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17.08.2012

Keine Zeit zum Feiern: Heiner Goebbels wird 60 Jahre alt

Heiner Goebbels, Heiner Goebbels wird 60 Jahre alt © Rainer Wohlfahrt / ECM Records Heiner Goebbels

"Call him what you will, he's too busy to be bothered" schrieb die New York Times in einer Würdigung des Theatermachers, Komponisten und Multimediakünstlers Heiner Goebbels. Und ganz ähnlich verhält es sich mit dessen Einstellung gegenüber seinem heutigen 60. Geburtstag. Er feiere ungern, erklärte er im Interview mit der Nachrichtenagentur dpa. Der Zufall will es, dass heute auch die von ihm geleitete Ruhrtriennale 2012 beginnt. Wenn die Arbeit ruft, bleibt keine Zeit zum Feiern.

Die Räume in unserer Vorstellungskraft seien enger geworden, schreibt Heiner Goebbels in seinem Editorial zu dem bevorstehenden dreijährigen Zyklus, der sich den zeitgenössischen Künsten widmet: Musiktheater, Theater, Bildende Kunst, Performance, Tanz und Musik. Als erster künstlerischer Leiter hat sich Goebbels gegen ein zentrales Thema entschieden. Unter seiner Ägide rückt dafür der generische Untertitel "International Festival of the Arts" ins Blickfeld - er steht für Offenheit und Breite statt vorgefasster Erwartungshaltungen.

"Themen schränken aus meiner Sicht nicht nur den künstlerischen Leiter ein, sondern auch vehement den Auftrag an die Künstlerinnen und Künstler", meint Goebbels. Und nicht zuletzt manipulieren Sie den Blick des Publikums, dem entscheidenden Maßstab in Goebbels’ eigenem Schaffen. Angesichts eines übermächtigen kulturellen und medialen Aufgebots, das permanent beraten, belehren, informieren und verführen will, betrachtet er sein Theater als Zufluchtsort, in dem der Zuschauer wieder zum Souverän der eigenen Erfahrung werden kann.

In dem experimentellen Bühnenstück "Stifters Dinge" ist Goebbels so weit gegangen wie nie zuvor. "Im Zentrum steht die Aufmerksamkeit den Dingen gegenüber, die im Theater oft als Dekor oder Requisit eine nur illustrative Rolle spielen, hier aber die Protagonisten sind: das Licht, die Bilder, die Geräusche, die Töne, die Stimmen, Wind und Nebel, Wasser und Eis", erläutert er. Schauspieler und einen herkömmlichen Plot sucht man in Goebbels’ Stück vergebens. Was uns der heute 60-Jährige dagegen anbietet, ist eine neue Lust am Entdecken und Staunen.