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10.12.2012
Tori Amos

Gold Dust - Best of Tori Amos in orchestralem Gewand

Tori Amos scheint keine Müdigkeit zu kennen. 2011 veröffentlichte sie ihr von Komponisten wie Bach oder Mussorgsky inspiriertes Album „Night Of Hunters“ und ging auf Tournee, jetzt folgt auch schon mit „Gold Dust“ ein weiteres Album.

Text: Dagmar Leischow | Fotos: Danielle Levitt

Damit beweist sie auch, dass die Klassik inzwischen stärker als der Pop zur Leitlinie der Singer/Songwriterin avanciert ist. Für dieses Album nun hat sich die Amerikanerin mit dem niederländischen Metropole Orkest zusammengetan, um ihre eigenen Stücke zu covern: „Ich wollte meinen Backkatalog noch einmal neu entdecken. Dafür haben mir die klassischen Musiker das nötige Input gegeben.“

Will sagen: Durch die Zusammenarbeit mit dem Orchester haben die Nummern, die ursprünglich meist am Klavier komponiert wurden, an Größe gewonnen. Sie kommen nun opulenter daher, veredelt mit Streichern und Bläsern. Ihr wichtigster Trumpf bleibt allerdings Amos' Gesang. In jeder Zeile, jeder Silbe liegen Leid und Leidenschaft – beherzt interpretiert von der mittlerweile 49-Jährigen. Die Sängerin wirkt nicht mehr so zerbrechlich wie früher, oft variiert sie die Intonation: „Das fiel mir nicht besonders schwer, weil mich ja einige Lieder schon seit Jahrzehnten begleiten.“ Tatsächlich nimmt die Künstlerin ihre Hörer mit auf eine Reise durch die von ihr mitgeschriebene Musikgeschichte. Einige Songs lehnen sich zu ihrem Frühwerk „Little Earthquakes“ zurück, das inzwischen 20 Jahre alt ist, die jüngsten entstanden erst 2009. Nicht zufällig fehlen ausgerechnet Klassiker wie „Crucify“ oder „Cornflake Girls“. Amos sah in ihnen einfach kein Potential für einen Richtungswechsel: „Ich habe mich auf die Titel konzentriert, die bestmöglich mit einem Orchester harmonieren.“

Gerade die älteren Songs ließen natürlich Raum und Zeit für Veränderungen, vor allem im Kopf. Wenn Amos heute „Winter“ singt, denkt sie nicht mehr an die Beziehung zu ihrem Vater und ihrem Großvater. Ihr drängen sich keine Bilder von der kleinen Tori auf, sondern von ihrer Tochter Natashya, genannt Tash. Das verrät sie während unseres Interviews in einem Londoner Hotel. Sie redet sehr konzentriert, hält stetig Blickkontakt mit ihrem Gegenüber. Obwohl sie unter Termindruck steht – der legendäre BBC-Moderator Jools Holland erwartet sie direkt nach unserem Gespräch in seiner Show, danach wird sie zu einer Kleideranprobe eilen – wirkt sie entspannt. Es stört sie nicht im Geringsten, hart zu arbeiten. Im Gegenteil: „Ich bin keine junge Frau, die ihr ganzes Leben noch vor sich hat. Darum versuche ich, meine kreativen Ideen schnellstmöglich umzusetzen.“

Ihr nächstes Projekt: ein Musical. Mit ihrer West-End-Adaption von George MacDonalds Märchen „The Light Princess“ beschäftigt sich Amos bereits seit fünf Jahren. Wahrscheinlich steht die Uraufführung 2013 an: „Ich wünsche mir nichts sehnlicher als einen Erfolg.“ Der wird ihr mit Sicherheit beschieden sein. Denn die Pfarrerstochter meisterte bislang noch jede Aufgabe mit Bravour. Deshalb wurde sie erst kürzlich für ihr Album „Night Of Hunters“ mit einem Echo Klassik in der Rubrik „Klassik ohne Grenzen“ ausgezeichnet.