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30.11.2012
Anna Karenina - Soundtrack

Tanz über dem Abgrund - Dario Marianelles Filmmusik für “Anna Karenina”

Mit seinen Soundtracks zu Joe Wrights Historiendramen “Abbitte” und “Stolz und Vorurteil” stieg Dario Marianelli in die Riege der gefragtesten Filmkomponisten auf. Auch in Wrights neuem Film “Anna Karenina” spielt Marianellis Filmmusik eine große Rolle!

Anna Karenina - Soundtrack, Tanz über dem Abgrund © Focus Features Keira Knightley in "Anna Karenina"

Nach dem Erfolg seiner Romanverfilmungen “Abbitte” und “Stolz und Vorurteil” stellt Joe Wright nun seine mit Spannung erwartete Leinwandfassung von Leo Tolstois Romanklassiker “Anna Karenina” vor (Kinostart 06.12.2012). Der britische Regisseur setzte bei den Dreharbeiten zu weiten Teilen wieder auf das Team, das ihm bereits bei den beiden Vorgängern zur Seite stand, allen voran Muse Keira Knightley in der Titelrolle sowie Produzent Tim Bevan, Kostümdesignerin Jacquelin Durran und Setdekorateurin Katie Spencer. Und natürlich wäre das neue Historiendrama von Joe Wright nicht vollständig ohne den Komponisten Dario Marianelli, der für die Filmmusik von “Stolz und Vorurteil” eine Oscar-Nominierung und für “Abbitte” einen Golden Globe und den Oscar für den besten Original-Soundtrack erhielt.

Ein Leben auf der Theaterbühne

Joe Wrights Verfilmung bricht mit den Konventionen des Historiendramas. Seine kühne und visuell überwältigende Version von “Anna Karenina” basiert auf der Adaption von Theater- und Drehbuchautor Tom Stoppard, der unter anderem das Drehbuch für “Shakespeare in Love” geschrieben hat. Über Tolstois Roman sagt Stoppard: “Wir haben es mit einer Gesellschaft zu tun, die versuchte, mit Paris in Bezug auf Oper, Literatur und die anderen Künste gleichzuziehen.” Regisseur Joe Wright ergänzt: “Die Charaktere ähneln Schauspielern auf einer Bühne, die übernommene Ideen in Bezug auf Stil, Manieren und Kultur verkörpern. Anna Karenina spielt die Rolle der pflichtbewussten Ehefrau bis zu dem Punkt, an dem sie Graf Wronskij trifft. Doch alle Menschen um sie herum bleiben Schauspieler. So wurde mir klar, dass wir den Film in einem Theater ansiedeln mussten.” Die Kulisse eines im Verfall begriffenen Theaterhauses, in dem der Großteil der Filmhandlung spielt, wird zur Metapher für den inneren Zersetzungsprozess der Adelsgesellschaft im zaristischen Russland Ende des 19. Jahrhunderts.

Kongenialer Soundtrack

Auch im neuen Film von Joe Wright kommt dem Soundtrack von Dario Marianelli wieder eine zentrale Rolle zu. Der Komponist nähert sich dem Stoff ähnlich wie der Regisseur, insofern er auf den für das Genre typischen Einsatz üppiger Orchestermusik verzichtet. Marianelli setzt auf kleinformatige Strukturen, Ensembles in Kammerbesetzung und kunstvoll geschriebene Solopassagen. Seine Filmmusik ist kein Werk der plakativen Themen oder massiven russischen Chöre. Vielmehr bezieht der Soundtrack zu “Anna Karenina” seine Faszination aus einer packenden Mischung von handwerklicher Raffinesse, authentischen Instrumentenfarben und eindringlichen Interpretationen. Dario Marianelli schafft eine dichte musikalische Atmosphäre, die der Flamboyanz dieser Verfilmung ideal entspricht. So tanzt sich die dekadente Gesellschaft durch eine Vielzahl rauschender Walzer, die Erinnerungen an die Jazz-Suiten Schostakowitschs wachrufen. Und begleitet vom Klang traditioneller russischer Melodien scheint immer wieder die Möglichkeit einer wahrhaftigen Existenz jenseits Bühne des aristokratischen Lebens auf.