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24.05.2012

Als Crossover noch kein Schimpfwort war

Svend Asmussen, Als Crossover noch kein Schimpfwort war © Universal Music Svend Asmussen, c Universal Music

Lange vor Rondo Veneziano gab es bereits diverse mit Pop und Jazz gewürzte Klassik-Experimente. Zwei zu Unrecht in Vergessenheit geratene Alben erscheinen jetzt erstmals auf CD, innerhalb der JAZZ CLUB-Serie und auf einem gemeinsamen Tonträger. Beide sind ein Wiederhören wert!

Den Anfang macht eine exquisite Produktion des 1916 in Kopenhagen geborenen Violinisten Svend Asmussen, neben Stéphane Grappelli einer der an einer Hand abzuzählenden Jazz-Musiker, die auf diesem ungewöhnlichen Instrument zu Weltruhm gelangten. Asmussen ist ein mitreißender Swing-Musiker und spielte mit Django Reinhardt, Benny Goodman, Duke Ellington und vielen anderen Legenden des Jazz. 1974 zeigte er sich auf der für das deutsche MPS-Label entstandenen LP "Amazing Strings" von einer ganz anderen Seite. Gebettet in von Orchesterleiter Christian Schmitz-Steinberg hin gegossene Streicherarrangements ist er hier mit klassischen Themen zu hören. Die elegische Grundstimmung wird allerdings immer wieder aufgerissen, wenn Asmussen und die grandiose Rhythm Section aus Dieter Reith (Orgel), Siegfried Schwab (Gitarre) und Kenny Clare (Schlagzeug) sich zu groovenden Zwischenspielen in Schwindel erregende Hören schrauben.

Kreativer Kopf hinter Album Nummer zwei war der in Deutschland tätige Jugoslawe Mladen „Bobby“ Gutesha, einer der besten Arrangeure der 60er und 70er Jahre. Die 1973 aufgenommene MPS-LP "Rockin' Bach Dimensions" war neben Jacques Loussiers „Play Bach“, den Alben der holländischen Band Ekseption und vielen anderen Beispielen ein weiterer künstlerisch erfolgreicher Versuch, die bekanntesten Werke Johann Sebastian Bachs in andere musikalische Ausdrucksweisen zu überführen. Gutesha versammelte dafür eine „Dream-Band“ aus europäischen Jazz- und Studio-Koryphäen, wie Horst Jankowski (Cembalo), Wolfgang Dauner (Synthesizer), Siegfried Schwab (Gitarre), Ack van Rooyen (Trompete & Flügelhorn), Herb Geller (Flöte), Ake Persson (Posaune) und diverse weitere. Dieser Bach rockt und swingt, und ist zu gleichen Teilen eine Arrangement- wie Improvisationsleistung des gesamten Ensembles. Dem als musikalisch offen beschriebenen Johann Sebastian Bach hätte es vermutlich gefallen.