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22.06.2012

Zurück in die Zukunft - Die Serie 20C präsentiert Meisterwerke des 20. Jahrhunderts

Der Katalog von Deutsche Grammophon enthält eine Fülle herausragender Einspielungen der Werke des 20. Jahrhunderts. Im Rahmen der neuen Serie 20C präsentiert das Label 50 Schlüsselwerke der Moderne.

20th Century Classics, Zurück in die Zukunft Serie 20 Century

Hinter dem Chiffre 20C verbirgt sich die neue Serie aus dem Hause Deutsche Grammophon, die sich ausschließlich den Meisterwerken der klassischen Moderne des 20. Jahrhunderts widmet. Im Verlauf von zwei Jahren wird 20C fünf Staffeln mit jeweils zehn Titeln vorstellen, die einen repräsentativen Überblick über die einzigartige Vielfalt an bahnbrechenden musikalischen Neuerungen, Schulen, Strömungen und Personalstilen im zurückliegenden Jahrhundert geben, über Schoenbergs Zwölftontechnik, Serielle Musik, Musique Concrete, Elektronische Musik bis hin zu Minimalismus und postmodernen Kompositionstechniken.

Jeder Titel einer Staffel enthält ein Schlüsselwerk aus einem Jahrzehnt in Einspielungen von führenden Interpreten wie Claudio Abbado, Pierre Boulez, Riccardo Chailly oder Steve Reich. Wo es Aufführungsdauer und Kontext erlauben, werden einzelne Titel um weitere Werke ergänzt. In Form eines Zeitstrahls gibt jedes Begleitheft einen Überblick über bedeutende Uraufführungen, die Werkeinführungen stammen aus der Feder des renommierten Kritikers Nigel Simeone. Zu den Höhepunkten der ersten Staffel zählen neben Orchesterwerken von Claude Debussy, John Cages Werken für präpariertes Klavier, Dmitri Schostakowitschs 5. Sinfonie, Igor Strawinskys "Le Sacre du Printemps", Harrison Birtwistles "The Triumph of Time", Luciano Berios Sinfonia und Steve Reichs "Drumming" drei visionäre Orchesterwerke von Edgar Varèse, Karlheinz Stockhausen und Osvaldo Golijov.

Varèses "Amériques"

"Ameriques" nannte Edgar Varèse seine erste nach der Übersiedelung von Berlin nach New York fertiggestellte Komposition. Jedoch stellt der Titel des zwischen 1919 und 1922 entstandenen Werks nicht lediglich einen geografischen Bezug her. Vielmehr symbolisiere dieser, so Varèse in einer autobiographischen Skizze, "Entdeckungen neuer Welten, auf der Erde, am Himmel oder im menschlichen Geist." Und entsprechend kühn ist die Disposition seines von musikalischem Abenteurer- und Entdeckergeist geprägten Werks: Mit 27 Holzbläsern, 29 Blechbläsern und der größten Schlagzeug-Sektion seiner Zeit führt Varèse den großen romantischen Orchesterapparat an seine äußersten Grenzen. Grelle Farbkontraste, steil abfallende Klangwände, explosive Dynamik, brodelnde Rhythmen und drängende Bewegungsverläufe vereinigen sich hier zu immensen Eruptionen der Klangphänomene, die Varèse in den Jahren zuvor erforscht hatte. Die von 20C präsentierte Aufnahme realisierten Pierre Boulez und das Chicago Symphony Orchestra im Jahr 1995. Zugrunde lag die 1927 von Varèse revidierte Fassung von "Ameriques".

Stockhausens "Gruppen"

In "Gruppen", entstanden zwischen 1955 und 1957, überträgt Karlheinz Stockhausen die Konzeption seines elektroakustischen Pionierwerks "Gesang der Jünglinge" auf ein Orchester. Im "Gesang" wird erstmals der Raum als musikalischer Parameter in die Komposition mit einbezogen: Er ist für fünf Lautsprechergruppen geschrieben, die rings um den Höher im Raum verteilt sind. “Gruppen”, Stockhausens Werk für drei Orchestergruppen unter der Leitung von drei Dirigenten, transferiert die bahnbrechende Idee in den Konzertsaal. Die Zuhörer sind von drei hufeisenförmig um sie herum angeordneten Orchestern umgeben, die teils unabhängig in verschiedenen Tempi spielen, Klangentwicklungen untereinander weiterreichen, sich vereinigen und wieder voneinander trennen. In der Einführung zu einer WDR-Ausstrahlung von "Gruppen" im Jahr 1958 hieß es: "Jeder Klangkörper ist nun in der Lage, seinen eigenen Zeitraum erlebbar zu machen, und als Hörer befindet man sich inmitten von mehreren Zeiträumen, die wiederum einen neuen, gemeinsamen Zeitraum ausmachen." 20C präsentiert die 1994 im Großen Saal der Berliner Philharmonie realisierte Aufnahme der Berliner Philharmoniker unter Friedrich Goldmann, Claudio Abbado und Marcus Creed.

Golijovs Markus-Passion

Osvaldo Golijovs "La Pasión según San Marcos" verwirft Konventionen der Orchesterwerke in der klassischen westlichen Tradition. Seine furiose Passion, anlässlich des 250. Todestags von Johann Sebastian Bach von der Internationalen Bachakadamie Stuttgart in Auftrag gegeben, wird von einer lateinamerikanischen Bläsersektion, Akkordion, Gitarre, Violinen, Celli und einer großen Perkussion-Gruppe dargeboten. Golijov verschmilzt südamerikanische und afrikanische Musiktraditionen, unterlegt sein Werk nahezu vollständig mit kraftvollen rhythmischen Mustern und verbindet alle Elemente mit avancierten zeitgenössischen Kompositionstechniken. Ebenso ungewöhnlich wie die Orchestrierung seiner Markus-Passion ist die Aufteilung der Rollen: Erzähler, Jesus, Petrus, Judas, Pilatus und das Volk werden nicht von spezifischen Sängern oder Gruppen gesungen. Die Rolle des Jesus etwa übernehmen wechselnd ein Solist, eine Solisten-Gruppe, zudem ein Frauenchor und ein gemischter Chor. In der von 20C präsentierten Aufnahme aus dem Jahr 2010 werden die elementaren musikalischen Kräfte von Dirigentin María Guinand, der Golijov das Werk gewidmet hat, mit beeindruckender Präzision und enormer Spannkraft gelenkt.