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19.09.2012
ECM Sounds

Synthese zwischen Energie und Intelligenz

Bisher legte Pianist Benedikt Jahnel bei ECM zwei Alben als Mitglied der exzellenten Band Cyminology vor. Nun präsentiert er sich auf “Equilibrium” endlich mit seinem eigenen Trio, das schon seit 2008 in der deutschen Jazzpresse hymnisch gefeiert wird.

ECM Sounds, Synthese zwischen Energie und Intelligenz © ECM Records / Oliver Kartak Benedikt Jahnel

“Do Your Math” heißt der Jazz-Blog des Bad-Plus-Pianisten Evan Iverson. Sein deutscher Kollege Benedikt Jahnel hat die Phrase wörtlich genommen. Denn neben seiner Karriere als Pianist führt er noch ein zweites Leben als Diplom-Mathematiker an der Bochumer Ruhr-Universität, wo er sich u.a. auf “interagierende Teilchensysteme” spezialisiert hat. Und ums Interagieren geht es auch in der Musik, die Jahnel mit seinen beiden Trio-Partnern Antonio Miguel und Owen Howard macht. 2008 brachten sie ihr erstes Album “Modular Concepts” heraus, das von Jazzthing gleich als “ganz großer Wurf” gefeiert wurde. Jetzt folgt mit “Equilibrium” das erste Album für das Label ECM, auf dem Jahnel zuvor schon als Mitglied der Band Cyminology an der Entstehung der Alben “As Ney” (2009) und “Saburi” (2011) mitwirkte. “Equilibrium” ist laut Jahnel eine “Synthese zwischen der speziellen Energie und Intelligenz des Trios sowie der berühmten Atmosphäre und Brillanz einer ECM-Aufnahme”.

Wie das “interagierende Teilchensystem” namens Benedikt Jahnel Trio zueinander fand

Der Aufnahme des neuen Albums gingen, so Jahnel, “drei Jahre kreativer Vorbereitungszeit” voraus, die das Trio zu einer straffen und stilistisch einzigartigen Einheit zusammenschweißte. Benedikt Jahnel konnte sein Profil in den letzten Jahren nicht nur in der Band Cyminology schärfen, sondern auch im Zusammenspiel mit dem fabelhaften holländischen Metropol Orchestra, Phil Woods, Johannes Enders, dem 2009 verstorbenen Charlie Mariano, Wolfgang Muthspiel, Dave Liebman und John Abercrombie. Den aus Kanada stammenden, aber in Brooklyn/New York lebenden Schlagzeuger Owen Howard lernte Jahnel kennen, als dieser als Gastprofessor an der Berliner Universität der Künste weilte. Später verbrachte der Pianist selber zwei Jahre in New York, wo er seine künstlerische Beziehung mit dem Schlagzeuger vertiefte. Dort lernte er außerdem den spanischen Bassisten Antonio Miguel kennen, der damals gerade seine Studien bei John Patitucci abschloss und schließlich das Benedikt Jahnel Trio komplettierte.

Ausbalancierung der Rollen im Trio sowie zwischen komponierten und improvisierten Teilen

Die sieben Stücke von “Equilibrium”, allesamt Originale von Jahnel, stellen eine einzigartige und delikate Balance zwischen komponierten Teilen und Solo- oder Ensembleimprovisationen her. Der Albumtitel ist eine Anspielung auf das mathematische Verfahren der Äquilibrierung (vom Lateinischen “aequilibrium” = Gleichgewicht). Und der Begriff lässt sich ganz hervorragend auch auf die Musik dieses Trios übertragen, das sich um eine perfekte Ausbalancierung der bereits erwähnten Elemente bemüht, aber auch um eine Gleichgewichtsherstellung zwischen den Rollen der einzelnen Musiker. “Ich betrachte ein so genanntes ‘Solo’ gerne als eine Gruppenleistung”, erläutert Jahnel. “Das Klavier sollte seine Linien nicht über eine Begleitung in einer traditionellen Jazzmanier spielen. Ich bevorzuge stattdessen improvisierte Abschnitte, die von der ganzen Band gemeinsam entwickelt wurden - so wie in dem ersten Stück ‘Gently Understood’. Es ist schön, wenn sich ein Solo über zwei oder mehr Abschnitte erstreckt und der Hörer nicht klar erkennen kann, ob es nun wirklich ein Solo ist.”

Manfred Eichers inneres Ohr und Klangvision

Das neue Album profitierte laut Jahnel nicht nur von den Erfahrungen, die das Trio in den letzten drei Jahren auf Tourneen machte, sondern ebenso sehr von der Atmosphäre im Studio Radio Televisione Svizzera in Lugano: “Alls war perfekt”, sagt er, “die Instrumente, die Räumlichkeit. Sehr wichtig war für mich auch Manfred Eichers inneres Ohr und seine Klangvision.” Das Trio ging mit einer Reihe von sehr gründlich strukturierten Kompositionen ins Studio. Doch Jahnel brachte auch ein paar kleine, lediglich skizzierte Stücke mit, bei denen der Schwerpunkt mehr auf Klang und Improvisation lag. “Denn ich wußte, dass das Studio in Lugano einen gewissen Einfluss ausüben würde, und das wollte ich auch so. Ich denke, dass diese Stücke von Bedeutung waren, um dieses Album so richtig abzurunden.”

Benedikt Jahnel Trio auf Deutschland-Tournee

Ab Ende September werden Benedikt Jahnel, Antonio Miguel und Owen Howard die Musik ihres neuen Albums “Equilibrium” bei Konzerten in Deutschland vorstellen: Unter anderem tritt das Trio am 27. September in der Essener Philharmonie auf, am 1. Oktober im Kölner Loft, am 3. Oktober im Berliner A-Trane und am 5. Oktober in der Münchner Unterfahrt.