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26.09.2012

Werke des Überschwangs - Valery Afanassiev spielt Schubert

Valery Afanassiev zählt zu den herausragenden Schubert-Interpreten. ECM New Series präsentiert nach der gefeierten Aufnahme vom Lockenhaus-Festival 1985 die zweite Schubert-Einspielung des russischen Pianisten.

Valery Afanassiev, Werke des Überschwangs © Guido Werner / ECM Records Valery Afanassiev

Eine singuläre Erscheinung unter den großen Komponisten für das Klavier ist Franz Schubert, der selbst kein Klaviervirtuose war. Dies zeigt sich darin, dass seine Klavierwerke mit Ausnahme der Wandererfantasie weitgehend frei von Bravura-Passagen sind und keine großen technischen Schwierigkeiten für Pianisten bereithalten. Stattdessen beseelte Schubert nahezu alles, was er für das Klavier komponierte, mit seiner einzigartigen lyrischen Gabe, von den unzähligen Tanzstücken bis zu den zutiefst persönlichen späten Klaviersonaten. Es sind die Sonaten Schuberts, denen heute höchste Bewunderung gilt, obwohl ihnen nach dem frühen Tod des Komponisten fast 100 Jahre keine Beachtung geschenkt wurde – bis zu ihrer Wiederentdeckung durch die Pianisten Arthur Schnabel und Edward Erdmann.

Letzter Vertreter der klassischen Sonatentradition

Franz Schubert war der letzte große Komponist, der die Sonate als zentrales Genre innerhalb der Klaviermusik betrachtete. Daraus erklärt sich wohl auch die Ablehnung, die ihm während der Ära Chopins, Liszts und Schumanns zuteil wurde, welchen die traditionelle Sonatenform als Träger eines spontan anmutenden Ausdrucks weniger geeignet erschien als Kleinformen wie die Etüde oder das Prélude. Schuberts Beziehung zur Sonatentradition war dabei keineswegs ein nahtloses Sicheinfügen, zeigen doch die meisten seiner Sonaten – insbesondere die drei letzten – eine Flexibilität der Struktur und eine teils abenteuerliche Behandlung von Harmonik und Klang, die der Schlüssel zu ihrem höchst dramatischen Charakter sind.

Erster Romantiker

Die Klaviersonate in D-Dur D850 mit ihren Ländler-artigen Melodien, Hornrufen und stark synkopierten Rhythmen zählt zu den überschwänglichsten Werken Schuberts. Er komponierte es 1825 während eines Urlaubs im Kurort Gastein, dessen malerische Umgebung zweifelsohne zum Charakter der Sonate beitrug. Typisch für Schubert enthält jedoch auch die D-Dur-Klaviersonate Passagen voller Nostalgie und ambivalenter Stimmungen, so insbesondere der zweite Satz, con moto, der in der vorliegenden Aufnahme von Valery Afanassiev mit meditativer Konzentration erkundet wird. Als erster Romantiker zeigt sich Schubert in den zwischen 1823 und 1827 komponierten Moments musicaux, kurzen lyrischen Stücken, die ein Minimum an formaler Beschränkung und ein Höchstmaß an melodischem Erfindungsreichtum und emotionalem Ausdruck zeigen.

Neue Aufnahme des herausragenden Schubert-Interpreten

Pianist Valery Afanassiev - gefeiert für seine höchst individuellen und tiefgründigen Interpretationen der Werke Schuberts - präsentiert auf der vorliegenden Einspielung zwei extrovertierte Werke des Komponisten. Nach der Live-Aufnahme seiner Interpretation der Sonate D960 beim Kammermusikfestival Lockenhaus 1985, die unter Kennern als Meilenstein gilt, liegt nun die zweite Soloveröffentlichung des in Moskau geborenen Pianisten mit Schubert-Werken auf ECM New Series vor. Wie stets bei seinen Aufnahmen hat Afanassiev, der auch als Schriftsteller für Aufsehen sorgt, den geistreichen Begleittext zur CD selbst verfasst.