Klassik Newsletter

Sie wollen immer aktuell informiert sein? Unser Newsletterservice versorgt Sie wöchentlich mit allem zum Thema klassische Musik.

OK

Nichts verpassen

Nutzen Sie KlassikAkzente Online auch wenn Sie nicht auf unserer Seite sind:
Social Networks:

Artikel

06.09.2012

Chor mit Nachdruck – Góreckis „Miserere“

Es ist eine Form von Luxus, 110 Sänger in einem Chor zur Verfügung zu haben. Erst recht aber ist es Luxus, wenn er so ausgezeichnet singt wie der Los Angeles Master Chorale unter der Leitung von Grant Gershon.

Henryk Mikolaj Górecki, Chor mit Nachdruck © Alex Berliner Los Angeles Master Chorale

Es waren schwarze Tage für Bydgoszcz. Bereits im Herbst 1980 hatte es Bestrebungen der polnischen Bauern gegeben, sich mit einer eigenen Gewerkschaft vom Diktat der Kommunisten zumindest einen Schritt weit unabhängig zu machen. Wenig später kam es dann zur Bildung einer Bäuerlichen Solidarność, die alsbald sich dem groß angelegten Streik der polnischen Gewerkschaften anschließen wollte. Der autoritäre Staat aber beschloss, diese Bestrebungen nicht gelten zu lassen, und so kam es im März 1981 zu Ausschreitungen, bei denen die Polizei in Bydgoszcz so vehement gegen die Streikenden vorging, dass die Ereignisse dem erschütterten Henryk Górecki im Gedächtnis blieben.

Statement gegen Gewalt


Noch im selben Jahr entstand „Miserere“ als Protest des in Polen angesehenen Komponisten gegen die Willkür der staatlichen Gewalt. Allerdings wurde es ihm untersagt, das Werk auch der Öffentlichkeit zu präsentieren und so konnte die Uraufführung erst 1987 stattfinden. In den ersten Jahren des neuen Jahrtausends dann wurde es auch in das Repertoire des Los Angeles Master Chorale integriert, der das opulente Oeuvre nun als Tribute an den im November 2010 verstorbenen Komponisten aufgenommen hat. Faszinierend ist dabei nicht nur das Können der Interpreten, die unter der Leitung von Grant Gershon dem „Miserere“ eine bewegende Tiefe abgewinnen, sondern auch der Sound der Einspielung.

Famoser Klang in der Walt Disney Concert Hall

Denn das Stück wurde in der Walt Disney Concert Hall aufgenommen, dem Stammhaus des Los Angeles Master Chorales. Gershon gelingt es daher gemeinsam mit den Technikern der Decca, ein Maximum der Raumwirkung zu erzielen, das dem Stück eine besondere Opulenz verleiht. Es wird außerdem um zwei weitere kürzere Kompositionen ergänzt, zum einen den „Lobgesang“, und darüber hinaus Góreckis fünf „Pieśni Maryjne“. Grundlage dieser „Mariengesänge“ war das Kirchen-Gesangbuch aus den 1870er Jahren, das seinerseits noch in einer Zeit zusammengestellt worden war, als Polen ein zwischen Preußen, Russland und Österreich-Ungarn aufgeteiltes Land war. In Verbindung mit dem elfteiligen „Miserere“ ist auf diese Weise ein Programm entstanden, das sich in mit profunder Intensität vor einem der größten Komponisten der modernen polnischen Musikgeschichte verneigt.