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06.09.2012
Maurice Ravel

Spiel der Farben – Ravel The Complete Edition

Sein bekanntestes Werk „Boléro“ nannte Maurice Ravel nur eine „orchestrale Studie“. Und überhaupt liebte er das Experiment mit Klängen aus aller Welt. „Ravel The Complete Edition“ ist daher eine Expedition in das Reich der musikalischen Farben.

Maurice Ravel, Spiel der Farben Ravel - The Complete Edition

Das Paris des Fin-de-Siècle war ein Kosmos der unterschiedlichsten Einflüsse. Weltausstellungen brachten die Moderne in die Stadt. Künstlerkreise stellen manche Gewissheit des bürgerlichen Zeitalters infrage und im Gefolge des florierenden Spätkolonialismus tummelten sich Menschen aus exotischen Kulturkreisen in der Metropole. Für den jungen Maurice Ravel muss das faszinierend gewesen sein. Geboren 1875, hineingewachsen in die wilden Jahre des Empire und ausgebildet unter anderem bei Gabriel Fauré am Pariser Konservatorium ließ er sich bald von Kollegen wie Claude Debussy, Erik Satie oder auch von der dezenten ästhetischen Subversion der russischen Komponisten des Mächtigen Häufleins beeinflussen, die ihn zu eigenen Klangexperimenten inspirierten.

Geschichte und Exotik

Als zum Beispiel im Jahr 1903 ein Freund von ihm namens Arthur Léon Leclère unter dem Wagnerhaften Pseudonym Tristan Klingsor eine Sammlung mit 100 Gedichten herausgab, der er den Titel „Shéhérazade“ gab, fühlte sich Ravel angeregt, einige der Verse zu vertonen. Eine andere Richtung der thematischen Weltflucht schlug er ein, als er sich in die Geschichte seines Landes vertiefte und aus historisierendem Impetus heraus komponierte. Das „Menuet antique“ etwa schrieb schon der Zwanzigjährige 1895, die Orchesterfassung allerdings entstand erst 1929.

Eine weitere Hommage an die Vergangenheit entstand zu einer Zeit, als Ravel als Versorgungsfahrer hinter der Front mit der Niederlage der westlichen Zivilisation direkt konfrontiert wurde. „Le Tombeau de Couperin“ war zunächst als sechsteilige Klaviersuite gedacht, im fernen Rekurs auf den französischen Komponisten des 18. Jahrhunderts. Die Orchesterversion von 1919 wurde dann gekürzt, gestrafft und gehört ebenso wie die „Pavane pour une Infante défunte“ zu den ansprechendsten Werken, die Ravel jemals geschaffen hat.

Eine Edition der Stars

Der Reiz, der von Maurice Ravels Werken ausgeht, ist über die Jahre hinweg ungebrochen geblieben. Denn seine Fähigkeit, Klangsinnlichkeit mit formaler Strenge, Präzision und einem profunden Gespür für Melodien zu verbinden, fasziniert Musiker aller Generationen. So ist die Werkedition mit 14 CDs ein Füllhorn der herausragenden Interpretationen, das viele Koryphäen der vergangenen Jahrzehnte in einer Box vereint. Dazu gehören kammermusikalische Ensembles wie das Beaux Arts Trio, das Melos Quartett ebenso wie das The Nash Ensemble.

Große Persönlichkeiten des Klaviers wie Martha Argerich, Jean-Yves Thibaudet, Pierre-Laurent Aimard, Ivo Pogorelich oder Alfons & Aloys Kontarsky sind ebenso mit von der Partie wie Gesangsstars von Cecilia Bartoli bis Gérard Souzay, außerdem die erste Garde der Dirigenten von Charles Dutoit und Ernest Ansermet über Sir John Eliot Gardiner und Claudio Abbado bis hin zu Lorin Maazel und Andrew Litton. Denn die musikalische Welt von Maurice Ravel ist wie ein Bilderbuch der klingenden Moderne, visionär und doch klar genug, um sich nicht in der Avantgarde zu verlieren. Und die „Complete Edition“ bringt diese Vielfalt unter einem Dach zusammen.