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10.12.2012
Andreas Scholl

Wanderer - das neue Album von Andreas Scholl

Andreas Scholl, Neue Wege © Patrick Walter Andreas Scholl

Wer Andreas Scholl sagt, meint Purcell, Bach, Händel, Dowland… mit diesem Repertoire feierte und feiert der Grand Seigneur Erfolge im In- und Ausland. Wie auf der Bühne zuletzt bei den Salzburger Festspielen als Händels Gulio Cesare und auf Tonträger als Bertarido in Händels „Rodelinda“ – einem Livemitschnitt aus der New Yorker Metropolitan Opera auf Blu-ray. Angestammtes Terrain, angestammtes Repertoire. So weit, so gut.

Text: KlassikAkzente | Foto: Patrick Walter

Doch wer kürzlich Scholls Recital im Berliner Konzerthaus besuchte, sah sich mit einem gänzlich anderen Andreas Scholl konfrontiert: keine perlenden Barock-Koloraturen, kein Herz zerreißendes „Ombra mai fu“, kein „Weichet nur, betrübte Schatten“. Dafür aber jenes Repertoire, welches man gemeinhin mit jeder anderen Stimmgattung außer der des Countertenors verbinden würde: Haydn, Mozart, Schubert, Brahms. Ein ungewöhnliches Experiment - nicht neu für die Gattung, aber neu für Scholl: „Jahrelang habe ich meinen Schülern das deutsche romantische Liedgut einstudiert, dass sich zwangsläufig irgendwann einmal die Frage stellte: Und warum singe ich das eigentlich nicht selbst?“ Gesagt, gesucht, getan. Und aus dem Interesse erwuchs die Leidenschaft, aus der Leidenschaft aber sein jüngstes Konzert- und Albumprojekt: „Wanderer“ – volkstümliche Kunstlieder, von den Exponenten deutschen Liedguts in Minidramen von Liebe und Einsamkeit verwandelt und längst zum musikalischen Allgemeingut in Konzertsälen und Aufnahmestudios avanciert. Nur eben nicht für Countertenöre. Für Scholl und seine Klavierbegleiterin Tamar Halperin liegt in der Schlichtheit und Aufrichtigkeit die Essenz dieser Lieder und deren Interpretation. Und so hören wir Mozarts „Das Veilchen“, Schuberts „Abendempfindung“ oder Brahms „Mein Mädel hat einen Rosenmund“ auf diesem Album mit anrührender Zartheit, ganz auf Empfindung und Poesie konzentriert und erleben - wie die Hörerinnen und Hörer des Berliner Recitals – einen Liederabend mit gewohntem Repertoire in ganz und gar ungewohnter Interpretation.