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10.12.2012
Hélène Grimaud

Perfektes Doppel - Hélène Grimaud und Sol Gabetta

Dass die französische Pianistin Hélène Grimaud, 42, und die argentinische Cellistin Sol Gabetta, 31, zu den besten Instrumentalistinnen unserer Tage zählen, da sind sich Fans und Kritiker einig. Jetzt haben die beiden Spitzenmusikerinnen miteinander ihr Album „Duo“ aufgenommen.

Text: Dagmar Leischow | Fotos: Mat Hennek

Man kann nur staunen, wie einfühlsam, virtuos und stilsicher sie sich die Werke von Schumann, Brahms, Debussy und Schostakowitsch zu Eigen machen – da ist wirklich alles doppelt fabelhaft. Grimaud punktet mit ihrer nuancierten Tastenarbeit, Gabetta schafft mit ihrer Wandlungsfähigkeit Atmosphäre. So ergänzen sich diese Künstlerinnen immer wieder perfekt.

Es scheint fast so, als hätten sich zwei Seelenverwandte gefunden. Dabei sind diese Frauen eigentlich grundverschieden: als Menschen und als Künstlerinnen. Grimaud wirkt grüblerisch-tiefsinnig. Wie jemand, der ständig alles hinterfragt. Gabetta indes strahlt eine gewisse Leichtigkeit aus. Gemeinsam entwickeln sie ein beeindruckendes Gespür für Tempi, Klangfarben und Melodiebögen. „Wir sind wie Luft und Erde“, sagt Gabetta. „Deswegen ergänzen wir uns so gut.“ Mal holt Grimaud die Cellistin nach einem Höhenflug wieder auf den Boden zurück, mal kriegt die Pianistin von ihrer Partnerin neue Anreize.

Das bekam auch das Publikum gleich bei ihrem ersten Konzert in Gstaad im Sommer 2011 zu spüren. Ein wenig sollte die Aufnahme die Stimmung dieses Abends widerspiegeln, das hat sich Grimaud gewünscht: „Uns ging es nicht um eine Hochglanzproduktion, sondern um Lebendigkeit, um Intensität.“ Zum Proben blieb eh keine Zeit. Weil sich die vielbeschäftigten Musikerinnen nach ihrem Auftritt in der Schweiz erst in der Essener Philharmonie wiedersahen, wo sie dann ihr Album einspielten. Jede stellte ihr Können freiwillig in den Dienst der anderen, Unstimmigkeiten gab es ganz selten. „Wenn wir uns nicht einig waren“, erinnert sich Grimaud, „haben wir einfach verschiedene Möglichkeiten ausprobiert. Meist kamen wir dann recht schnell auf einen gemeinsamen Nenner.“

Das glaubt man ihr ohne weiteres. Als sich Grimaud und Gabetta in der Interview-Suite eines Berliner Hotels gegenüber sitzen, wird rasch klar: Trotz aller Gegensätzlichkeit stimmt zwischen ihnen die Chemie. Im Gespräch spielen sie sich gegenseitig die Bälle zu, sie lachen gern miteinander und sind zwei charismatische Charaktere. Das liegt vor allem an ihrer Ausstrahlung, nicht an ihrer Schönheit. Die wird, findet Grimaud, in ihrem Metier überschätzt: „Für mich sind Äußerlichkeiten keine große Sache. Ich denke, wir werden für unser Publikum in erster Linie durch das attraktiv, was wir mit unserer Musik kommunizieren.“ Gabetta nickt. Für sie zählen weder ein hübsches Gesicht noch ein großer Name: „Mir ist die Persönlichkeit eines Künstlers unheimlich wichtig. Am meisten beeindrucken mich diejenigen, die nur einen Fuß auf die Bühne setzen müssen – schon schlagen sie alle in ihren Bann. Wenn ihre Aura dann auch noch ihre Interpretationen durchdringt, kann man sich wahrhaftig nichts weiter wünschen.“