und Galina Wischnewskaja verstorben

Lisa della Casa, Abschied von Lisa della Casa und Galina Wischnewskaja Lisa della Casa

Sie war ein Star und blieb doch ihr Leben lang bescheiden. Denn mit dem Rummel, wie er um manche ihrer Kolleginnen gemacht wurde, wollte Lisa della Casa nichts zu tun haben. Ihre Welt war die Kunst, insbesondere die Musik von Wolfgang Amadeus Mozart, Richard Strauss und bisweilen auch Richard Wagner. Als Octavian oder Feldmarschallin, Ariadne oder Electra, Salome und vor allem Arabella wurde die Schweizer Sopranistin weltberühmt und galt für viele Jahre sogar als deren beste Interpretin überhaupt.

Lisa Della Casa stammte aus Burgdorf bei Bern, wo sie am 2.Februar 1919 das Licht der Welt erblickte. Als junge Frau studierte sie in Zürich bei Margarete Haeser, debütierte dann 1941 in Solothurn-Biel als Cho-Cho-San in Puccinis „Madame Butterfly“. Ihr erstes festes Engagement führte sie an das Stadttheater Zürich, gefolgt von der Wiener Oper, zu deren Ensemble sie von 1947 an gehörte und auf deren Bühne sie im Laufe der Jahre mehr als 400 Aufführungen sang. Die Fünfziger erwiesen sich als ihr Jahrzehnt, denn Lisa Della Casa wurde in Glyndebourne ebenso gefeiert wie bei den Salzburger Festspielen, in Bayreuth ebenso wie an der Met.

Zuweilen wirkte sie auch bei Uraufführungen wie Gottfried von Einems „Der Prozess“ 1953 in Salzburg mit. Bekannt wurde Lisa della Casa aber vor allem durch ihre Partien in Opern von Mozart und Richard Strauss. Für die Decca sang sie beispielsweise die Elvira in der „Don Giovanni“-Aufnahme unter Josef Krips oder auch die Arabella mir Sir Georg Solti und die „Vier letzten Lieder“ mit Karl Böhm am Pult. Im Jahr 1974 nahm Lisa della Casa ihren Abschied von der Bühne und lebte daraufhin zurückgezogen auf ihrem Landsitz in Gottlieben in der Schweiz. Am vergangenen Montag ist die große Sängerin im Alter von 93 Jahren in Münsterlingen gestorben, wie die Wiener Staatsoper mitteilte.

Galina Wischnewskaja

Am Dienstag wiederum starb in Moskau Galina Wischnewskaja, eine der berühmtesten Sopranistinnen des russischen Musiklebens. Sie wurde am 25.Oktober 1926 in Leningrad geboren und wuchs als Teenager bei ihrer Großmutter auf, einer leidenschaftlichen Opernliebhaberin, nachdem die Eltern bei der Belagerung ihrer Heimatstadt ums Leben gekommen waren. Über diese persönlichen Wurzeln fand sie auch zur Musik, studierte Gesang und war zunächst in Operettenrollen auf der Bühne zu erleben.

Als Galina Wischnewskaja 1953 beim Moskauer Bolshoi-Theater vorsang, erkannte man ihr Talent und engagierte sie vom Fleck weg. Zunächst wurde sie nur für kleinere Rollen eingesetzt, bis sie endlich die Tatjana in Tschaikowskys „Eugen Onegin“ singen durfte, jene Partie, mit der sie neben der Natascha aus Prokofjews „Krieg und Frieden“ über Jahre hinweg am meisten identifiziert werden sollte. Bekannt wurde sie aber auch mit Rollen in Opern von Mozart und Puccini, Verdi und Gounod, nicht zuletzt auch in Schostakowitschs „Lady Macbeth von Mzensk“.

Im Jahr 1955 heiratete Galina Wischnewskaja den Cellisten und Dirigenten Mstislav Rostropowitsch. Rund zwei Jahrzehnte lang galten die beiden als Traumpaar der sowjetischen Kulturszene, fielen aber in Ungnade, als sie 1978 den Schriftsteller Alexander Solschenizyn bei sich aufnahmen. Bereits vier Jahre zuvor waren beide ins Exil gegangen, nun wurde ihnen zudem auch noch die sowjetische Staatsbürgerschaft aberkannt. Erst in Zeiten der Perestroika wurde diese Entscheidung rückgängig gemacht und das längst weltweit berühmte Paar kehrte in seine Heimat zurück. Seitdem galt Galina Wischnewskaja als Grande Dame der russischen Musikwelt, unterrichtete und förderte junge Talente und war eine prominente Persönlichkeit des kulturellen Lebens.