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18.09.2012
Nicola Benedetti

Hollywoods erste Geige

Nicola Benedetti, Hollywoods erste Geige © Simon Fowler Nicola Benedetti

Das hat es lange nicht gegeben: Eine klassische Soloinstrumentalistin stürmt die Pop-Charts! Geigerin Nicola Benedetti veröffentlichte Ende August ihr Album "The Silver Violin" mit Musik, die von Hollywood inspiriert wurde. Kurze Zeit später hatte sie bereits die britischen Pop-Charts erobert, stieg auf Platz 36 – vor den Superstars Justin Bieber und Labrinth – ein. Zuletzt war eine ähnlich hohe Platzierung Punk-Geiger Nigel Kennedy im Jahr 1991 gelungen.

Text: KlassikAkzente | Foto: Simon Fowler

Nicola Benedetti ist begeistert: „Ich habe Korngolds Violinkonzert gehört und gespürt: Das ist mein Stück! Ich muss das unbedingt aufnehmen! Korngold ist da unglaublich. Er hatte ein solch genaues Gespür dafür, was man mit einem Instrument, einem Orchester, was man für einen Film machen kann.“ So wurde der österreichische Komponist, der in den 1920er Jahren nach Anfängen als Wunderkind im Opernfach Karriere machte und in den folgenden Jahrzehnten in Hollywood zu den gefragtesten, Oscar-prämierten Komponisten für den aufstrebenden Tonfilm avancierte, zum eigentlichen Startschuss des Albums „The Silver Violin“.

Die Schönheit der Filmmusik

Denn als Nicola Benedetti die Idee weiterdachte, war schnell klar, dass Filmmusik nicht nur zu Zeiten von Erich Wolfgang Korngold zu den Quellen großer Melodien und tiefer Emotionen gehört. „Nehmen wir zum Beispiel das Thema von 'Schindlers Liste'. Das hat so viele Menschen und nicht nur solche der jüdischen Gemeinde tief bewegt. Oder auf der anderen Seite ein Stück wie den Tango 'Por Una Cabeza'. Das ist wahrscheinlich das lustigste Stück des ganzen Albums und es hat uns viel Spaß gemacht, es aufzunehmen“. Uns, das heißt in diesem Fall Nicola Benedetti und Kirill Karabits, der als Dirigent des Bournemouth Symphony Orchestra dafür sorgte, dass die 24-jährige Geigerin mit schottisch-italienischen Wurzeln auch den passenden orchestralen Rahmen geboten bekam.

Violine und mehr

So ist „The Silver Violin“ mit den großen Filmmelodien von Korngold und Carlos Gardel, John Williams oder auch Gustav Mahler und Dimitri Schotakowitsch ein Album, das viele Menschen über den Kreis der Klassik-Liebhaber hinaus begeistern wird. Und genau das ist Nicola Benedetti ein wichtiges Anliegen. Denn die charismatische Geigerin möchte auch junge Menschen erreichen. Deshalb konnte man sie beispielsweise – als bislang einzige klassische Künstlerin – bereits beim schottischen Rockfestival „T In The Park“ erleben.

Sie war darüber hinaus Stargast der „Last Night of the Proms 2012“ an der Seite des maltesischen Tenors Joseph Calleja und sie engagiert sich intensiv als „Musical Big Sister“ des Kinder- und Jugendorchesters „Big Noise“, das in Schottland nach dem Vorbild des venezolanischen Projekts „El Sistema“ junge Menschen für das Musikmachen in Orchestern begeistert. Das alles ist Teil eines nachhaltigen Verständnisses der eigenen Kunst. Denn es ist eine Sache, dass sie Benedetti selbst unbändig Spaß macht. Mindestens ebenso wichtig ist es, möglichst viele Hörer dafür begeistern zu können. Auf „The Silver Violin“ spürt man diese unbändige, tief berührende Musizierlust.