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17.09.2012
Elina Garanca

Sehnsucht nach dem Belcanto

Elina Garanca, Sehnsucht © Karina Schwarz / DG Elina Garanca

Erst kam das Kind, dann das neue Album. Was durchaus miteinander in Verbindung steht. Denn als Elina Garanča, weltweit gefragter Mezzo-Star, nach sechs Monaten Babypause wieder anfing zu singen, musste sie überrascht feststellen, dass sich ihre Stimme deutlich verändert hatte: „Sie ist runder und voller geworden. Sie sehnte sich förmlich nach Belcanto und schönen Legato-Bögen.“ Was also lag näher, als ein Album zu ersinnen, das genau diese Ansprüche erfüllt? Herausgekommen ist „Romantique“ – und es zeigt Elina Garanča von einer (Stimm-)Seite, wie man sie bisher noch nicht erlebt hat (und in absehbarer Zeit auf der Bühne leider wohl auch nicht erleben wird).

Text: Michael Horst | Foto: Karina Schwarz

Bisher gaben die Hosenrollen bei ihr den Ton an, ob nun der Octavian im Rosenkavalier oder der Romeo in Bellinis I Capuleti e i Montecchi. Dann wieder glänzte die Garanča mit verliebten jungen Damen wie Mozarts Dorabella oder Massenets Charlotte. Jetzt treten die leidenden, frustrierten, todessehnsüchtigen Frauen auf die Bühne – und die lettische Sängerin leiht ihnen die volle Schönheit ihrer Stimme, von der die Londoner Times schlicht und einfach vom „Golden Mezzo“ schwärmt. Fündig geworden ist Elina Garanča vor allem im französischen Repertoire: Da darf die verführerische, männermordende Dalila von Saint-Saens ebenso wenig fehlen wie die heißverliebte, von ihrem Geliebten Faust aber schmählich verlassene Marguerite aus Berlioz’ La damnation de Faust. Doch es gibt vielmehr zu entdecken: Die antike Sängerin Sapho, die Charles Gounod harfenumrauscht den Abschied von der Welt beklagen lässt. Oder Donizettis La Favorite, jene unglückliche Léonore, die – diesmal nicht auf italienisch, sondern auf französisch – sehnsüchtig den Tod erfleht. Und Tschaikowskys tapfere Johanna, die Jungfrau von Orléans, mit der die Sängerin einen Ausflug in die russische Romantik macht.

Wer kennt schon Gounods Oper Die Königin von Saba? Oder Nicola Vaccai mit seiner Romeo und Julia-Version Giulietta e Romeo? All das hat Elina Garanča wieder ausgegraben und vom Staub der Bibliotheken befreit. Viel mehr noch: Ihr leidenschaftliches Plädoyer für diese Frauen holt sie direkt aus dem 19. Jahrhundert in unsere Zeit. „Im ganzen Album geht es eigentlich um Liebe“, sagt die Mezzosopranistin, „ob nun geheim, unerlaubt oder unerfüllt.“ Wie gut, dass Elina Garančas Liebe zu dieser Musik weder geheim noch unerlaubt war. Und mit dem Album „Romantique“ seine allerschönste Erfüllung gefunden hat.